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Da schaute er doch ein bisschen bedröppelt: Markus Söder am Sonntagabend bei "Günther Jauch".

Persönliche Beifall-Dame im Publikum

Markus Söder von Günther Jauch knallhart bloßgestellt

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Berlin - Ein Fettnäpfchen reichte Finanzminister Markus Söder (47, CSU) am Sonntagabend bei "Günther Jauch" offenbar nicht aus. Er tappte gleich in zwei.

Das Thema war "Einmal Soli, immer Soli - bekommt der Staat denn nie genug?". Außer Söder waren Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes und der Stern-Journalist Hans-Ulrich Jörges zu Gast. Es ging also um Geld und Markus Söder schwadronierte munter drauf los. So munter, dass Günther Jauch ihn schon zu Anfang der Sendung darauf hinwies, dass es schön wäre, ein Thema "kurz abzurunden".

Als es schließlich um den Debakel-Flughafen BER in Berlin ging, wurde von Jauchs Redaktion noch ein weiterer Flughafen ins Gespräch gebracht, nämlich der in Nürnberg. Und dieser hat in den vergangenen Jahren vor allem eins gemacht hat: Verluste. 

Um genau zu sein 120 Millionen Euro Verluste, wie ein Einspielfilm dem Zuschauer verriet - der Staat musste dem bayerischen Flughafen 40 Millionen zuschießen. Doch Markus Söder rechtfertigte den Airport in Nürnberg als "wichtig für die starke Wirtschaftsregion Nordbayern".

Jauch gönnt Söder den Triumph nicht

Warum dann aber die hohen Schulden? Söder hatte eine Erklärung. Er bezeichnete die Zeiten als "schwierige Periode", in der einfach geholfen werden müsse. Darauf folgte Applaus - jedoch ein ziemlich verhaltener von einer einzelnen Person aus dem Publikum. Söders - vermeintlich - spontaner Kommentar: "Ein Nürnberger."

Doch Günther Jauch gönnte ihm diesen Triumph nicht. "Das ist ihre Pressesprecherin", sagt er sofort. "Sie hat versucht zu klatschen, aber ihr sind ganz wenige gefolgt. Wenigstens hat sie sich für sie eingesetzt." Danach wirkte Markus Söder tatsächlich einen Moment lang sprachlos. Doch dann legte er in Richtung Jauch nach: "Immerhin, wenn Sie das schon nicht machen, kanns ja mal jemand anderes machen."

Ab diesem Zeitpunkt spätestens wirkte Moderator Jauch vollends genervt. "Sie erwarten, dass ich Ihnen Beifall spende hier in der Runde? Da muss viel passieren."

Söder versuchte noch einmal, die Situation zu retten und sagte zum Moderator: "Sie landen auch mal in Nürnberg." Doch dann sprang ein weiterer Talkgast Günther Jauch zur Seite. Reiner Holznagel bemerkte trocken: "Das wäre dann eine Notlandung." Da wusste dann auch Markus Söder nichts mehr und murmelte nur noch: "Das war jetzt unfair."

Ein Maxi Cosi zur Geburt?

Ein paar Minuten später aber hatte sich der bayerische Finanzminister wieder beruhigt. Beim Thema Länderfinanzausgleich lief er erneut zu Hochform auf und stellte eine waghalsige Behauptung in den Raum: Das Land Berlin bekommt durch den Finanzausgleich so viel Geld, sagte er, dass es jungen Eltern bei der Geburt eines Kindes einen Maxi Cosi schenken kann.

Günther Jauch konnte die Geschichte offenbar nicht glauben. Er hakte nach und ließ sie über seine Redaktion checken. Und die fand bis zum Ende der Sendung heraus: Stimmt nicht. Jauch erklärte: Es gab mal vereinzelt einen Tragesitz für Eltern in Berlin. Doch dafür sei nicht das Land Berlin verantwortlich, wie von Söder behauptet, sondern eine privatwirtschaftliche Initiative.

Die Fettnäpfchen waren also ziemlich groß, die am Sonntagabend für Markus Söder bereitgestanden waren. Der Finanzminister ist eloquent, redet für gewöhnlich viel und gerne. Doch sein Auftritt in Berlin ließ ihn am Schluss dann doch ein wenig bedröppelt erscheinen.

pak

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