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Ziemlich beste Feinde: Horst Seehofer spürt Markus Söder im Nacken.

Gerangel zwischen Seehofer und Söder

Partei in Gefahr: Machtkampf in der CSU

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München - Die Ruhe hielt nur zwei Tage: Kurz nach dem CSU-Parteitag bricht das Gerangel zwischen Horst Seehofer und Markus Söder wieder auf. Der Machtkampf wird gefährlich. Am Ende könnte es nur Verlierer geben.

Der Termin passt in die Zeit: Markus Söder ist am Dienstag beim Impfen. Im Finanzministerium setzt ihm Gesundheitsministerin Melanie Huml öffentlich die Anti-Grippe-Spritze. Söder sitzt auf einer Liege, Huml zieht Gummihandschuhe über. Klar. November. Grippe-Zeit. Aber bei Söder taugt die Aktion auch als Symbol. Immun werden. Das könnte ihm auch in der CSU helfen – im Gerangel mit Parteichef Horst Seehofer.

Der Parteitag ist keine drei Tage her. Geschlossenheit, Annäherung, Ordnung: Das waren die Botschaften. Aber mit der Harmonie ist es erst mal wieder dahin. Seehofer und Söder liegen wieder über Kreuz. Es sei schlimmer denn je, meint ein Landtagsabgeordneter. Zusammenraufen? Ausgeschlossen. „Eher vertragen sich Clinton und Trump.“ Und in der Partei fragt man sich wieder einmal: Warum das alles? Warum schon wieder?

Das Gerangel nimmt schon auf dem Parteitag seinen Anfang. Da gibt Söder der „Passauer Neuen Presse“ ein Interview, das in der Montagausgabe gedruckt wird. Ob die CSU Kanzlerin Angela Merkel als Unions-Kandidatin 2017 mittrage, stehe noch nicht fest, macht er deutlich. „Erst die Inhalte, dann das Personal.“ Es sei „nicht gut“, dass einige aus der CSU in „vorauseilendem Gehorsam“ ihre Unterstützung zugesagt hätten. Es sind Sätze, die auch Seehofer ähnlich schon geäußert hat – bis zum Parteitag. Die Strategie sieht nun aber vor, zügig auf die CDU zuzugehen.

Am Montag watscht Seehofer Söder in einer gemeinsamen Sitzung von CSU-Abgeordneten aus Bund und Land in Berlin ab. In Söders Abwesenheit. Ex-CSU-Chef Erwin Huber erwähnt das Interview: Das „Merkel-Bashing“ müsse aufhören. Seehofer nimmt die Kritik auf. Mancher in der Partei handele „egoistisch statt strategisch“, bemerkt er, ohne Söder namentlich zu nennen. „Wer täglich Förderbescheide verteilt, ist noch kein Stratege.“ Heimatminister Söder ist im ganzen Land mit der Breitbandförderung unterwegs.

Die Kritik ist deutlich. Unklar ist Seehofers Furor. Der CSU-Chef habe eher ruhig gewirkt, sagt einer. Es sei „keine Hinrichtung“ gewesen. Ein anderer spricht dagegen von einem regelrechten Ausbruch. „Jeder Satz ein Hieb, ein Schlag gegen Söder.“

Wer ist Schuld an der Unruhe in der Partei?

In der Partei herrscht Unruhe. Aber wer ist schuld daran? Seehofer lege für sich andere Maßstäbe an als für Parteifreunde, sagen die einen. Kürzlich beklagte er sich, als sich Abgeordnete in seiner Abwesenheit über ihn beschwert hatten („Das macht man nicht“). Nun greife er Söder in dessen Abwesenheit an. Das „Söder-Bashing“ sei „parteischädigend“, meint der Landtagsabgeordnete Alexander König. Sein Kollege Ernst Weidenbusch ätzt via Facebook: „Man ist auch noch lange kein Stratege, wenn man keine Munition mehr hat, aber trotzdem weiterschießt, damit der Feind davon nichts merkt.“

Die anderen kritisieren Söder. Seehofer sei nun mal Parteichef, Söder nur Bezirksvorsitzender in Nürnberg. „Ich habe Verständnis dafür, dass einem der Grant übergeht, wenn wir bemüht sind, auf der sachpolitischen Ebene Lösungen zu erreichen, und dann möglicherweise unter eigensüchtigen Gesichtspunkten Politik betrieben wird“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Landesgruppe, Max Straubinger, dem BR.

Nur in einem sind sich fast alle einig: Die beiden müssten sich zusammenraufen. „Jeder in der Partei wünscht sich, dass die beiden wieder zusammenarbeiten“, sagt ein Abgeordneter. Denn für die Partei wird die Rangelei langsam brandgefährlich. Ein offener Machtkampf könnte am Ende für alle verheerend sein.

Aufstellung für Berlin wird festgezurrt 

Im Januar will Seehofer in einer Reihe von Gesprächen Strategie und Aufstellung für die Bundestagswahl im Herbst klären. Nach wie vor steht im Raum, dass er den Parteivorsitz vorher auf einem Sonderparteitag abgeben könnte – an denjenigen, der die CSU als Spitzenkandidat in die Wahl führt. Das sei notfalls mit wenigen Tagen Vorlauf möglich, betont man in der Parteispitze.

Wer Söder nahesteht, kann das nur als Drohung empfinden. Der Franke hat seinen Weggang nach Berlin ausgeschlossen. Der Parteivorsitz zöge an ihm vorbei. Es sei denn, er stellte sich offen gegen Seehofer – und stürzte sich in eine Kampfkandidatur. Ein Szenario, bei dem es am Ende nur Verlierer gäbe: Die Wahl wäre kaum zu gewinnen. Auch bei der Landtagswahl drohte der dann völlig zerrütteten Partei eine herbe Niederlage.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Das Verhältnis der beiden habe schon mehrfach zerrüttet gewirkt, sagt einer aus der Parteispitze. Sie hätten jedes Mal wieder die Kurve gekriegt. Söder macht bei seinem Impftermin gestern schon mal selbst Vorschläge dafür. „Du solltest tatsächlich das ganze Kabinett impfen“, rät er Gesundheitsministerin Huml. „Das hat sicher beruhigende Wirkung.“ Das ist ironisch gemeint – aber immerhin.

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