+
Thomas Oppermann.

SPD stellt Rauswurf in den Raum

Oppermann im TV: Regierung auch ohne CSU möglich

  • schließen

Köln - In "Hart aber fair" sollte am Montagabend eigentlich über die Zukunft von Angela Merkel diskutiert werden. Am Ende stand aber eher die Zukunft der CSU in der Koalition in Frage.

Der WDR-Polit-Talk "Hart aber fair" verdiente sich am Montag über weite Strecken das Prädikat "Themaverfehlung". Denn um die eigentlich zur Diskussion gestellte Frage „Angezählt – wie viel Zeit bleibt Merkel noch?“ ging es erst über weite Strecken gar nicht und am Ende der Sendung nur ein kleines bisschen. Davor sprachen die Gäste von Moderator Frank Plasberg über die Nicht-Lösung der Flüchtlingsproblematik, warfen sich gegenseitig Blockade und Untätigkeit vor und stellten die Bundeskanzlerin dann doch nicht wirklich in Frage.

Die Teilnehmer der Diskussion: Thomas Oppermann, Fraktionsvorsitzender der SPD, Elmar Brok, Europapolitiker der CDU, Thomas Kreuzer, frischgewählter Fraktionschef der Christsozialen in Bayern, Christian Lindner, FDP-Parteichef und die Spiegel-Journalistin Melanie Amann. Die deutlichste Kritik an Angela Merkel kam noch von Lindner. Er warf ihr vor, eine Isolation Deutschlands in der EU verschuldet zu haben. "Viele Menschen haben das Vertrauen in den Staat verloren", so Lindner.

Dies war aber eine der wenigen direkt an der Kanzlerin geäußerten Kritiken. Über lange Strecken ging es vor allem immer wieder um die Forderung nach Obergrenzen (Kreuzer), Lob an die politische Weitsicht der Europäischen Union (Brok) und Kritik am Dauerzank in der Union von Oppermann. Von einer der eher historisch bedingten Aussagen des CDU-Mannes Brok ließ sich Plasberg gar zum Ausruf "Was vor zwölf Jahren war, ist mir scheißegal" hinreißen.

Lesen Sie auch: 15 Fakten zu Flüchtlingen, die jeder wissen will

Der Moderator versuchte vor allem Kreuzer und Oppermann konkrete Ansätze zur Lösung der Krise zu entlocken. Doch während auf den Monitoren Bilder von Flüchtlingen an ungarischen Grenzzäunen liefen, kamen von den Diskussionsteilnehmern die allgemein bekannten Schlagworte aus Dublin-Abkommen, Überforderung der Kommunen und der Sicherung der EU-Außengrenzen. Dabei kam leider nicht wirklich etwas Neues heraus.

Überraschende Worte vom Koalitionspartner

Als dann die Diskussion tatsächlich auf das eigentliche Thema der Sendung kam, wurde schließlich vor allem Oppermann unmissverständlich konkret: "Wir hätten auch ohne CSU die Mehrheit", sagte der Sozialdemokrat im Hinblick auf die Verhältnisse im Bundestag. Er warf den Bayern vor, extremen Parteien Menschen in die Arme zu treiben. "Die Dauerkonfrontation der CSU führt der AfD Wähler zu. Solche Diskussionen können wir uns nicht leisten." Daraufhin fiel auch Thomas Kreuzer nicht mehr viel ein. Die CSU in der Opposition, dieser Gedanke schien ihm genauso wenig zu gefallen wie seinem Chef Horst Seehofer.

Letztlich - da waren sich alle Teilnehmer von "Hart aber fair" einig - steht Angela Merkel nicht wirklich in Frage. Journalistin Amann stellte zu Recht fest, dass es schlichtweg keine Alternativen zu Merkel gibt. Und selbst im Falle von vorgezogenen Neuwahlen sitze die Kanzlerin sicher im Sattel.

bix

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Jauchegrube!“: USA treten mit Theaterdonner aus UN-Menschenrechtsrat aus
Unter Donald Trump verabschieden sich die USA aus immer mehr internationalen Institutionen - als nächstes ist wohl der Menschenrechtsrat dran.
„Jauchegrube!“: USA treten mit Theaterdonner aus UN-Menschenrechtsrat aus
Umfrage: CSU käme bundesweit auf 18 Prozent
Bezogen auf ganz Deutschland hatte die CSU bei der vergangenen Bundestagswahl 6,2 Prozent der Stimmen geholt. Sollte die bayerische Regionalpartei bundesweit antreten, …
Umfrage: CSU käme bundesweit auf 18 Prozent
Asyl-Streit: CSU sauer wegen Macron-Treffen - kommt die nächste Eskalation?
Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Zwei Wochen hat die Kanzlerin nun Zeit, um einen Bruch abzuwenden. Alle Entwicklungen rund um …
Asyl-Streit: CSU sauer wegen Macron-Treffen - kommt die nächste Eskalation?
Merkel und Macron verbünden sich für eine EU- und Asylreform
Im eigenen Land hat Kanzlerin Merkel wegen der Flüchtlingsfrage reichlich Ärger. Da kommt der Rückenwind von Frankreichs Präsident Macron wie gerufen. Der Franzose ist …
Merkel und Macron verbünden sich für eine EU- und Asylreform

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.