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König Juan Carlos von Spanien und König Mohammed von Marokko bringt die Affäre um den Kinderschänder in Bedrängnis.

Auch Juan Carlos in Erklärungsnot

Pädophilen-Begnadigung wird Politikskandal

Madrid - Die unerklärliche Begnadigung eines verurteilten spanischen Kinderschänders in Marokko bringt den König des nordafrikanischen Landes sowie König Juan Carlos von Spanien in Erklärungsnot.

Die Begnadigung eines spanischen Kinderschänders durch König Mohammed VI. hat in Marokko große Empörung und Proteste ausgelöst. Das Königshaus teilte am Samstagabend in Rabat mit, der Monarch habe eine Untersuchung des Skandals angeordnet. Mohammed sei „in keinster Weise und zu keinem Zeitpunkt über die niederträchtigen Verbrechen informiert“ worden, die der zu 30 Jahren Haft verurteilte Pädophile begangen habe. Andernfalls hätte er den „bedauerlichen“ Erlass niemals unterzeichnet, hieß es. Man werde die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.

Nachdem der spanische König Juan Carlos bei einem Besuch in Rabat Mitte Juli um einen entsprechenden „Akt der Freundschaft“ gebeten hatte, wurden neben dem Pädophilen weitere 47 Spanier amnestiert. Nach Berichten der spanischen Zeitung „El País“ und des marokkanischen Portals „Lakome“ arbeitete der Pädophile als Geheimdienstagent für Spanien im Irak, wo er zum Sturz von Diktator Saddam Hussein beigetragen haben soll. Als „Belohnung“ soll der Iraker seinerzeit von Madrid mit neuem Namen und mit einem spanischen Pass ausgestattet worden sein. Weder Madrid noch Rabat kommentierten die Medienberichte.

Vor der ungewöhnlichen Mitteilung des Königshauses, das praktisch nie Handlungen des Monarchen rechtfertigt oder erklärt, hatte die marokkanische Polizei am Freitag Demonstrationen Tausender Menschen gegen die Begnadigung brutal niedergeschlagen. Für Dienstag riefen Menschenrechtsgruppen zu einer Großdemonstration in Casablanca auf, der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes.

Elf Kinder vergewaltigt und dabei gefilmt

Der 64-jährige Spanier Daniel Fino Galván war 2011 wegen Vergewaltigung von elf Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 4 und 15 Jahren zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er hat die Taten fotografiert und gefilmt. Nach eineinhalb Jahren hinter Gittern wurde er am Mittwoch in der Hafenstadt Kenitra im Norden des Landes auf freien Fuß gesetzt. König Mohammed hatte Anfang der Woche die Freilassung im Rahmen einer Amnestie für insgesamt 1044 Menschen anlässlich des 14. Jahrestags seiner Thronbesteigung angeordnet. Galván soll inzwischen nach Spanien ausgereist sein.

Mit Blick auf die Empörung in Marokko in den vergangenen Tagen hatte das Außenministerium in Madrid betont, die Liste der Betreffenden sei von den marokkanischen Behörden zusammengestellt worden. Die oppositionellen Sozialisten in Spanien kündigten an, am Montag im Madrider Parlament eine Stellungnahme von der konservativen Regierung einzufordern.

dpa

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