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Die Oscar-Verleihung war nicht nur Gala, sondern auch Polit-Show.

Oscar-Gala

"Hey, @realDonaldTrump, bist Du wach?"

Los Angeles - Nach der Oscar-Gala haben sich die Diskussionen vor allem um die Panne bei der Preisverleihung gedreht. Dadurch ging unter, dass es sich nicht nur um eine Pannen-, sondern auch um eine Polit-Show gehandelt hatte.

Moderator Jimmy Kimmel gab gleich zu Beginn die Richtung vor. Die Preisverleihung werde in mehr als 225 Ländern verfolgt, "die uns jetzt hassen", lästerte er unter Anspielung auf die globale Unbeliebtheit des neuen US-Präsidenten. Der Höhepunkt der Politstatements wurde dann erreicht, als der iranische Regisseur Asghar Farhadi für sein Drama "The Salesman" mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film geehrt wurde.

Farhadi hatte aus Protest gegen den US-Präsidenten auf die Teilnahme an der Gala verzichtet. Er ließ aber ein Statement verlesen, in dem er die von Trump verhängten, aber von US-Gerichten gestoppten Einreiseverbote für Iraner sowie die Bürger sechs weiterer muslimischer Länder vehement attackierte.

Auf diese Weise eine Kategorie von "Feinden" der Vereinigten Staaten zu schaffen, sorge für Furcht und stelle eine "heimtückische Rechtfertigung für Aggression und Krieg" dar, hieß es in Farhadis Statement, das die US-iranische Unternehmerin und Weltraumtouristin Anousheh Ansari verlas.

Animationsfilm als „Botschaft der Toleranz“

Auch andere Trump-Kritik war von ähnlichem Pathos durchdrungen. Die Macher des Animationsfilms "Zootopia" beschrieben ihre Geschichte von unterschiedlichen Tierarten, die miteinander zu leben lernen, als Botschaft der "Toleranz, die stärker ist als die Furcht voreinander". Und der mexikanische Schauspieler Gael García Bernal wetterte gegen den Wall, den Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will: "Ich bin gegen jede Art von Mauer, die uns trennen soll."

Für die witzelnde Art der Trump-Kritik war hingegen in erster Linie der Moderator zuständig. So zog Kimmel über die Angriffe des Präsidenten gegen kritische Medien her, indem er die "New York Times" und andere Medienvertreter ironisch aufforderte, den Saal zu verlassen: "Wir tolerieren keine Fake News. Wir lieben falsche Sonnenbräune, aber falsche Nachrichten?".

Jimmy Kimmel twittert an Trump

Der Late-Night-Talker mokierte sich auch über Trumps Twitter-Manie, die sich vor allem während dessen "Stuhlgang morgens um fünf" zeige. Im Verlauf der Show bekundete Kimmel dann Verwunderung darüber, dass Trump die Gala noch nicht per Kurzbotschaft kommentiert habe: "Ich fange an, mir Sorgen um ihn zu machen." Der Moderator schickte daraufhin live von seinem Smarphone einen Tweet an den den Präsidenten: "Hey, @realDonaldTrump, bist Du wach?" - eine Antwort kam aber zunächst nicht.

Meryl Streep, die während der Golden-Globes-Verleihung eine Brandrede gegen Trump gehalten hatte und von diesem daraufhin als "eine der meisten überschätzten Schauspielerinnen in Hollywood" verunglimpft worden war, hielt sich dagegen diesmal mit Trump-Kritik zurück. Sie war jedoch gleich zu Beginn der Show von Kimmel in seine Trump-Lästereien einbezogen worden.

Die dreifache Oscar-Gewinnerin habe die Prüfungen der Zeit mit vielen "uninspirierenden und überschätzten" Filmauftritten bestanden, merkte der Moderator mit beißendem Spott an. Und er forderte dann den Saal auf, der 67-Jährigen einen "total unverdienten" Applaus zu spenden. Was der Saal dann auch höchst bereitwillig tat.

Lesen Sie hier unseren Ticker der Oscar-Nacht nach.

afp

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