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MM-Redakteur Lorenz von Stackelberg

Kommentar von Lorenz von Stackelberg

Pegida ist zurück – und radikalisiert sich: Hirngespinste?

Die Führungsfiguren von Pegida schlagen offen ausländerfeindliche und antidemokratische Töne an. Doch das, was das Bündnis vor Jahresfrist in seinen Kundgebungen beschwor, ist in den Augen vieler Menschen zur unheimlichen Realität mutiert. Ein Kommentar von Lorenz von Stackelberg.

Wer heute unter der Fahne von Pegida mitmarschiert, kann nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, arglos in die Gesellschaft von ein paar versprengten braunen Wirrköpfen geraten zu sein. Die Führungsfiguren des selbsternannten islamkritischen Bündnisses bemühen sich inzwischen gar nicht mehr um den Habitus des besorgten Bürgers, sondern schlagen offen, ungeniert und unmissverständlich ausländerfeindliche und antidemokratische Töne an. Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass die Hirngespinste, die Pegida vor Jahresfrist in ihren Kundgebungen beschwor, in den Augen vieler Menschen mit dem Flüchtlingsansturm zu einer unheimlichen Realität mutiert sind. Moralische Bannflüche ändern daran nichts.

Es ist zwar völliger Quatsch, dass Politiker und Medien, wie Pegida gerne behauptet, Probleme bewusst verschweigen oder kleinreden würden, die Migranten verursachen. Wer „Flüchtlinge kann man nicht stoppen“ und „Wir schaffen das“ allerdings für die einzigen Koordinaten im Umgang mit einem Jahrhundertproblem hält, der darf sich über galoppierenden Vertrauensschwund nicht wundern. Sind Bürger schon menschlich unanständig, wenn ihnen der ungebremste Zustrom von Exponenten fremder Kulturen und Religionen Sorgen bereitet – angesichts diverser Erfahrungen, die unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft mit mangelnder Kompatibilität, Feindseligkeit oder Militanz von Zuwanderern gemacht hat? Sind all jene automatisch „rechts“, die die von der Kanzlerin vage beschworene „Wandlung unserer Gesellschaft“ schlichtweg ablehnen? Die eine Ausbreitung von Zuständen, wie sie in gewissen Berliner Straßenzügen und manchen Innenstädten jetzt schon herrschen, unbedingt verhindern wollen?

Derlei Ängste sind kein Alleinstellungsmerkmal rechtsgewirkter Wutbürger; sie zirkulieren quer durch die Gesellschaft. Dieses wirkungsmächtige Potenzial zu ignorieren und der AfD zu überlassen, kann die Volksparteien teuer zu stehen kommen – auch wenn Pegida & Co. zum Glück niemals auf breiter Front salonfähig werden dürften

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