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Daniel Wesener und Bettina Jarasch, Landesvorsitzende der Berliner Grünen, stellen sich anlässlich der Vorstellung des Pädophilie-Berichts den Fragen der Journalisten.

Partei bittet Opfer um Entschuldigung

Pädophile Täter bei den Grünen: "Wir schämen uns"

Berlin - Bei den Berliner Grünen haben mehrere pädophile Täter jahrelang Jungen sexuell missbraucht - und die Partei schaute weg.  "Wir schämen uns", sagte die Berliner Grünen-Vorsitzende Bettina Jarasch.

"Wir schämen uns für das institutionelle Versagen unserer Partei, das durch unsere Recherchen so offenkundig und unleugbar geworden ist", sagte die Berliner Grünen-Vorsitzende Bettina Jarasch bei der Vorstellung des Berichts zur Aufarbeitung der Vorgänge bis Mitte der 1990er Jahre.

Viel klarer als die Bundespartei räumten die Landesgrünen das "völlige Versagen" im Umgang mit pädophilen Tätern und Einstellungen in den eigenen Reihen ein - und baten die Opfer um Entschuldigung.

Die Bundes-Grünen hatten sich bereits im November 2014 entschuldigt - allerdings lediglich für die Pädophilie-Beschlüsse der Partei aus den 1980er Jahren und nicht für Täter innerhalb der Grünen. In den Beschlüssen war Straffreiheit für "einvernehmliche Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern" gefordert worden.

Die Berliner Grünen rechnen nun schonungsloser ab: Der Landesverband und sein Vorläufer Alternative Liste hätten damals in ihren Reihen jahrelang mindestens zwei strafrechtlich verurteilte Pädophile und immer wieder erneut ins Spiel gebrachte pädosexuelle Positionen geduldet, sagte Jarasch. Die Männer seien inzwischen gestorben. Ein dritter Täter sei vor Gericht gestellt worden, als er nicht mehr Mitglied der Grünen war.

Scham, Empörung und Unverständnis über das damalige Wegschauen eigener Parteimitglieder bewegte die Berliner Grünen-Landesspitze sichtlich. "In unserem Landesverband gab es damals nicht nur Agitatoren, sondern es gab auch pädosexuelle Täter, die unsere Parteistrukturen gezielt genutzt haben und das viel zu lange auch ungehindert tun konnten", heißt es in dem Bericht der Kommission über die Vorfälle in den 80er und 90er Jahren. "Pädosexuelle Täter konnten sich als die vermeintlichen Opfer (sexueller Diskriminierung) darstellen und fühlten sich dadurch ermutigt, während die tatsächlichen Opfer ausgeblendet wurden und sich entmutigt fühlen mussten."

Wie viele pädophile Täter im Schutz der Grünen-Reihen aktiv waren, kann die Partei bis heute nicht mit Sicherheit sagen. "Die Kommission kann deshalb nicht ausschließen, dass es auch Opfer sexuellen Missbrauchs innerhalb grüner Strukturen gab oder dass weitere Täter existieren", hieß es weiter.

Bei der Anlaufstelle der Bundes-Grünen meldeten sich inzwischen sieben Pädophilie-Opfer, in zwei Fällen könnte ein Zusammenhang der Taten zu den Grünen bestehen, wie Parteichefn Simone Peter am Mittwoch erklärte. "Wir prüfen in jedem einzelnen Fall, welche Verantwortung uns Grüne als Partei trifft."

Peter kündigte an, in Härtefällen Opfer auch therapeutisch oder finanziell zu unterstützen. "Wir wollen, dass die Taten aufgeklärt werden und dass das Leid der Betroffenen Anerkennung findet."

dpa

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