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Papst Franziskus spricht mit den Gläubigen, nachdem er sich in Folge einer scharfen Bremsung des Papamobils im kolumbianischen Cartagena an der linken Augenbraue verletzt hat. Foto: Andrew Medichini

Verletzung bei Papamobilfahrt

Papst Franziskus als Friedensmahner

Eine Reise mit Momenten voller Symbolik. Papst Franziskus hört sich die Leidensgeschichten von Opfern des Konfliktes in Kolumbien an und mahnt, die Friedenschance zu nutzen. Millionen pilgern zu den Messen.

Medellín (dpa) - Papst Franziskus hat seine Kolumbienreise zu einem starken Friedenssignal genutzt. Der Lebensstil Jesu fordere dazu auf, "den Weg der Liebe, der Gewaltlosigkeit, der Versöhnung und des Friedens zu gehen", sagte er vor einer Million Gläubigen bei einer Heiligen Messe in Medellín.

Immer wieder mahnte er die Menschen, sich auszusöhnen und Hass zu überwinden. In dem 50-jährigen Konflikt in Kolumbien mit der Farc-Guerilla starben über 220 000 Menschen, rund 7,5 Millionen wurden vertrieben. Der Vatikan hatte die Verhandlungen über das 2016 erzielte Friedensabkommen mit der Farc unterstützt.

Eine Schrecksekunde gab es am letzten Besuchstag am Sonntag in der Karibikmetropole Cartagena. Während einer Fahrt mit dem Papamobil verletzte sich Papst Franziskus an der linken Augenbraue.

Der 80-Jährige stieß sich an einer Scheibe, als er ein kleines Kind grüßen wollte und das Papamobil bremste. Er setzte mit Blutflecken auf dem weißen Schulterumhang, der Mozzetta, seinen Besuch fort. Ein Begleiter tupfte immer wieder die blutende Augenbraue ab, während das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter den Menschen zuwinkte. Nach Ende der Fahrt bekam er einen neuen weißen Schulterumhang und die Braue zierte ein kleines Pflaster. Das Auge war leicht geschwollen.

Im Mittelpunkt seiner 20. Auslandsreise stand das Werben für den Frieden mit der Guerilla. Im Land gibt es aber Kritik an einer Sonderjustiz mit milden Strafen für Farc-Verbrechen sowie an der Gründung einer Farc-Partei, der bis 2026 zehn Sitze im Kongress garantiert werden - und damit mehrere Millionen Dollar Diäten. Zudem erhalten Ex-Kämpfer eine Unterstützung von rund 250 Dollar im Monat.

Hinzu kommen Sorgen, dass andere Banden versuchen werden, in früheren Farc-Gebieten die Kontrolle etwa über den Drogenhandel zu übernehmen, weswegen die Lage für die Bevölkerung nicht sicherer würde. Präsident Juan Manuel Santos, der 2016 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, hat stark an Beliebtheit eingebüßt. Daher war auch für ihn der Besuch politisch wichtig. Er dankte dem Papst für dessen Unterstützung.

Die Reise mit Millionen begeisterten Menschen und einem immer wieder gerührten Franziskus wurde zu einem großem Fest des Friedens und des Glaubens. Kinder riefen "Papito, Papito", wenn der Papst im Papamobil vorbeifuhr. Emotionaler Höhepunkt war der Besuch in der früheren Konfliktregion Villavicencio, wo das Oberhaupt der katholischen Kirche auch auf rund 6000 Opfer des blutigen Konflikts traf. 

Vier Personen erzählten ihre Geschichte: ein Ex-Guerillakämpfer, ein früheres Mitglied der rechten Paramilitärs, ein Minenopfer und eine Frau, deren Mann und Kinder ermordet worden waren. Franziskus legte weiße Rosen am Kreuz der Versöhnung zu Ehren aller Opfer nieder.

Er warb trotz der Verbrechen um Vergebung. "Heilen wir diesen Schmerz und nehmen wir jeden Menschen auf, der Straftaten begangen hat, sie bekennt, bereut und sich zur Wiedergutmachung verpflichtet, indem er zum Aufbau der neuen Ordnung beiträgt." Tausende Menschen nahmen in weiß an der Versöhnungszeremonie teil. Franziskus segnete dabei den schwarzen Christus von Bojayá und widmete ihm ein Gebet. Der verstümmelte Holzkorpus, dessen Arme und Beine abgerissen worden waren, war im Mai 2002 zwischen Leichen auf dem Boden einer Kirche in Bojayá entdeckt worden. Bei einer Bombenattacke der Farc starben damals in der Kirche in der abgelegenen Regenwaldregion rund 100 Menschen. Heute gilt der Christus als Symbol des Friedensprozesses. 

In Villavicencio sprach Franziskus den Bischof Jesús Emilio Jaramillo und den Priester Pedro María Ramírez selig. Jaramillo war Bischof der Diözese Arauca, als er 1989 von der ELN-Guerilla entführt und ermordet wurde. Ramírez war bereits 1948 ermordet worden.

Zum Abschluss des Besuchs in Villavicencio pflanzte der Papst im "Wald der Aussöhnung" einen Baum und griff selbst zum Spaten. Kinder - als Zukunft Kolumbiens - gossen die Erde. "Wir wollen eine Zukunft in Frieden", sagt ein junges Mädchen zu Franziskus.

Kurz vor dem Papstbesuch hatte sich auch die ELN als letzte verbliebene Guerillagruppe zu einer Waffenruhe bereit erklärt. Die Hoffnung ist, dass nun auch diese kleinere Guerillasgruppe zur Abgabe der Waffen bereit ist, um einen umfassenden Frieden zu erreichen.

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