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Über 80 Millionen Pakistani sollen ihr Parlament wählen.

Tote bei Anschlägen

Terror überschattet Pakistanwahl

Islamabad - Es könnte nach 65 Jahren ein historischer Machtwechsel in Pakistan werden: Von einer demokratisch gewählten Regierung zur nächsten. Was bleibt ist die terroristische Gewalt durch Islamisten.

Die Parlamentswahl in Pakistan ist wie befürchtet von blutiger Gewalt überschattet worden. Bei zwei Bombenanschlägen auf Büros der liberalen Awami-Nationalpartei in der Hafenstadt Karachi wurden am Samstag mindestens neun Menschen getötet und Dutzende weitere teils schwer verletzt, wie Polizeisprecher Shabir Hussain der Nachrichtenagentur AP berichtete.

Die Wahl hatte morgens unter massiven Sicherheitsvorkehrungen begonnen, rund 600.000 Polizisten, Soldaten und Sicherheitskräfte waren landesweit im Einsatz. Zur Stimmabgabe aufgerufen sind rund 80 Millionen Bürger, von denen knapp die Hälfte jünger als 35 Jahre ist. Sie entscheiden über die Besetzung von 272 Parlamentssitzen.

Trotz mehrerer Anschläge am Wahltag in Pakistan zeichnet bei der Parlamentswahl in der südasiatischen Atommacht eine hohe Beteiligung ab. Ein Sprecher der Wahlkommission in Islamabad sagte, man rechne inzwischen damit, dass mehr als 60 Prozent der über 86 Millionen Wahlberechtigten am Samstag ihre Stimme abgeben würden. Bei der Parlamentswahl 2008 lag die Wahlbeteiligung bei 43,7 Prozent.

Die Wahl gilt als historische Wegmarke in der Geschichte des asiatischen Landes: E rstmals kann es zu einem demokratischen Machttransfer von einer zivilen Regierung auf die nächste kommen, seit Pakistan 1947 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt hat. Oft hatte in der Vergangenheit das mächtige Militär geputscht. Auch aktuell ist die Armee ein wichtiger politischer Machtfaktor im Hintergrund.

Der Wahlkampf wurde von Dutzenden Angriffen islamischer Extremisten überschattet, bei denen mindestens 130 Menschen getötet wurden. Sie galten meiste liberalen, säkularen Parteien, die Militäroffensiven gegen die islamistischen Taliban unterstützt hatten. Bei der Parlamentswahl drohen der regierenden Pakistanischen Volkspartei (PPP) von Präsident Asif Ali Zardari schwere Verluste bis hin zur Abwahl. Die Unzufriedenheit bei den Pakistanern ist groß - besonders über die schwache Wirtschaft, die verschärfte Energieknappheit und die prekäre Sicherheitslage.

Die besten Siegchancen werden der Muslim-Liga (Nawaz/PML-N) unter dem früheren Regierungschef Nawaz Sharif eingeräumt, sie kam in Umfragen zuletzt auf rund 25 Prozent. Als mögliches Zünglein an der Waage wird die Partei Tehreek-e-Insaf (Bewegung für Gerechtigkeit) von Kricket-Legende Imran Khan gehandelt. Sie könnte mit ihrem Versprechen, die grassierende Korruption und Ämterpatronage bei den etablierten Parteien einzudämmen, laut Umfragen ebenfalls ein Viertel der Wählerstimmen bekommen.

Der Chef der Wahlkommission, Fakhruddin Ibrahim, sprach von „langen Schlangen von Männern und Frauen“ vor den Wahllokalen. „Ich denke, es ist ein positiver Tag für das Land.“ Ibrahim appellierte an die Menschen, abzustimmen. „Wenn Sie Ihre Zukunft neu bestimmen wollen, dann müssen Sie wählen gehen.“ Auch auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich lange Schlangen bildeten.

Bis 17.00 Uhr (Ortszeit/14.00 MESZ) sind mehr als 86 Millionen Pakistaner aufgerufen, über die Vergabe von 268 Parlamentssitzen zu entscheiden. In vier Wahlkreisen hat die Wahlkommission die Abstimmung unter anderem wegen gewaltsamer Zwischenfälle verschoben. Es ist das erste Mal in der 65-jährigen Geschichte des Landes, dass eine zivile Regierung die Macht an demokratisch gewählte Nachfolger übergibt.

Die vorläufigen Ergebnisse der Parlamentswahl werden am Sonntag erwartet.

AP/dpa

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