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Papst Franziskus nimmt am 21.01.2017 in der Basilika St. John in Rom (Italien) an der Messe anlässlich des Jubiläums der Dominikaner teil.

Faire Chance für Trump, aber klare Worte

Papst sieht bei Populisten Parallelen zu Hitler

Vatikanstadt - In den Chor derjenigen, die Donald Trump vorverurteilen, will Papst Franziskus nicht einstimmen. Der Argentinier warnt gleichzeitig aber vor Populisten und „Rettern“, die die Völker in Krisenzeiten mit „Mauern und Stacheldraht“ beschützen wollen.

Papst Franziskus gibt dem vielkritisierten neuen US-Präsidenten Donald Trump eine Bewährungschance: „Warten wir ab, was er macht, und danach wird bewertet“, sagte das Oberhaupt der Katholischen Kirche in einem Exklusivinterview der spanischen Zeitung „El País“ (Sonntagausgabe).

Franziskus wies in diesem Zusammenhang auf „Prophezeiungen von Unglücken oder von Reichtümern, die danach nicht eintreten“, hin. Was Sie bis jetzt gehört haben, bereitet Ihnen keine Sorgen?, wurde Franziskus gefragt. Die Antwort: „Ich warte ab. Gott hat doch bei all meinen Sünden so lange auf mich gewartet.“ Das Interview wurde am Freitag geführt - dem Tag der Amtseinführung Trumps.

Papst zieht bei Populisten Parallelen zu Hitler

Mit Kritik an Populismus hielt sich Franziskus allerdings nicht zurück. In Krisenzeiten suchten die Völker oft nach „Rettern“, die sie „mit Mauern und Stacheldraht vor anderen Völkern“ beschützen, „die uns unsere Identität nehmen könnten“. Das sei „sehr schlimm“.

Als warnendes Beispiel nannte der Jesuit das Naziregime im Deutschland der 1930er Jahre. „(Adolf) Hitler hat nicht die Macht geklaut. Er wurde von seinem Volk gewählt und danach hat er sein Volk zerstört“, sagte der Papst und fügte an: „Darin liegt die Gefahr. Das Urteilsvermögen funktioniert in Krisenzeiten nicht.“ Daher sei Dialog in solchen Zeiten sehr wichtig.

Jedes Land habe das Recht, seine Grenzen zu kontrollieren, sagte Franziskus. Die von Terrorismus oder anderen Gefahren bedrohten Staaten „noch mehr“. „Aber kein Land hat das Recht, seinen Bürgern den Dialog mit den Nachbarn zu verwehren.“

Auf die Frage nach seinen größten Sorgen bezüglich der Kirche sagte der 80-jährige Argentinier, diese müsse die Nähe zu den Menschen aufrechterhalten. „Eine Kirche, die keine Nähe herstellt, ist keine Kirche. Sie ist nur eine gute Nichtregierungsorganisation.“

Hinsichtlich der Lage der Welt bereiteten ihm derweil die Kriege die größten Sorgen. „Wir erleben zur Zeit einen Dritten Weltkrieg in kleinen Stückchen. Und in jüngster Zeit redet man über einen möglichen Atomkrieg als würde es sich um ein Kartenspiel handeln. Man spielt Karten. Und das bereitet mir die größten Sorgen.“

In dem Gespräch stellte der Papst auch die soziale Ungleichheit an den Pranger, die Tatsache, „dass eine kleine Gruppe der Menschheit mehr als 80 Prozent aller Reichtümer hat“. Im Zentrum des Wirtschaftssystems stehe „der Gott des Geldes“, klagte er.

Bilder der Anti-Trump-Demos: Proteste von Millionen und zahlreichen Promis

Jorge Mario Bergoglio wies auch erneut auf das Elend der strandenden oder im Meer ertrinkenden Flüchtlinge hin. Er betonte, man erlebe zur Zeit eine Tragödie. Tun die Regierungen denn genug? „Jeder tut, was er kann - oder was er will. Das ist sehr schwer einzuschätzen. Aber dass das Mittelmeer sich in einen Friedhof verwandelt hat, muss uns natürlich zu denken geben“, sagte er. Die Länder Europas müssten aber sicher mehr tun, um die Migranten besser zu integrieren. Ohne Integration gebe es Bildungen von Ghettos. Die Attentäter von Belgien seien ja in solchen Ghettos in Brüssel aufgewachsen.

Einen Rücktritt ähnlich dem von Vorgänger Benedikt XVI. Anfang 2013 schließt Franziskus nicht aus. „Mein großer Meister Benedikt hat mir gezeigt, wie es geht, sollte ich spüren, dass ich nicht mehr kann.“ Er wirke aber als Papst doch sehr froh, bemerkte einer der Interviewer zum Abschluss des Gesprächs. „Der Herr ist gut, er hat mir meine gute Laune nicht genommen“, bestätigte der seit knapp vier Jahren amtierende 266. Bischof von Rom.

dpa

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