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Papst irritiert mit Aussagen zu Russlands Ukraine-Krieg: „Diskreditiert sich und die katholische Kirche“

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Von: Andreas Schmid

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Papst Franziskus zu Gast bei Wladimir Putin(Archivbild).
Papst Franziskus spricht in einem Interview über den Ukraine-Krieg. In Moskau will er bei Kreml-Chef Putin vermitteln. (Archivbild) © L‘osservatore Romano HO/dpa

Papst Franziskus spricht über den Ukraine-Krieg. Der Nato gibt er eine Mitschuld, Putin will er treffen - die russisch-orthodoxe Kirche aber nicht.

Rom - Wie positioniert sich der Vatikan im Ukraine-Krieg? Einerseits war der eskalierte Konflikt eines der Hauptthemen der Osterbotschaft von Papst Franziskus. Vor rund 50.000 Gläubigen rief er auf dem Petersplatz in Rom zu Frieden für die „leidgeprüfte Ukraine“ auf. Er sprach vom „Ostern des Krieges“, da es schon „zu viel Blutvergießen“ in diesem „sinnlosen Krieg“ gegeben habe.

Andererseits sieht sich das Kirchenoberhaupt immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, er sei zu Putin-freundlich, Russland-nah. Jüngst schrieb er deshalb einen Brief an einen argentinischen Journalisten. Den Medien in seiner Heimat warf er „Verleumdung und Desinformation“ vor. Sie hatten kritisiert, dass sich Franziskus zwar mit der Ukraine solidarisiere, nicht aber Russland und Präsident Wladimir Putin namentlich verurteile. Nun meldete sich Papst Franziskus erneut zu Wort.

Ukraine-Krieg: Papst will Putin treffen - „Wir bemühen uns darum“

Franziskus hat Putin nach eigenen Angaben um ein Gespräch in Moskau gebeten, um auf ein Ende des Ukraine-Kriegs hinzuwirken. Das Oberhaupt der katholischen Kirche erklärte in einem Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera vom Dienstag (3. Mai), er habe Putin etwa 20 Tage nach Kriegsbeginn eine Botschaft zu einem Treffen übermitteln lassen – bisher aber keine Antwort erhalten.

Franziskus, Staatsoberhaupt des Vatikans, sagte der Zeitung: „Wir haben noch keine Antwort erhalten und wir bemühen uns weiterhin darum. Aber ich befürchte, dass Putin sich derzeit nicht treffen kann und will.“ Interessant: Eine Reise in die Ukraine plant der Papst nach eigenen Angaben nicht. „Ich werde vorerst nicht nach Kiew reisen“, sagte Franziskus. „Ich habe das Gefühl, dass ich dort nicht hinreisen sollte. Erst muss ich nach Moskau, erst muss ich Putin treffen.“

Der Papst verglich in dem Interview den Ukraine-Krieg auch mit dem Völkermord in Ruanda. „Man muss eine solche Brutalität einfach stoppen. Wir haben mit Ruanda vor 25 Jahren dasselbe erlebt“, fügte Franziskus hinzu. Er bezog sich damit auf den Völkermord in dem ostafrikanischen Staat im Jahr 1994. Damals wurden nach UN-Angaben 800.000 Menschen getötet, überwiegend Angehörige der Tutsi-Minderheit im Land.

Ukraine-Krieg: Franziskus kritisiert Nato

Für Aufmerksamkeit sorgten auch Passagen aus dem Interview, in denen Franziskus die Nato kritisiert. Wie in jedem Konflikt gebe es auch im Ukraine-Krieg „internationale Interessen“. Für die Eskalation des Ukraine-Konflikts habe womöglich „das Bellen der Nato an Russlands Tür“ gesorgt, mutmaßte Franziskus. Er wolle zwar nicht so weit gehen, zu sagen, dass die Nato-Präsenz in den Nachbarländern Russlands den Kreml „provoziert“ habe. Die Invasion sei dadurch aber „vielleicht erleichtert“ worden.

Franziskus könne außerdem nicht beurteilen, ob Waffenlieferungen in die Ukraine nun richtig seien oder nicht. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sei von außen geschaffen.

Deutsche Theologen sehen das Interview kritisch. Sie riefen den Papst auf, sich stärker zur Ukraine zu bekennen. „Der Papst diskreditiert sich und die katholische Kirche, wenn er den Angreifer nicht benennt“, sagte der Osteuropa-Experte Thomas Bremer dem Online-Magazin „Kirche-und-Leben.de“. Die Berliner Theologin Regina Elsner stört, dass Franziskus mit Putin sprechen will. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand gerade noch Einfluss auf Putin nehmen kann“, sagte sie dem Internetportal domradio.de.

Ukraine-Krieg: Papst attackiert „Messdiener Putins“

Kritik gibt es aber auch aus Moskau. Zwischen Russland und dem Vatikan kriselt es derzeit ein wenig. Franziskus gilt eigentlich als Geistlicher, der die Differenzen mit der russisch-orthodoxen Kirche überwinden will. Zuletzt kam es aber zur Absage eines eigentlich für Mitte Juni geplanten Treffen mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill, dem Chef der russisch-orthodoxen Kirche. Das dadurch vermittelte Zeichen wäre in Zeiten des Krieges unangebracht, sagte Franziskus jüngst.

Papst Franziskus und Kyrill bei einem Treffen im Jahr 2016.
Papst Franziskus und Kyrill bei einem Treffen im Jahr 2016. Im Juni hätten sich die beiden Kirchenchefs erneut sehen sollen - doch der Papst sagte ab. © ITAR-TASS/Imago

In dem Interview sprach Franziskus nun auch über Kyrills Putin-Nähe. „Ich habe 40 Minuten mit Kyrill über Zoom gesprochen. In den ersten zwanzig hat er mir mit einem Zettel in der Hand die Rechtfertigungen für den Krieg vorgelesen“, schilderte Franziskus. Er dürfe sich „nicht zum Messdiener Putins machen“. Kyrill verteidigt den russischen Angriffskrieg regelmäßig. Die russisch-orthodoxe Kirche wies die Kritik zurück und warf Franziskus einen „unkorrekten Ton“ vor. Kyrill hat derzeit aber ohnehin andere Probleme. Er könnte auf die Sanktionsliste der EU kommen. (as)

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