+
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fordert die französische Regierung auf, sich von den "unglücklichen Äußerungen und Aktionen" von Orange zu distanzieren. Foto: Guillaume Horcajuelo/Archiv

Telefongigant Orange will sich aus Israel zurückziehen

Der französische Telefongigant Orange will keine Geschäfte mehr in Israel machen. Zuvor hatten Flüchtlingsorganisationen den Rückzug gefordert. Jerusalem sieht einen Boykott, Netanjahu fordert eine Distanzierung der Regierung in Paris. Business oder Politik?

Paris/Jerusalem (dpa) - Pläne des französischen Telekommunikationsunternehmens Orange für einen Rückzug aus Israel haben heftige Reaktionen in Jerusalem ausgelöst. Das Unternehmen verteidigte den Schritt mit dem Argument, es wolle nicht mehr als Marke in Ländern präsent sein, wo es nicht auch selbst als Betreiber agiert.

Orange wolle sich in keiner Form an politischen Debatten beteiligen, teilte der Konzern mit. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte die französische Regierung nach der Mitteilung dazu auf, sich von "unglücklichen Äußerungen und Aktionen" von Orange zu distanzieren. Netanjahu beschrieb die Lage als "unverzeihliches absurdes Theater". Die französische Regierung hält rund ein Viertel der Orange-Anteile. "Ich rufe unsere besten Freunde dazu auf, mit lauter, klarer Stimme zu sagen, dass sie bedingungslos gegen jede Form des Boykotts gegen den jüdischen Staat sind", sagte Netanjahu.

Die Marke Orange ist über einen Lizenzvertrag mit Partner Communications seit Jahren in Israel präsent. Erst im April war ein ergänzter Vertrag bis 2015 bekanntgegeben worden. Menschenrechtsorganisationen forderten im Mai den Rückzug von Orange wegen Aktivitäten des Lizenzpartners in den von Israel besetzten Palästinensergebieten.

Eine entsprechende Ankündigung von Orange-Chef Stéphane Richard in Kairo löste nun die jüngsten Reaktionen aus. Kulturministerin Miri Regev forderte vom französischen Präsidenten François Hollande "Null Toleranz gegenüber Antisemitismus" und die Entlassung Richards. Auch das Simon-Wiesenthal-Zentrum verurteilte die Äußerungen und verlangte eine "Entschuldigung an das jüdische Volk". Partner-Chef Chaim Romano sagte, Orange werde "sehr viel zahlen" müssen, um den Schaden auszugleichen.

"Es ist nicht die Konzernpolitik, dass ein Betreiber, über den wir keinerlei Kontrolle haben, unsere Marke benutzt", verteidigte sich Orange-Chef Richard in der Zeitung "Le Monde". "All das hat nichts mit dem politischen Kontext zu tun."

Der frühere französische Botschafter in Israel, Gérard Araud, sieht keine Verbindung zur Regierung, weil Orange ein privates Unternehmen sei. Über seinen Twitter-Account wies der inzwischen nach Washington entsandte Diplomat gleichzeitig darauf hin, die israelische Siedlungspolitik und ein Beitrag dazu seien illegal.

In Israel wird die Ankündigung von Orange als Boykott interpretiert. In der Nähe von Tel Aviv demonstrierten Angestellte von Partner Communications gegen die Äußerungen Richards und verdeckten das Orange-Logo mit großen israelischen Flaggen. Das Land wird wegen seiner Politik in den Palästinensergebieten immer wieder kritisiert - bis hin zu Boykottaufrufen.

Mitteilung Orange, Frz.

Report Menschenrechtsorganisation FIDH, Engl.

Lizenzankündigung, Engl.

Twitter-Account von Gérard Araud

Netanjahu auf Twitter

Artikel "Le Monde", Frz.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Missbrauchsvorwürfe: Kardinal legt Amt vorübergehend nieder
Kardinal Pell ist einer der höchsten Würdenträger der katholischen Kirche. Seit langem steht der Vorwurf im Raum, der Papst-Vertraute habe früher Kinder sexuell …
Missbrauchsvorwürfe: Kardinal legt Amt vorübergehend nieder
Deutsch-Amerikanisches Verhältnis: Mut zum Miteinander
Deutschland und die USA stehen zusammen: Das haben die Verteidigungsminister beider Länder gestern in Garmisch-Partenkirchen deutlich gemacht. Das ist ein starkes …
Deutsch-Amerikanisches Verhältnis: Mut zum Miteinander
Gabriel will Erdogan-Auftritt verhindern
Sigmar Gabriel bestätigt eine Auftrittsanfrage des türkischen Präsidenten Erdogan. Er halte diese für „keine gute Idee“, sagt Gabriel - und bringt ein …
Gabriel will Erdogan-Auftritt verhindern
Trump sammelt schon Spenden für den nächsten Wahlkampf
Donald Trump lässt nichts anbrennen: 1.200 Tage vor der nächsten Wahl sammelt der US-Präsident schon Großspenden ein. Und das auf besonders ausgefuchste Weise...
Trump sammelt schon Spenden für den nächsten Wahlkampf

Kommentare