Video-Botschaft

„Konsequent an alle Regeln halten“: Merkel redet den Deutschen für die Ostertage noch einmal ins Gewissen

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Es ist das zweite Osterfest in Corona-Zeiten. An große Familientreffen ist angesichts der Fallzahlen nicht zu denken. Merkel appelliert mit Blick auf die Intensivstationen an alle.

Berlin - Ostern steht vor der Tür, doch es wird wieder ein Fest in Pandemie-Zeiten. Die dritte Welle hat Deutschland erwischt, die Corona-Infektionszahlen steigen. Bund und Länder versuchen, dem Herr zu werden. Doch die geplante Osterruhe wurde gekippt, an den Feiertagen gelten die gleichen Regeln, wie sonst auch - keine Ausnahmen, etwa wie an Weihnachten bei den Kontaktbeschränkungen.

Weil die Ostertage unter Umständen das Infektionsgeschehen noch einmal antreiben könnten und die Intensivstationen bereits vor Überfüllung in absehbarer Zeit warnen, hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Videopodcast vom Donnerstag noch einmal genutzt, um an die Einhaltung der Regeln zu appellieren.

Angela Merkel (CDU): „Wir alle hatten uns schon für Ostern mehr Freiheiten gewünscht“

„Ja, es wird leider noch einmal ein Ostern mit Einschränkungen sein müssen. Ich weiß, dass darin auch eine große Enttäuschung liegt. Wir alle hatten uns schon für Ostern mehr Freiheiten gewünscht“, sagt sie. Die Maßnahmen der vergangenen Monate hätten zwar Erfolge gezeigt. Aber: „Eine Pandemie kommt in Wellen. Und Viren verändern sich.“ So auch das Coronavirus. Das Ursprungsvirus verschwindet zusehends, eine „ansteckendere, gefährlichere Mutation hat seinen Platz eingenommen“. Die dritte Welle könne man auch als „neue Pandemie“ bezeichnen.

Deshalb sei nun das Hauptziel, wie schon vor einem Jahr und auch an Weihnachten: „Die Gesundheit möglichst vieler Menschen zu schützen und alles zu tun, damit unser Gesundheitssystem der gewaltigen Herausforderung standhalten kann.“ Denn Merkel erinnert an die Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern und auf Intensivstationen. „Es berührt mich sehr, wenn mir erzählt wird, dass sie dort genau wissen, was sie erwartet“, sagt die Kanzlerin. „Wie sie sich darauf vorbereitet haben, dass sich die Betten auf ihren Stationen wieder füllen.“

Angela Merkel in ihrem Videopodcast

Kanzlerin Merkel appelliert: Auf nicht zwingenden Reisen verzichten, konsequent an Regeln halten

„Doch alleine können sie in den Krankenhäusern den Kampf gegen das Virus trotz aller medizinischen Kunst nicht gewinnen. Deshalb hoffen sie auch auf uns alle. Wir sollten sie nicht allein lassen, sondern sie mit unserem Verhalten unterstützen“, ruft Merkel auf. Für die nächsten Tage bedeutete das vor allem, „dass es ein ruhiges Osterfest werden soll, eines im kleine Kreis, mit sehr reduzierten Kontakten. Dass ich sie dringend bitte, auf alle nicht zwingenden Reisen zu verzichten. Dass wir uns alle konsequent an alle Regeln halten.“

Doch die CDU-Politiker versucht, auch noch einmal Mut zu machen. Wie so häufig erklärt sie, dass das Testen und die Impfungen nun wichtige Helder im Kampf gegen die Pandemie seien. Aber: „Der Effekt vieler Testungen - auch die Aussichten auf Freiheiten - kann sich nur dann zeigen, wenn im Falle eines Falles eine Kontaktverfolgung schnell erfolgt.“ Infektionszahlen müssten stabil niedrig sein, sonst kommen die Gesundheitsämter nicht hinterher. Weil die Zahlen jedoch steigen und sich auf das Niveau der zweiten Welle begeben, brauche es nun ein striktes Einhalten aller Maßnahmen.

Auch weil die Hausärzte nun gegen Corona impfen können, werde der April „uns beim Impfen große Schritte nach vorne bringen“, verspricht Merkel. Auch die Änderung der Empfehlungen zum Impfstoff von Astrazeneca würde nichts daran ändern, dass das Impfen der „Schlüssel, die Pandemie zu überwinden“ ist.

Merkel soll schon eher von Astrazeneca-Änderung gewusst haben - Umfrage zu den Plänen der Deutschen an Ostern

Wie ein Bericht des ZDF zeigt, wusste die Kanzlerin aber schon vier Tage vor der bundesweiten Entscheidung zu dem Corona-Impfstoff, dass aller Wahrscheinlichkeit nach erneuter Anpassungsbedarf bei den Empfehlungen besteht. „Angesichts der nationalen Tragweite der Entscheidung bat die Bundeskanzlerin darum, auch die Expertise des Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hinzuzuziehen“, sagte eine Regierungssprecherin dem Sender. Am Dienstag dann beschlossen Bund und Länder, dass das Präparat in der Regel nur noch über 60-Jährigen gespritzt werden soll.

„Wir werden das Virus gemeinsam besiegen“ - diese Botschaft will Merkel mir ihrem Videopodcast vor Ostern noch einmal verbreiten. Und eine deutliche Mehrheit der Deutschen will an Ostern auch nicht verreisen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergibt. Demnach sagten 60 Prozent, dass sie an dem langen Wochenende noch nicht einmal einen Tagesausflug planten. Zehn Prozent wollen im Inland verreisen, etwa um Verwandte oder Freunde zu besuchen, weitere zwei Prozent wollen ins Ausland. Bei 19 Prozent der Befragten steht mindestens ein Tagesausflug ins Umland ihres Wohnorts auf dem Osterprogramm. Sechs Prozent hatten sich zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht entschieden, vier Prozent machten keine Angaben. (cibo)

Rubriklistenbild: © Screenshot: Instagram/Bundeskanzlerin

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