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Die Qual mit der Wahl: Horst Seehofer auf dem Parteitag.

Früher haben sie ihm triumphale Einmärsche bereitet:

Parteitag zeigt: Horst Seehofer und die CSU haben sich auseinander gelebt

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    Mike Schier
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Nur dünner Beifall empfängt Horst Seehofer - immer noch Parteivorsitzender - auf dem CSU-Parteitag. Der langjährige Ministerpräsident überließ diesmal ganz seinem Nachfolger Markus Söder das Rampenlicht.

München – Sie haben ihm früher triumphale Einmärsche im Trommelwirbel bereitet. Diesmal steht Horst Seehofer vor der Parteitagshalle, sagt für die Kameras etwas auf, Herbstlaub umrieselt seine Schultern. Drinnen, auf dem Weg an der Garderobe vorbei, durchschreitet er mit seinen Leibwächtern ein Spalier aus jungen Wahlkämpfern. Keiner klatscht, wie eben noch, als Markus Söder vorbeikam, mancher lächelt verkniffen und stumm.

Die CSU ist gut darin, ihre aktuellen Helden zu feiern und ihre Ehemaligen zu preisen. In der Zwischenphase des Wechsels und Liebesentzugs ist sie brutal. Seehofer, immerhin aktuell Vorsitzender dieser Partei, muss das im Münchner Postpalast erleben. Der Jubel, und sei es auch nur ein trotziger, gehört dem Spitzenkandidaten Söder. Für Seehofer reicht es nur zu dünnem Beifall beim offiziellen Begrüßen.

Seehofer lobt in seiner Rede ausdauernd „den Markus“

Es herbstelt. Auch für Horst Seehofer. Selbst wenn der Parteivorsitzende an diesem Tag all das macht, was die CSU von ihm erwartet: Er hält eine Rede, die keine weiteren Schlagzeilen liefert. Er lobt „den Markus“ ausdauernd für seinen „ungeheuren Einsatz“ – und überlässt ansonsten Söder das Rampenlicht. Wer die Beziehung der beiden auch nur ein bisschen kennt, erahnt, welche Überwindung Seehofer das kosten muss. Aber er will ein Zeichen setzen: Man brauche „Zuversicht statt Ängstlichkeit, Geschlossenheit statt Nörgelei, Einsatz statt Gemütlichkeit“.

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Es ist wie auf einem Rockkonzert: Die Besucher lassen die Vorband artig über sich ergehen. Und wenn sie einigermaßen ins Konzept passt, freut man sich nach dem letzten Stück, dass die eigentliche Show jetzt gleich beginnt und spendet höflich Beifall. Bei Seehofer fällt dieser am Samstag sogar auffallend freundlicher aus als noch bei der zurückhaltenden Begrüßung. „Solide“ heißt es hinterher unter den Delegierten über die Rede. Mancher klingt fast ein wenig erleichtert.

Doch das Stimmengwirr und das Geschirrgeklapper von den Verpflegungsständen, die von der Parteitagsregie ein wenig unglücklich direkt hinter der Bühne platziert wurden, lässt erahnen, dass etliche Delegierte ein frühes Mittagessen der Rede ihres Vorsitzenden vorziehen. Es ist einfach zu viel passiert in den vergangenen Wochen.

Schon klar: Viele ärgern sich über den „Spiegel“, der pünktlich zum Parteitag Seehofers Bild mit der Überschrift „Der Gefährder“ auf den Titel gehoben hat. Seehofer definiert deshalb in seiner Rede, was man unter Gefährdern versteht: „Menschen, die nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden für einen Terroranschlag infrage kommen.“ Nicht nur er fühlt sich von den Berliner Journalisten sehr unfair bewertet.

Doch auch an der eigenen Basis hat sich viel Frust über echte und vermeintliche Eskapaden des Innenministers angesammelt. „Wir bräuchten halt endlich einmal Ruhe“, raunzt einer. Wenn man herumfragt, wie lange der Parteichef noch im Amt bleibt, bekommt man nicht selten die Antwort: „Zumindest bis zum 14. Oktober.“

Der Bruch, das ist inzwischen klar, hat sich in der legendären Vorstandssitzung Anfang Juli vollzogen, als Seehofer intern seinen Rücktritt erklärte, später davon aber nichts mehr wissen wollte. Viele, die dabei waren, schütteln heute noch den Kopf. Und fast alle glauben, dass es bei einem schwachen Wahlergebnis zur Abrechnung kommt.

Einigen fällt am Samstag deshalb besonders auf, dass Seehofer nicht nur Söder lobt, sondern auch Manfred Weber. „Du bist einer der ganz starken“, sagt er zum möglichen EVP-Spitzenkandidaten. Er habe „keine schlaflosen Nächte“, wenn Weber plötzlich als sein Nachfolger gehandelt werde. Manch einer im Saal interpretiert das schon als Präferenz bei der Nachfolgefrage. Der Herbst könnte spannend werden. 

Seehofer unter Druck

Am Montag überraschte der Ministerpräsident alle mit einer ungewöhnlichen Aktion und trotzt den Rücktritts-Gerüchten.

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