Die Demonstranten werfen den Regierenden Zensur vor. Foto: Marcin Obara
1 von 5
Die Demonstranten werfen den Regierenden Zensur vor.
Demonstranten hatten die Ausgänge des Warschauer Parlaments blockiert. Foto: Marcin Obara
2 von 5
Demonstranten hatten die Ausgänge des Warschauer Parlaments blockiert.
Nach Regierungsplänen sollen Reporter nicht aus dem Parlamentsgebäude, sondern aus einem gesonderten Medienzentrum berichten. Foto: Bartlomiej Zborowski
3 von 5
Nach Regierungsplänen sollen Reporter nicht aus dem Parlamentsgebäude, sondern aus einem gesonderten Medienzentrum berichten.
Die Demonstranten hatten gegen Regierungspläne protestiert, die neue Regeln für die Berichterstattung von Journalisten im Sejm vorsehen. Foto: Bartlomiej Zborowski
4 von 5
Die Demonstranten hatten gegen Regierungspläne protestiert, die neue Regeln für die Berichterstattung von Journalisten im Sejm vorsehen. 
Die Blockade konnte nach Einsatz der Polizei aufgelöst werden. Foto: Tomasz Gzell
5 von 5
Die Blockade konnte nach Einsatz der Polizei aufgelöst werden.

Protest gegen Regierung

Regierungskritiker blockieren polnisches Parlament

Warschau - Polens nationalkonservative Regierung will die Arbeit von Parlamentsjournalisten einschränken. Dagegen protestieren Tausende Menschen. Stundenlang blockieren sie bis in den Morgen das Warschauer Parlament.

Aus Protest gegen Polens nationalkonservative Regierung haben Demonstranten stundenlang die Ausgänge des Warschauer Parlaments blockiert.

Medienberichten zufolge hinderten Tausende Regierungskritiker Ministerpräsidentin Beata Szydlo und den Vorsitzenden der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit PiS, Jaroslaw Kaczynski, nach einer nächtlichen Sejm-Sitzung daran, das Gelände zu verlassen. Die Blockade konnte erst nach Einsatz der Polizei am frühen Morgen aufgelöst werden. Nach Angaben von Oppositionsmitgliedern setzten die Beamten Tränengas ein, wie die Nachrichtenagentur PAP meldete. Die Polizei stritt dies Medienberichten zufolge ab.

Die spontan vom regierungskritischen Komitee zum Schutz der Demokratie (KOD) organisierte Demonstration richtete sich zunächst gegen geplante Einschränkungen für Parlamentsjournalisten. "Freie Medien" und "Verfassung", skandierten Regierungsgegner vor dem Parlament. "Wir werden so lange protestierten, bis sie aufgeben", sagte KOD-Leiter Mateusz Kijowski. Der Protest eskalierte, als eine Gruppe Oppositionsabgeordneter im Parlament das Rednerpult blockierte und die Sitzung in einen anderen Saal verlegt wurde. Dass dort anschließend der Haushalt 2017 angenommen wurde, war nach Meinung der Opposition illegal.

Dies streitet die PiS ab. Alles sei rechtens gewesen, sagte Parteivorsitzender Jaroslaw Kaczynski. "Wir lassen uns nicht terrorisieren." Innenminister Mariusz Blaszczak warf den Oppositionsabgeordneten, die auch gegen die Einschränkungen für Parlamentsjournalisten protestiert hatten, Anarchie vor. "Das war ein Versuch, die Macht an sich zu reißen", sagte er im Radiosender RMF FM.

Bereits am Freitag hatten rund 20 polnische Redaktionen gegen die geplanten Änderungen für die Arbeit von Parlamentsreportern protestiert und einen Tag lang keine Fotos von Politikern veröffentlicht. Nach Regierungsplänen sollen Journalisten ab 2017 nicht aus dem Parlamentsgebäude, sondern aus einem gesonderten Medienzentrum berichten. In den Sejm dürften dann nur noch zwei feste Korrespondenten pro Redaktion, Ton- und Bildaufnahmen sollen ihnen aber nicht erlaubt sein. Dadurch drohe ein eingeschränkter Zugang zu Informationen, warnten Kritiker und polnische Medien. Sie werfen den Regierenden Zensur vor.

Die PiS-Pläne kritisierte auch die Organisation Reporter Ohne Grenzen: "Medien sollen systematisch daran gehindert werden, die Arbeit von Regierung und Parlament unabhängig zu dokumentieren und kritisch zu begleiten", sagte Geschäftsführer Christian Mihr. Dies müsse die PiS umgehend stoppen, forderte er.

dpa

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte
Seit 1964 erschütterte der Konflikt Kolumbien, über 220 000 Menschen starben bei Kämpfen zwischen Guerilla, Soldaten und Paramilitärs. Nun sind die letzten Waffen der …
Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte
Trumps späte Einsicht kann Proteste nicht stoppen
Trump hat lange gebraucht, um sich gegen die Rassisten von Charlottesville zu positionieren. Die Proteste im ganzen Land konnte er damit nicht stoppen.
Trumps späte Einsicht kann Proteste nicht stoppen
Menschenrechtler: Mindestens 24 Tote nach Wahl in Kenia
Nach der kenianischen Präsidentschaftswahl ist es wie befürchtet zu blutigen Zusammenstößen von Demonstranten und Polizei gekommen. Menschenrechtler kritisieren das …
Menschenrechtler: Mindestens 24 Tote nach Wahl in Kenia
Massive Gewalt bei Ultrarechten-Demo in US-Stadt
Ausnahmezustand in der US-Stadt Charlottesville: Eine Kundgebung von Rechtsextremisten artet in Gewalt aus, es gibt ein Todesopfer und Dutzende Verletzte. Präsident …
Massive Gewalt bei Ultrarechten-Demo in US-Stadt

Kommentare