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Brita Hagi Hasan, der Bürgermeister von Ost-Aleppo, beantwortet in Brüssel Fragen von Journalisten.

Dramatischer Appell an EU-Chefs

Bürgermeister aus Aleppo: „Sind kurz davor massakriert zu werden“

Brüssel - Verwundete und Kämpfer beginnen damit, das zerstörte Ost-Aleppo zu verlassen. Der Bürgermeister des Ostteils der Stadt appelliert in einem beispiellosen Akt direkt an die EU-Chefs.

Aleppo blutet und die Welt schaut zu: Der Bürgermeister des zerstörten Ostteils der syrischen Stadt hat an die EU-Staats- und Regierungschefs appelliert, Beobachter in das Krisengebiet zu schicken. Mehr als 50.000 Zivilisten seien in Gefahr, es müsse sichergestellt werden, dass sie die Stadt verlassen könnten, sagte Kommunalpolitiker Brita Hagi Hasan am Donnerstag am Rande des Treffens der EU-Chefs in Brüssel. „Sie sind kurz davor massakriert zu werden“. Er verlange nicht, dass Länder in den Krieg zögen, er wolle nur den Schutz der Zivilisten, sagte Hasan weiter.

Zehntausende ohne Versorgung

Der lange von Rebellen gehaltene Ostteil von Aleppo war in den vergangenen Tagen von syrischen Truppen mit Unterstützung von verbündeten Milizen sowie russischen Luftangriffen zurückerobert worden. Ost-Aleppo gleicht einem Trümmerfeld, Zehntausende Menschen sind ohne Versorgung.

Der EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel wollte die Kämpfe in Syrien und die Rolle Russlands dabei scharf verurteilen, wie aus dem Entwurf der Abschlusserklärung hervorging. Neue Sanktionen zeichneten sich allerdings nicht ab. Hasan sollte später auch direkt in der Runde der 28 EU-Chefs sprechen - in der Geschichte der Gipfelrunden ein beispielloses Ereignis.

Tusk: „Menschen brauchen echten Schutz“

„Die Menschen in Aleppo brauchen nicht weitere warme Worte, sondern echten Schutz“, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk nach einem Treffen mit Hasan. Niemand in der EU stehe dem Leiden gleichgültig gegenüber.

Zuvor hatte auch Frankreichs Präsident François Hollande sich dafür ausgesprochen, dass der nach Brüssel gereiste Bürgermeister von Aleppo vom Europäischen Rat empfangen wird, um zu berichten und internationale Solidarität einzufordern. Auch andere Gipfelteilnehmer äußerten sich entsetzt über das Leid der Menschen in der zerstörten Stadt Aleppo. Österreichs Kanzler Christian Kern sagte, er sei angesichts der dortigen Lage „komplett deprimiert“.

Hilfsorganisationen berichten Dramatisches

Am Donnerstag konnten 20 Busse den Osten Aleppos verlassen.

Mehrere medizinische Hilfsorganisationen haben zu dringender Nothilfe für die Zivilisten aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo aufgerufen. „Die Menschen verlassen Aleppo mit nichts“, warnte Mohammed Katub von Syrian American Medical Society (SAMS). „Der Winter ist sehr kalt und wir rechnen damit, dass Menschen durch das kalte Wetter sterben.“Es gebe 400 bis 500 Fälle, die dringend im Krankenhaus behandelt werden müssten, erklärte Wail al-Ras von der Union of Relief and Medical Care Organizations (UOSSM). Zugleich werde eine große Zahl an Menschen erwartet, die medizinische Versorgung brauchten.

Die 17 Organisationen warfen der internationalen Gemeinschaft „Komplizenschaft“ bei der humanitären Katastrophe in Aleppo vor. „Während sich die Diplomaten in Genf, New York oder (...) in Brüssel treffen, macht die Menschlichkeit in Aleppo ihren letzten Atemzug“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Der Vormarsch der Regierungstruppen in Aleppo „deckt die Hohlheit, Ineffizienz und den Bankrott der internationalen Gemeinschaft auf“.

dpa

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