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Parteiaustritt bei der AfD im Landtag: Abgeordneter kommt Ausschluss zuvor

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Von: Marcus Mäckler

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Austritt: Ralph Müller (li.) mit Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner im Landtag.
Austritt: Ralph Müller (li.) mit Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner im Landtag. © Tobias Hase

Ralph Müller verlässt die AfD. Allerdings offenbar nicht ganz freiwillig. Zuletzt hatte der Nürnberger mehrmals negative Schlagzeilen gemacht.

München - Kurz vor Silvester wird Bayerns Landtags-AfD noch einmal heftig durchgerüttelt. Der Nürnberger Abgeordnete Ralph Müller kehrt der Partei den Rücken. „Ich bin mit sofortiger Wirkung aus der AfD Deutschland und Bayern ausgetreten“, bestätigte er auf Anfrage. Zu den genauen Gründen wollte er keine Stellung nehmen.

Intern stand der 57-Jährige schon länger in der Kritik. Nach Informationen unserer Zeitung hatte der Landesvorstand zuletzt ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet. Die Entscheidung dafür sei mit großer Mehrheit gefallen, heißt es. Vize-Landeschef Hans-Jörg Müller bestätigte die Ausschlussbestrebungen zumindest indirekt: „Zu schwebenden Verfahren geben wir keine Auskunft“, sagte er. Mit seinem Austritt kommt der Mittelfranke einem Ausschluss nun zuvor.

Bei der Gedenkminute für den ermordeten Lübcke blieb Müller demonstrativ sitzen

Müller gilt als extrovertierter und schwieriger Charakter, der im Landtag durch oft schrilles Auftreten auffällt. Im Februar 2019 fing er sich nach einer umstrittenen Rede eine Rüge ein - die erste im Maximilianeum seit 25 Jahren. Vier Monate später machte er Schlagzeilen, weil er während einer Gedenkminute für den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke demonstrativ sitzen blieb.

In den vergangenen Wochen war Müller nicht mehr im Landtag erschienen und blieb auch Fraktionssitzungen fern. Einer der Gründe könnte ein internes Zerwürfnis sein. Der Zahnarzt hatte im Herbst vehement gegen die mit großer Mehrheit beschlossene Abschaffung der Fraktionszulagen protestiert, durch die ihm 1600 Euro im Monat flöten gingen.

Zuletzt soll Müller versucht haben, einen eigenen AfD-Kreisverband zu gründen - in Konkurrenz zum bestehenden. Fraktionsinsider berichten zudem von heftigen Attacken in sozialen Netzwerken, vor allem gegen Müllers Landtags-Kollegen Ferdinand Mang. Intern heißt es, Mang, der Schriftführer im Landesvorstand ist, habe das Ausschlussverfahren gegen Müller vorangetrieben.

Landtags-AfD von ursprünglich 22 mittlerweile auf 19 Mitglieder geschrumpft

Der Nürnberger ist unter anderem verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion und Metropolbeauftragter für die Region Nürnberg. Seine Arbeit will er „weiterhin erfolgreich fortsetzen“. So leicht dürfte das aber nicht gehen. Laut Satzung endet die Mitgliedschaft in der Fraktion mit dem Parteiaustritt. Die Landtags-AfD würde so erneut schrumpfen: von ursprünglich 22 auf 19 Mitglieder.

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