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Lutz Bachmann rief die "Pegida"-Bewegung ins Leben.

Einer ist mehrfach vorbestraft

Pegida: Das sind die Köpfe der Bewegung

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München - Seit Wochen sorgt "Pegida" für Aufsehen mit einem Kampf gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands. Doch wer steckt hinter den Demos? Wir stellen die Köpfe der Bewegung vor.

Seit Wochen versammeln sich in Dresden an jedem Montagabend Menschen, um unter dem Namen "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" zu demonstrieren. Sie haben sich für ihre Demos historische Vorbilder ausgesucht, waren doch die Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR einer der Auslöser für den späteren Zerfall des Regimes. Am vergangenen Montag versammelten sich mehr als 15.000 Menschen in Dresden - ein neuer Höchstwert. Doch die "Pegida"-Demonstranten haben natürlich auch Anführer, und deren Vorgeschichten haben es in sich.

Pegida-Anführer Lutz Bachmann ein verurteilter Einbrecher

Der Kopf der Pegida-Proteste ist Lutz Bachmann. Er rief die Bewegung ins Leben und sorgte von Anfang an dafür, dass die Medien außen vor bleiben. Keine Interviews und kein Kontakt zu den Medien, denn die verdrehen die Wahrheit sowieso, lautet sinngemäß das Motto von Bachmann. Dass auch er als Urheber der Demonstrationen gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands den Umgang mit Journalisten meidet, hat aber noch einen anderen Grund: Schon mehrfach stand Bachmann im Konflikt mit dem Gesetz. Wie die Tagesschau berichtete, wurden ihm 16 Einbrüche bei Firmen im Großraum Dresden vorgeworfen. Zu drei Jahren Gefängnis wurde er dafür verurteilt.

Doch anstatt die Strafe anzutreten floh er unter einem falschen Namen nach Südafrika. Nach seiner Entdeckung wurde er schnell wieder in die BRD abgeschoben, wo er seine Haftstrafe verbüßen musste. Viel gelernt hat er daraus aber offenbar nicht. Denn kurz nach seiner Entlassung wurde Bachmann zwei Mal mit insgesamt 90 Gramm Kokain erwischt. Noch immer ist Bachmann auf Bewährung und darf deswegen weder gewählt werden noch öffentliche Ämter bekleiden. Er selber will seiner Rolle bei Pegida keine zu große Wichtigkeit zukommen lassen. "Ich bin austauschbar", zitiert ihn die Tagesschau. Wenn es im Dienste der Sache sei, trete er auch "gern aus dem ungewollten Rampenlicht" zurück."

EX-CDU-Mitglied postete ausländerfeindliche Sprüche

Ganz vorne bei den Demos gegen eine Islamisierung Deutschlands dabei ist laut NDR auch Thomas Tallacker. Vor einem Jahr war er noch Stadtrat und Vorstandsmitglied der CDU in Meißen bei Dresden. Er machte mit Äußerungen bei Facebook, die sich gegen Ausländer richteten, auf sich aufmerksam und trat danach von seinen Posten zurück.

Siegfried Däbritz ist ebenfalls aus Meißen und postete ebenso wie Tallacker in sozialen Netzwerken Kommentare, die sich in ein rassistisches Meinungsbild einordnen lassen. Von Reportern darauf angesprochen verweigerte er jeden Kommentar.

An dieser Stelle muss allerdings auch darauf hingewiesen werden, dass nicht jeder der Teilnehmer der Pegida-Demos gegen eine Islamisierung Deutschlands oder ihrer Organisatoren solche Hintergründe hat.

Etablierten Politikern fällt die Einordnung schwer

Die deutsche Politik tut sich mit dem Umgang mit den Demos schwer. Bundeskanzlerin Merkel empfiehlt den Bürgern eine kritische Distanz: Jeder Teilnehmer der Kundgebungen müsse "aufpassen, dass er nicht von den Initiatoren solcher Veranstaltungen instrumentalisiert wird", sagte Merkel. Bundesjustizminister Heiko Maas fand deutlich schärfere für die Kämpfer gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands, als er die Proteste im Interview mit der Süddeutschen Zeitung als "Schande für Deutschland" bezeichnete. Der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer warnte allerdings davor, die Teilnehmer der Demos "in die rechtsradikale Ecke zu stellen".

CSU-Politikerin Gerda Hasselfelt sagte im Bundestag am Dienstag in Berlin, die Sorgen der Bürger müssten ernst genommen werden. Zugleich forderte Hasselfeldt sie aber zu mehr Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge auf. Diese bräuchten dringend deutsche Hilfe. Über Menschen, die aus dem Bürgerkriegsland Syrien fliehen, erklärte sie: „Sie kommen nicht, weil sie so gern reisen, sondern weil sie auf üble Art und Weise verfolgt werden.“

Vertreter der Linken schlugen einen Dialog mit den Bürgern vor, machten aber auch klar, dass es "keine Entschuldigung" für Ausländerfeindlichkeit gebe. Die Alternative für Deutschland konnte noch keine einheitliche Position zu den Demos finden. Während Parteichef Lucke die Forderungen der Pegida als "legitim" bezeichnete, verteidigte sein Vize Alexander Gauland die Proteste als "Sorge um Entwicklungen" in der Bundesrepublik.

15.000 Anhänger bei "Pegida"-Demo in Dresden

15.000 Anhänger bei "Pegida"-Demo in Dresden

bix

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