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Protestplakat in Berlin. Foto: Sophia Kembowski

Hilfsorganisation warnt

Oxfam: Ungleichheit gefährdet Demokratien und Gesellschaften

Die extreme Armut in der Welt nimmt zwar seit Jahren ab - doch die Kluft zwischen Arm und Reich wird nicht kleiner. Vielmehr würden die Reichen immer reicher, schreibt die Organisation Oxfam. Das berge gewaltigen Sprengstoff.

Davos (dpa) - Vor dem Start des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos hat Oxfam mit Nachdruck vor steigender Ungleichheit in der Welt, aber auch in Deutschland gewarnt.

Die Umweltschutz- und Hilfsorganisation rief die Teilnehmer der Tagung auf, gegen die Steuervermeidung von Konzernen und Einzelnen vorzugehen, faire Einkommen für Männer und Frauen durchzusetzen sowie in Bildung und Gesundheit für alle zu investieren. "Soziale Ungleichheit ist ein Hemmschuh für die Beseitigung der Armut in der Welt", sagte Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland mit Blick auf den neuesten Bericht der Organisation zur Ungleichheit, der an diesem Montag vorlegt wird.

"Das Ausmaß der sozialen Ungleichheit nimmt weiter zu", betonte Oxfam-Expertin Ellen Ehmke. So verfügten 2017 weltweit 42 Personen über den gleichen Reichtum wie die ärmsten 3,7 Milliarden. Und das reichste Prozent der Menschheit besitze mehr als die übrigen 99 Prozent zusammen, diese Minderheit habe zudem 82 Prozent des globalen Vermögenswachstums im vergangenen Jahr verzeichnet. Die Zahl der Milliardäre sei zwischen 2016 und 2017 so stark gestiegen wie nie zuvor. Oxfam bezieht sich bei den Berechnungen auf Daten der Schweizer Großbank Credit Suisse sowie die Vermögensschätzungen des US-Magazins "Forbes".

Auch Deutschland sei trotz brummender Konjunktur ein "Ungleichland". Hierzulande verfügten die reichsten 40 Personen über das gleiche Vermögen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung, sagte Ehmke. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer müsse 157 Jahre arbeiten, um das Jahreseinkommen eines Dax-Vorstandsvorsitzenden zu erzielen.

Ungleichheit aber gefährde die Demokratie und trage zur Kluft in der Gesellschaft bei, so Ehmke. Wer arm sei, beteilige sich seltener an politischen Prozessen oder unterstütze "Anti Establishment"-Parteien wie die AfD. Zudem werde die extreme Armut gefördert. "Ungleichheit ist Gift für unsere Gesellschaft", sagte Ehmke.

Mit Blick auf Zahlen der Weltbank lobte Oxfam Fortschritte bei der Bekämpfung der extremen Armut. Demnach hat sich die Zahl der Menschen, die weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, zwischen 1990 und 2010 halbiert und sei seitdem weiter gesunken. Allerdings habe die zunehmende Einkommensungleichheit verhindert, dass deutlich mehr Menschen aus extremer Armut entkommen konnten.

Ein großes Problem sieht Oxfam in fehlender flächendeckender Bildung und öffentlicher Gesundheitsversorgung, auch in Deutschland. Hierzulande hätten es Kinder aus einkommensschwachen Familien schwer, denselben Bildungsstand zu erreichen wie Kinder von Besserverdienern.

Kritik übte Oxfam an der jüngsten Steuerreform in den USA. Für das daraus zu erwartende Defizit müssten künftige Generationen sowie vermutlich die ärmeren Teile der Bevölkerung geradestehen, während die ohnehin wohlhabenderen Anteilseigner die Gewinne abschöpften. Oxfam-Steuerexperte Tobias Hauschild warnte daher andere Staaten davor, als Reaktion auf die US-Reform ebenfalls die Steuersätze zu senken. "Ein Steuerwettlauf ist Gift für die Gesellschaft", sagte er.

In Davos diskutieren von diesem Dienstag (23. Januar) an auf der WEF-Jahrestagung mehr als 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft unter dem Motto ""Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt". Erwartet werden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der französische Staatschef Emmanuel Macron und US-Präsident Donald Trump.

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