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Meral K. war ein angebliches Opfer des vom NSU verübten Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße

Paukenschlag beim Prozess

Anwalt: Ein NSU-Opfer "wahrscheinlich nicht existent"

München - Paukenschlag beim NSU-Prozess in München. Anwalt Ralph Willms, der das NSU-Opfer Meral K. im Prozess vertritt, legte sein Mandat nieder. Grund: Frau K. sei "wahrscheinlich überhaupt nicht existent".

Mehrfach hatte das Gericht Meral K. als Zeugin geladen, mehrmals war sie nicht zum Prozess erschienen. Wohl mit gutem Grund: Nach einem Bericht von "Spiegel Online" könnte es ein, dass Nebenklägerin Meral K. gar nicht existiert. Ihre "Existenz und Opfereigenschaft" sei von einem anderen Nebenkläger vorgetäuscht worden, sagte Anwalt Ralph Willms.

Nachfragen von Richter Manfred Götzl ließen jetzt den Betrug auffliegen.

Meral K. wurde angeblich beim vom NSU verübten Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße im Jahr 2004 verletzt. Laut "Spiegel" lag bei ihrer Zulassung als Nebenklägerin ein Attest eines Arztes zu Grunde, der das Schriftstück kurz nach dem Anschlag erstellt hatte. Ein Anwalt soll nun für einen anderen Nebenkläger denselben Arztbericht eingereicht haben. Am Oberlandesgericht sei dies nicht aufgefallen. Auch nicht dass Willms als Anlage zur Zulassung von Meral K. als Nebenklägering "eine Einladung des Bundespräsidenten" dem Gericht schickte. Bei dem Dokument handelte es sich aber laut "Spiegel" um eine Einladung des damaligen Münchner OBs Christian Ude - ohne Namen und anonym "An die Opferfamilien der rechtsextremen Mordserie" adressiert.

Richter hatte Zeugin mehrmals vergeblich geladen

Die Ungereimtheiten hatten am Dienstag im Prozess dann zu scharfen Nachfragen von Richter Götzl geführt. Götzl hatte Willms aufgefordert, zu klären, wo sich seine Mandantin aufhält. Er habe mehrmals vergeblich versucht, sie als Zeugin zum Prozess zu laden, so der Richter. Daraufhin habe er Nachforschungen angestellt, ließ Anwalt Willms nun mitteilen. Mit dem Ergebnis, dass Meral K. vermutlich nicht existiert.

mb/dpa

 

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