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Palmer-Eklat: Der grüne Partyschreck zerschießt Baerbocks Wahlkampf

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Von: Georg Anastasiadis

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Fotomontage aus Münchner-Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.
Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur (r.), kommentiert das Parteiausschlussverfahren gegen den Grünen-Politiker Boris Palmer. © Marijan Murat/dpa/Marcus Schlaf

Die Grünen sind nicht so harmlos, wie sie sich gern geben - und das Parteiausschlussverfahren gegen Boris Palmer schadet der Partei, kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Boris Palmer ist ein blitzgescheiter Mann. Und ein versierter Politiker. Kein Wunder, dass sie bei den Grünen bitter lachen, wenn sich der Tübinger OB nach seiner Provokation in der Rassismusdebatte um Dennis Aogo jetzt recht scheinheilig mit seiner „Ahnungslosigkeit“ herausredet.

Nein. Palmer hat gewusst, was er tat, als er auf Facebook ein in der Tat unappetitliches Zitat postete und damit ein Parteiausschlussverfahren gegen sich heraufbeschwor. Er ist kein bedauernswertes Opfer. Trotzdem hat nicht er den Schaden. Sondern seine Partei, die auf Palmers Tabubruch so reflexhaft reagiert hat wie erwartet: mit ihrer Selbstdemaskierung.

Parteiausschlussverfahren gegen Boris Palmer: „Cancel Culture“ bei den Grünen

Ausgerechnet die Partei, die anderen stets Toleranz predigt, erträgt abweichende Meinungen nicht. Und sie reagiert auf sie exakt so, wie es Palmer seinen Parteifreunden immer vorwirft: mit Ausgrenzung, Parteiausschluss, Zensurkultur. Eben „Cancel Culture“. Wer sich nicht den Gesetzen der politischen Korrektheit unterwirft, wird ausgelöscht. Diese eifernde Unbarmherzigkeit hat nichts zu tun mit der behaglichen Bürgerlichkeit, deren wärmendes Mäntelchen die Grünen-Führung sich gerne umwirft, wenn sie im Teich von CDU und CSU nach Wählern fischt.

Vor der Bundestagswahl ist Palmer der denkbar undankbarste Gegner für Baerbock

Palmer ist der undankbarste Gegner, den sich die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock kurz vor der Wahl aussuchen konnte, ein echter Partykiller mitten im grünen Wohlfühl-Hoch: Er ist unerschrocken, wortgewaltig und einer der deutschen Helden der Coronapolitik.

Ihm hören die Leute zu, wenn er seinen Grünen den Spiegel vorhält. Wenn er beklagt, dass sich führende Kreise der Partei einer „linken Identitätspolitik“ verschrieben hätten. Diese sortiert die Menschen hingebungsvoll nach ihren kulturellen, ethnischen und sexuellen Merkmalen, hat aber mit den Alltagssorgen der meisten Bürger nichts mehr zu tun . Und auch nicht mit einem entspannten und toleranten Deutschland. Den Namen des Landes wollten die Berliner Stadtgrünen aus Rücksicht auf Migranten allen Ernstes aus dem sorgsam glattgebügelten Wahlprogramm der Bundespartei tilgen, so können es die erstaunten Bürger jetzt in den Zeitungen nachlesen. Das alles ist so ziemlich das Letzte, worüber die neue grüne Volkspartei in der heißen Wahlkampfphase gern diskutieren wollte. Doch genau das muss sie nun.

Video: Grüne erwägen Parteiausschuss

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