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Mit einer Großoffensive am Boden will Pakisten dem Treiben von Al Kaida ein Ende bereiten.

Nach Terroranschlag

Pakistan: Großoffensive gegen Al Kaida

Islamabad - Alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts in Pakistan sind gescheitert. Die Armee hat in der Terror-Hochburg Nord-Waziristan eine Bodenoffensive gegen Extremisten begonnen.

Eine Woche nach dem Terrorangriff auf den Flughafen von Karachi hat die pakistanische Armee erstmals eine Bodenoffensive gegen islamistische Terroristen in Nord-Waziristan begonnen. „Unsere heldenhaften Streitkräfte sind damit beauftragt worden, diese Terroristen ohne Ansehen ihrer Art gemeinsam mit ihren Zufluchtsorten zu eliminieren“, erklärte das Militär.

„Indem sie Nord-Waziristan als ihre Basis nutzten, haben diese Terroristen einen Krieg gegen den pakistanischen Staat geführt.“ Der Einsatz sei auf Anordnung der Regierung von Premierminister Nawaz Sharif begonnen worden.

Die Luftwaffe bombardierte am Sonntag Stellungen von Islamisten in Nord-Waziristan. Dabei seien rund 80 Extremisten getötet worden, darunter der Drahtzieher des Angriffs auf den Flughafen Karachi, Abu Abdur Rehman Al-Maani, teilte die Armee mit. Nach Beginn der Offensive wurden die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Islamabad verschärft. Auf den Flughäfen im Land sei die höchste Alarmstufe ausgerufen worden, hieß es aus dem Innenministerium.

Unmittelbar nach dem Angriff auf den Flughafen Karachi, bei dem rund 40 Menschen ums Leben kamen, hatte die Luftwaffe bereits erste Vergeltungsangriffe geflogen. Die pakistanischen Taliban (TTP) hatten sich zu dem Angriff in der Metropole bekannt. Die Regierung machte die Islamische Bewegung Usbekistans (IMU) verantwortlich. TTP und IMU sind offiziell getrennt, operieren aber häufig gemeinsam.

„Uns wurde befohlen, reinzugehen und sie uns zu holen“, hieß es aus den Truppen in dem an Nord-Waziristan angrenzenden Standort Bannu. Im Armee-Hauptquartier in Rawalpindi bei Islamabad sagte ein Offizier, der nicht namentlich genannt werden wollte: „Es wird gegen alle Bösen gehen. Diesmal gibt es keine guten Taliban, schlechten Taliban.“ Auch die Formulierung in der Mitteilung der Armee, „Terroristen ohne Ansehen ihrer Art“ würden bekämpft, könnte darauf hindeuten, dass diesmal alle Extremistengruppen zum Ziel erklärt wurden.

Den pakistanischen Sicherheitskräften wird seit Jahren vorgeworfen, zwischen angeblichen „guten Taliban“, die von Pakistan aus Ziele in Afghanistan angreifen, und „schlechten Taliban“, die in Pakistan selber Anschläge verüben, zu unterscheiden. Gegen die „guten Taliban“ in Nord-Waziristan gingen die Streitkräfte bislang nicht vor.

Dazu zählt das Hakkani-Netzwerk, das die USA für die gefährlichste Taliban-Gruppe in Afghanistan halten. Das Netzwerk operiert von Nord-Waziristan an der afghanischen Grenze aus, verübt aber keine Anschläge in Pakistan. Washington verlangt seit Jahren von Islamabad, das Hakkani-Netzwerk in Nord-Waziristan auszuschalten. Das pakistanische Militär hat das bislang stets verweigert.

Premierminister Sharif war vor einem Jahr mit dem Ziel angetreten, den Konflikt mit den Extremisten in Pakistan friedlich zu lösen. Gespräche mit TTP-Unterhändlern blieben aber ergebnislos. Im April verlängerte die TTP unter ihrem Anführer Maulana Fazlullah eine ohnehin löchrige Waffenruhe nicht mehr. In der TTP haben sich mehr als ein Dutzend Extremistengruppen zusammengeschlossen.

dpa

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