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Merkur-Redaktuer Christian Deutschländer

Kommentar

Palmer, Bosbach und andere Exoten: Bunte Vögel

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Die Aufregung um bestimmte Personen in der Politik zeigt: Das Land will „bunte Vögel“. Obwohl sie selten in wichtige Positionen vorstoßen, wäre ein konstruktiver Widerspruch in der Breite dienlich für Deutschland, kommentiert Merkur-Redakteur Christian Deutschländer.

Wenn sich die Scheinwerfer auf Politiker richten, stehen da selten die braven Parteisoldaten, die in Reihe elf eines Parlaments der Fraktionsdisziplin huldigen. Das Land giert regelrecht nach bunten Vögeln wie dem Kommunalpolitiker Boris Palmer, der gegen seine grünen Willkommensbeseelten stichelt. Wie Peter Gauweiler, der gegen seine eigene Bundesregierung klagte. Wie Wolfgang Bosbach, der in den Medien wider das CDU-Wischiwaschi argumentiert, bis Parteifreunde schäumen, sie könnten „deine Fresse nicht mehr sehen“. Typen wie diese drei machen unsere graugemerkelte Politik bunt. Parteien, die Volksparteien sein wollen oder zumindest keine Klientelgrüppchen, müssen solche Bandbreiten aushalten. Für sie ist es sogar ein Gewinn. Ein Palmer macht die Grünen für Teile der Bevölkerung erst wählbar.

Der Preis des Abweichens ist meist ein Exotenstatus in der Partei, ein Bosbach wurde nie Minister. Pech? Nein, System bei der Ämtervergabe. Zur Wahrheit zählt aber: Die große Lust des Landes auf Quertreiber und Stichler hat auch Schattenseiten. Bei genauem Hinsehen hat deren Tapferkeit nämlich mitunter Grenzen. Anne Will seine Meinung über die Kanzlerin mitzuteilen, ist deutlich einfacher, als es Angela Merkel ins Gesicht zu sagen. Oder, ein Beispiel: Wo waren die klugen Querköpfe, als sich der Bundestag im September 2015 jeder kritischen Debatte zur Grenzöffnung und zu Grenzkontrollen verweigerte? Die einen schwiegen in dieser Lämmchenversammlung, andere hatten ihr Mandat schon abgegeben, um als Anwalt viel mehr zu verdienen.

Stimmt schon: Parlamente nur aus eitlen Individualisten wären unkalkulierbar, eine repräsentative Parteiendemokratie braucht ein Maß an Disziplin. Neue Bosbachs und Gauweilers werden sich schon finden, gut so. Noch dienlicher für das Land wäre aber viel mehr Mut zum konstruktiven Widerspruch in der Breite der Politiker.

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