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Thomas Oppermann von der SPD fand die Jamaika-Verhandlungen peinlich.

“Hart, aber fair“

Oppermann über Jamaika: „Die peinlichsten drei, vier Wochen der Politik“

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Bundestagswahl, Jamaika, GroKo - das Jahr 2017 hatte aus politischer Sicht jede Menge zu bieten. Im Rückblick von „hart, aber fair“ wurde allerdings nicht nur in den Rückspiegel geschaut, sondern auch scharf geschossen.

Bereits zu Beginn konnten die Zuschauer erahnen, dass es bei der der letzten „hart, aber fair“-Sendung im Jahr 2017 etwas wilder zugehen könnte. Moderator Frank Plasberg kündigte nämlich an, dass kaum Fragen von ihm kommen würden und „stattdessen freies Schießen“ das Motto wäre. Enttäuscht wurden sie dabei keinesfalls.

Zu Gast im Polit-Talk waren am Montagabend SPD-Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner, Komiker Abdelkarim, Welt-Journalist Robin Alexander sowie taz-Journalistin Bettina Gaus.

Die Meinungen gingen zum ersten Mal bei Angela Merkels Kommentar nach der Bundestagswahl (“Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten“) auseinander. Während SPD-Politiker Oppermann der Kanzlerin unterstellt, dass sie keinen Plan für Deutschland haben würde, glaubt taz-Journalistin Gaus, dass „sie am Ende als Gewinnerin dasteht.“

Oppermann schießt scharf gegen Jamaika und bekommt Kontra

Auch das Thema Jamaika stand auf der Agenda des Polit-Talks. Während Komiker Abdelkarim die Bilder vom Jamaika-Balkon mit Bollywood verglich, wünschte sich die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner für die GroKo-Sondierungen einen Ort ohne Balkon.

Oppermann feuerte derweil aus allen Rohren gegen das gescheiterte Schwarz-Grün-Gelbe Bündnis und bezeichnete die Sondierungen als „die peinlichsten drei, vier Wochen der Politik.“ Das konnte Klöckner naturgemäß so nicht stehen lassen und konterte mit dem Hinweis, dass „sie (die SPD) nicht wollten und nicht wussten, was sie wollten. Das ist keine peinliche Veranstaltung, das ist Demokratie, Herr Oppermann!“

Lesen Sie auch: Geplant oder unvermeidlich: Warum ist Jamaika gescheitert?

Zum Scheitern der Verhandlungen beziehungsweise zu deren Zustandekommen erklärte der angesprochene Oppermann, dass es gar nicht gehe zu sagen, „wir gehen nur in die Regierung, wenn wir unsere Position maximal durchsetzen können.“ Ob der SPD-Mann, dessen Partei vor Kurzem selbst noch nicht regieren wollte, damit nicht möglicherweise ein Eigentor geschossen hat? Schließlich könnte es bald doch noch zur zunächst von SPD-Seite ausgeschlossenen GroKo kommen.

Oppermann verteidigt Parteikollegin Nahles - und wird wieder ausgekontert

Welt-Journalist Robin Alexander hatte zu diesem Thema eine gewagte These in Richtung Oppermann parat. „Sie haben das Problem, dass Frau Merkel Ihnen schon vor vier Jahren alles gegeben hat: Mindestlohn, Rente mit 53 – es ist einfach nichts mehr vom SPD-Programm übrig, was die Union Ihnen geben könnte!“ 

Gibt es eine GroKo? Wie verlaufen die Sondierungen? Alle News finden Sie in unserem Ticker.

Doch es gab nicht nur Widerworte in der Sendung. Oppermann gab zu, dass die SPD „richtige Fehler gemacht“ habe. Dazu zählte er, dass seine Partei im Wahlkampf zu oft das Thema gewechselt und das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität nicht bedient habe. Das Thema an CDU-Politikerin Klöckner weiterzureichen, konnte er sich im Anschluss nicht verkenifen. Diese meinte, „dass das Thema Migration, Integration, innere Sicherheit und soziale Sicherheit viel klarer hätte angegangen werden müssen!“

Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner gab Fehler im Wahlkampf zu.

Als Fauxpas könnte man auch die beiden Aussagen von Andrea Nahles bezeichnen, die sie kurz nach der Bundestagswahl („Auf die Fresse“) und Anfang Dezember (“Bätschi“) getroffen hatte. Oppermanns Schutz für seine SPD-Parteikollegin mit dem Hinweis, dass das „erkennbar nur Spaß“ gewesen sei, konterte Klöckner trocken: „Sagen Sie das Ihren Kindern auch?“ Treffer, versenkt.

Neuwahlen? „Indiskutabel“

Die möglichen Neuwahlen, die der von Nahles damals angedeutete SPD-Oppositionsgang mit sich bringen würde, fände Oppermann „indiskutabel“. Man müsse sich „am Wahlergebnis ausrichten und nicht so lange wählen lassen, bis es uns passt.“ Hier fing sich der Bundestagsvizepräsident eine ironische Replik von Journalist Alexander ein, der der SPD keine guten Argumente bei Neuwahlen bescheinigte. „Was will die SPD denn sagen? Wählt uns, damit wir nicht regieren?“

Deutschland sucht eine Regierung: Das sind die fünf Optionen

Schließlich wurde zum Schluss auch noch das umstrittene Zitat von AfD-Mann Alexander Gauland thematisiert, der nach der Bundestagswahl davon sprach, dass „die AfD Merkel jagen und wir uns unser Land zurückholen“ müssen. Während Alexander das als Aufgabe der Opposition sah und auch Oppermann das zumindest aus politischer Sicht vertretbar beurteilte, sah taz-Journalistin Gaus das komplett anders. 

Gaus: „Ich will von Herrn Gauland nirgendwo hingeholt werden“

„Kein Zitat hat mich dieses Jahr so verbittert. Ich bin Bürgerin dieses Landes. Ich will von Herrn Gauland nirgendwo hingeholt werden.“ Vom Publikum erhielt sie für diese Aussage viel Applaus.

Am Ende hatten sich aber alle wieder lieb, vor allem SPD-Mann Oppermann und CDU-Politikerin Klöckner. Als Moderator Plasberg fragte, bei wem sich seine Talkgäste entschuldigen müssten, antwortete Klöckner, dass sie sich gerne bei der SPD dafür entschuldigen würde, dass die CDU sie als „nicht regierungsfähig“ bezeichnet habe. Sieht so der Kuschel-Kurs Richtung GroKo aus?

sh

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