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Pandschirtal: Nordöstlich von Kabul entsteht Widerstandsgruppe gegen Taliban

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Schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer patrouillieren in Kabul
Schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer patrouillieren in Kabul © Rahmat Gul / dpa

Während die Verzweiflung ausreisewilliger Afghanen am Flughafen Kabul am Donnerstag weiter zugenommen hat, formiert sich im Land Widerstand gegen die Taliban.

Pandschirtal - Angeführt vom früheren Vize-Präsidenten Amrullah Saleh und Ahmed Massud, dem Sohn eines berühmten Taliban-Gegners, bildet sich im Pandschirtal nordöstlich von Kabul eine Widerstandsgruppe. Massud bat in einem Beitrag in der "Washington Post" um Unterstützung der USA.

Seinen Kämpfern hätten sich Soldaten und Spezialeinheiten der afghanischen Armee angeschlossen, erklärte Massud. Seine "Mudschahedin-Kämpfer" seien "bereit, es erneut mit den Taliban aufzunehmen". Angesichts des vielen US-Kriegsgerätes, das die Taliban bei ihrem Eroberungsfeldzug von der afghanischen Armee erbeutet hätten, bräuchten sie aber "mehr Waffen, mehr Munition und mehr Nachschub".

"Die Taliban kontrollieren nicht das ganze Gebiet Afghanistans", sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow mit Verweis auf "Berichte über die Situation im Pandschirtal" und den sich dort formierenden Widerstand. Das Pandschirtal gilt als Hochburg des Widerstandes und war weder von sowjetischen Soldaten, noch von den Taliban eingenommen worden.

Am Flughafen von Kabul versuchten weiter tausende Menschen aus Afghanistan und anderen Ländern, einen Platz auf einem Evakuierungsflug zu bekommen. Tausende Afghanen waren in einem Streifen zwischen den von US-Soldaten errichteten Absperrungen und Kontrollpunkten der Taliban gefangen. Unbestätigten Berichte zufolge gab es mehrere Tote.

"Ich bin mit meinen Kindern und meiner Familie zum Flughafen gekommen", sagte ein Mann, der bis vor kurzem für eine internationale Nichtregierungsorganisation gearbeitet hatte. Die US-Soldaten und die Taliban hätten geschossen. Die Menschen würden aber dennoch versuchen, auf den Flughafen zu kommen, "weil sie wissen, dass sie außerhalb des Flughafens eine Situation erwartet, die schlimmer ist als der Tod".

Auch vor Botschaften in der Stadt versammelten sich zahlreiche Menschen nach Gerüchten, dass sie dort Visa zur Ausreise erhalten könnten.

Die Taliban hatten inmitten des US-Truppenabzugs in atemberaubendem Tempo die Macht in Afghanistan zurückerobert. Westliche Staaten versuchen jetzt fieberhaft, ihre Staatsbürger und Ortskräfte auszufliegen. Der deutsche Diplomat Markus Potzel steht deshalb in Doha mit Taliban-Vertretern in Kontakt.

US-Präsident Joe Biden räumte in einem ABC-Interview ein, die USA hätten "Schwierigkeiten", afghanische Helfer in Sicherheit zu bringen. Auch in einem vertraulichen Lagebericht des Bundesverteidigungsministeriums für den Bundestag, der AFP vorliegt, heißt es, Zugang zum Flughafen hätten aufgrund der Kontrolle der Taliban derzeit "ausschließlich Personen mit ausländischer oder doppelter Staatsbürgerschaft".

Vize-Außenministerin Wendy Sherman mahnte, die Taliban müssten allen Afghanen, die das Land verlassen wollten, einen sicheren Durchgang "ohne Schikanen" erlauben. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sagte dazu, die USA würden in Gesprächen mit den Taliban auf eine freie Durchfahrt für Afghanen pochen.

Biden schloss in dem ABC-Interview nicht vollkommen aus, dass der bis zum 31. August geplante vollständige Truppenabzug sich etwas verzögern könnte, sollten bis dahin nicht alle US-Bürger in Sicherheit gebracht worden sein. Derzeit befinden sich geschätzt noch zwischen 10.000 und 15.000 US-Bürger in Afghanistan.

Biden war angesichts der Rückkehr der Taliban an die Macht massiv in die Kritik geraten. In dem Interview verteidigte er das Vorgehen der Regierung beim Truppenabzug erneut.

Die Taliban verstärken derweil ihre Position im Land weiter: Taliban-Anführer Haibatullah Achundsada ordnete die Provinzgouverneure an, alle "politischen Gefangenen" bedingungslos freizulassen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzte den Zugang des Landes zu IWF-Ressourcen in Millionenhöhe aus. Auch Deutschland, eines der wichtigsten Geberländer, stoppte seine Zahlungen am Mittwoch.

Der am Wochenende geflüchtete afghanische Präsident Aschraf Ghani erklärte, er führe Gespräche über seine Rückkehr in sein Land und unterstützte die Gespräche zwischen den Taliban und dem früheren Präsidenten Hamid Karsai. US-Vize-Außenministerin Sherman sagte jedoch, Ghani spiele auf der politischen Bühne des Landes "nicht länger eine Rolle".

fwe/ck

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