Olaf Scholz bei einer Diskussionsrunde der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“
+
Olaf Scholz blickt derzeit auf gute Umfragewerte - und könnte tatsächlich Kanzler werden.

„Nicht umsonst Teflon-Scholz“

Scholz rigoros? „OWD“ - hinter seinem Rücken kursierte einst ein geheimnisvolles Kürzel

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
    schließen

Olaf Scholz will Kanzler werden und hat laut Umfragen gute Chancen. Aber wie würde der Finanzminister regieren? Es kursiert ein Kürzel, das seinen Führungsstil beschreiben soll.

Berlin - Olaf Scholz ist laut Umfragen der mit Abstand beliebteste Kanzlerkandidat. Der SPD-Finanzminister landet im Politikerranking deutlich vor seinen Kontrahenten Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne). Kritiker spotten, Scholz profitiere lediglich von der Schwäche der anderen. „Scholz wird plötzlich zur Lichtgestalt ohne eigenes Zutun – weil Laschet und Baerbock viele Fehler gemacht haben“, meint etwa FDP-Vize Wolfgang Kubicki. „Scholz hat im Moment das Glück des Nichtauffallenden.“

Bundestagswahl: Scholz wird schon mit Helmut Schmidt gleichgesetzt

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich der aktuelle Finanzminister mit öffentlichen, greifbaren Patzern (Lachen, Buchplagiat, etc.) weitgehend zurückhält. Der Wirecard-Skandal scheint derweil kein großes Thema zu sein.

Die eigene Partei freut sich über den derzeitigen Zuspruch. In einem aktuellen Wahlspot stellt die SPD ihren Kanzlerkandidaten gar in die Tradition des früheren SPD-Kanzlers Helmut Schmidt. Scholz schreitet in dem Clip durch das Berliner Regierungsviertel, während aus dem Off der Amtseid Schmidts erklingt. Schmidt war von 1974 bis 1982 Regierungschef sozialliberaler Koalitionen. Es gibt derweil aber nicht nur positive Stimmungen innerhalb der Partei.

Bundestagswahl: OWD - hinter dem Rücken von Olaf Scholz gab es ein Kürzel über seinen Führungsstil

Ein nicht namentlich genannter SPD-Mann kritisiert gegenüber dem Spiegel, Scholz habe in seiner Zeit als Hamburger Bürgermeister stets „Jasager als Senatoren“ gewollt. Intern kursierte zu Scholz´ Hamburger Zeiten das Kürzel OWD: Olaf will das. Scholz wird ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. „Die Fraktion hatte für Olaf nur eine Funktion: Sie sollte am Beginn einer Wahlperiode den Bürgermeister wählen und ansonsten Ruhe geben.“, heißt es in dem Bericht.

Kritik kommt darüber hinaus erwartungsgemäß von der politischen Konkurrenz. Scholz blockiere Ermittlungen zur Causa Wirecard und behindere somit die Aufklärung des Finanzskandals, heißt es etwa aus der Union. „Der Finanzminister wird nicht umsonst Teflon-Scholz genannt“, sagt Matthias Hauer, Obmann der CDU in dem Wirecard-Untersuchungsgremium, gegenüber ntv. Dass Scholz sämtliche Skandale abperlen lässt und kleinredet, wird ihm in der SPD derweil manchmal als Stärke ausgelegt. (Kann Laschet das Ruder noch mal herumreißen? Mit unserem Politik-Newsletter erfahren Sie stets alle Neuigkeiten zur Bundestagswahl.)

Bundestagswahl: Scholz findet „Kanzlerschaft von einem Sozialdemokraten jetzt sehr erreichbar“

Olaf Scholz will Kanzler werden – und könnte dieses Ziel den aktuellen Umfragen zufolge durchaus erreichen. Zuletzt überholte die SPD die CDU/CSU sogar. Während der Kanzlerkandidat der SPD vor Monaten noch eher belächelt wurde, ist eine Regierung unter Führung der SPD mittlerweile wahrscheinlicher geworden. Das weiß auch Scholz*, wenn er etwa sagt: „Ein Regierungswechsel, ein Aufbruch in Deutschland ist möglich. Eine Kanzlerschaft von einem Sozialdemokraten ist jetzt sehr erreichbar geworden.“

Scholz stellt die aktuelle Situation in den Fokus. „Viele trauen mir zu, die nächste Regierung zu führen und das ist ja kein einfaches Amt“, meint der 63-Jährige. „Insofern bin ich sehr bewegt davon, wie viele das tun.“ Es sei „etwas Besonderes zu sehen, dass sich jetzt auch die Zustimmung zur SPD erhöht.“ Der Trend sei eine Ermutigung, mit großer Demut die letzten Wochen des Wahlkampfes weiterzuführen. Gesagt werden muss bei aller roter Euphorie aber auch: Das historisch schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl liegt nicht in allzu weiter Ferne. 2017 erreichte die SPD 20,5 Prozent. (as) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare