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U-Boot-Streit geht in die nächste Runde: Frankreich stellt Nato infrage - „Es gibt eine Krise“

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Von: Andreas Schmid

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Frankreichs Außenminister
Durch den Streit um ein geplatztes U-Boot-Geschäft mit Australien sieht Frankreich das Verhältnis innerhalb der Nato belastet. „Man muss auch die Stärke der Allianz mit den Vereinigten Staaten hinterfragen“, sagte Le Drian. © Jens Schlueter/POOL-AFP/dpa

Die Differenzen zwischen Frankreich und dem Trio Australien, USA und Großbritannien dauern an. Nun wird sogar die Nato infrage gestellt.

Paris - Der U-Boot-Streit Frankreichs mit Australien, den USA und Großbritannien spitzt sich weiter zu: Der Fall belaste die Zukunft der Nato und wirke sich auf die Festlegung des neuen strategischen Konzepts des Bündnisses aus, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian am Samstag. Zudem griff er die Verbündeten mit in der Diplomatie ungewöhnlich scharfen Worten an. Australien verteidigte sein Vorgehen.

U-Boot-Streit: Australien kündigt überraschend Milliarden-Kauf französischer U-Boote

Die Nato müsse bei der Neubewertung ihrer Strategie bei ihrem Gipfeltreffen im kommenden Jahr die jüngsten Vorgänge berücksichtigen, forderte Le Drian mit Blick auf den U-Boot-Streit. „Man muss auch die Stärke der Allianz mit den Vereinigten Staaten hinterfragen“, sagte der Außenminister. „In einer richtigen Allianz redet man miteinander und respektiert sich, das war nicht der Fall.“ Was geschehen sei, belaste das neue strategische Konzept der Nato. Le Drian sprach von Lügen und einem Vertrauensbruch. „Das geht überhaupt nicht, das heißt, es gibt eine Krise.“ Zuvor hatte der Chef des Nato-Militärausschusses, Rob Bauer, gesagt, er erwarte keine Auswirkungen auf die militärische Zusammenarbeit.

Hintergrund des ungewöhnlich heftigen Streits unter Verbündeten ist die Gründung eines neuen Sicherheitsbündnisses für den Indopazifik zwischen den USA, Großbritannien und Australien. Dieses veranlasste die australische Regierung dazu, ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft mit Frankreich platzen zu lassen und stattdessen US-Atom-U-Boote anzuschaffen. Der Deal war zuvor über Jahre verhandelt worden.

Paris: Außenminister attackiert Australien - „Lüge, Doppelzüngigkeit, schwerer Vertrauensbruch“

Le Drian warf den Verbündeten am Samstag „Lüge, Doppelzüngigkeit, einen schweren Vertrauensbruch und Geringschätzung“ vor. Australien wies die Vorwürfe zurück - Canberra habe seine Zweifel am geplanten U-Boot-Kauf gegenüber Paris „offen und ehrlich“ geäußert, sagte Verteidigungsminister Peter Dutton am Sonntag. Das Rüstungsprojekt habe Jahre hinter dem Zeitplan gelegen, das Budget sei überzogen worden.

Premierminister Scott Morrison sagte, Paris hätte sich der „tiefgreifenden und ernsthaften Bedenken“ seines Landes bewusst sein müssen. „Wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir eine Entscheidung auf der Grundlage unserer strategischen nationalen Interessen treffen würden“, sagte Morrison in Sydney. Paris hätte wissen müssen, dass die französischen U-Boote „nicht unseren strategischen Interessen entsprechen würden“. Er verstehe die Enttäuschung in Paris, bedaure seine Entscheidung aber nicht, Australiens Interessen an erste Stelle zu setzen. Finanzminister Simon Birmingham sagte, Australien habe Frankreich über das Aus des Deals „zum frühestmöglichen Zeitpunkt informiert, bevor das öffentlich wurde“.

Frankreich: Macron veranlasste bereits Diplomaten-Rückzug - Streit dauert an

Angesichts der Expansionsbestrebungen Chinas im wirtschaftlich bedeutsamen Indopazifik-Raum hatten Washington, London und Canberra am Mittwoch ihr neues Bündnis bekannt gegeben. Es sieht unter anderem vor, dass Australien von US-Technologie beim Bau atombetriebener U-Boote und von Knowhow bei der Cyberabwehr profitiert. Auch wollen die USA ihre militärische Präsenz in Australien ausweiten.

Auch Frankreich sieht sich wegen seiner Überseegebiete wie Neukaledonien und Französisch-Polynesien als Großmacht im Indopazifik. Le Drian warf Canberra vor, Paris „in den Rücken gefallen“ zu sein. US-Präsident Joe Biden*, der die Rivalität mit China zum Top-Thema seiner Außenpolitik erklärt hat, habe eine „brutale“ Entscheidung nach dem Motto seines Vorgängers Donald Trump - „Amerika zuerst“ - getroffen.

Frankreich fühlt sich derweil hintergangen. Als Zeichen seiner Verärgerung hatte Frankreich in einem außergewöhnlichen diplomatischen Schritt zwischen Verbündeten seine Botschafter aus Washington und Canberra zurückgerufen. Der Schritt geschah auf Wunsch von Präsident Emmanuel Macron*. Zuvor hatte Frankreich bereits eine Feier der französisch-amerikanischen Freundschaft abgesagt. Der Zwist dauert damit an. Ausgang offen. (as/afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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