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Wer wird nächster Spitzenkandidat? Ludwig Hartmann oder Margarete Bause.

Spannende Personalien

Personal-Puzzle bei Bayerns Grünen

München - Bayerns Grüne stehen vor einem Zweikampf um den Parteivorsitz: Markus Büchler und Eike Hallitzky wollen im Oktober die Nachfolge von Dieter Janecek antreten. Es ist nicht die einzige spannende Personalie der Ökopartei.

Drei Stunden lang hatten die Kontrahenten in Starnberg intensiv diskutiert – dann stiegen sie einträchtig in die S-Bahn. Markus Büchler und Eike Hallitzky tingeln derzeit durch ganz Bayern: Jeder will die Grünen-Basis davon überzeugen, der bessere Kandidat für den Landesvorsitz zu sein. Bald stehen Termine in Memmingen, Erding oder Rosenheim an. Doch für echte Rivalität verstehen sich die beiden viel zu gut. „Es ist fast ein wenig schade, dass wir gegeneinander antreten“, sagt Büchler . Nach der Veranstaltung in Starnberg plauschten sie bis München – dann stieg Hallitzky in den Zug nach Niederbayern, Büchler nahm die S1 in Richtung Oberschleißheim. Man sieht sich!

Am 18. Oktober wählen Bayerns Grüne einen neuen Parteichef. Dieter Janecek, seit 2010 im Amt, mag nicht mehr: Bundestag und Bayern sind schwer unter einen Hut zu bringen. Zur Wahl stehen nun zwei Kandidaten mit unterschiedlichen Lebensläufen: Hier der erfahrene Hallitzky (55), der im Herbst nach zehn Jahren als Abgeordneter aus dem Landtag flog. Dort der 40-jährige Büchler, bislang nur kommunalpolitisch aktiv, aber ökologischer Überzeugungstäter. Seinen Urlaub verbringt der Familienvater schon mal in Tschernobyl und Fukushima, um sich die Folgen atomarer Katastrophen aus der Nähe anzusehen und später darüber Vorträge zu halten. Während Hallitzky sich als sachkundigster Kritiker im Landesbankskandal profilierte und über ein Netzwerk zum Münchner Politikbetrieb verfügt, hat Büchler in Toni Hofreiter einen prominenten Fürsprecher. Büchler kennt den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion schon aus Zeiten in der Grünen Jugend im Landkreis München. Heute ist er nebenberuflich sein Mitarbeiter.

Thematisch wird die Suche nach Unterschieden schon schwieriger: „Wir gehören keinem der Flügel an“, sagt Eike Hallitzky. „Die gibt es in Bayern ja nicht.“ Kein Realo also, kein Fundi. Beide plädieren nach den Wahlschlappen des Vorjahres für eine Konzentration auf grüne Kernthemen wie Umweltschutz und Energiewende, beide mahnen Strukturreformen im Landesverband an. Beide würden auch den anderen wählen.

In der Partei heißt es, die Kandidaten agierten auf Augenhöhe. Einige sehen Büchler leicht vorne. Doch egal wer gewinnt: Für die Grünen bedeutet das Personaltableau ein Experiment. Mit Sigi Hagl als Nachfolgerin der beliebten Theresa Schopper ist schon jetzt eine Kommunalpolitikerin am Ruder, die zwar viel in der Partei unterwegs ist, öffentlich aber kaum in Erscheinung tritt. Nun wird auch der männliche Teil der Doppelspitze mit einem Kandidaten ohne Mandat besetzt. In der Außenwahrnehmung drohen Probleme.

Von Janecek können die beiden da eine Menge lernen. Der Münchner war der erste hauptamtliche Parteichef. Knapp 70 000 Euro brutto im Jahr zahlten die Grünen dafür, dass Janecek mit dem Zug kreuz und quer durch Bayern pflügte. Für den 38-Jährigen hat sich das gelohnt: Nicht einmal ein Jahr nach seinem Einzug im Bundestag hat seine Stimme bundesweit Gewicht. Immer öfter taucht der Realo Janecek in der „Tagesschau“, in Nachrichtenmagazinen oder überregionalen Zeitungen auf. Schon vor seiner Kandidatur hatte er begonnen, sich mit Verbänden, Journalisten und Politikern zu vernetzen. Zudem sicherte er sich mit Wirtschaft und Digitalisierung zwei Themenbereiche, auf denen die Grünen als Opposition punkten können. Gut möglich, dass Janecek mittelfristig in Berlin Karriere macht.

In Bayern dürfte eine medial schwache Parteispitze das Machtgefüge erst einmal in Richtung Fraktion verschieben. Weder Sigi Hagl noch einer der beiden Bewerber kommen für eine Spitzenkandidatur bei den Landtagswahlen 2018 in Frage. Das erhöht vor allem die Chancen des Fraktionsvorsitzenden Ludwig Hartmann. Der ambitionierte Landsberger hat sich mit seiner Kollegin Margarete Bause zusammengerauft – parteiintern wird die Arbeit der Fraktionsspitze überwiegend positiv beurteilt.

Die Frage wird natürlich erst 2017 entschieden. Aber Hartmann hat gute Chancen, dann noch im Amt zu sein. Er ist deutlich besser vernetzt als sein Vorgänger, der Einzelkämpfer Martin Runge. Aus der zweiten Reihe drängen sich keine Kandidaten auf. Ob dagegen Margarete Bause 2017 noch Ambitionen hegt, bleibt offen. Immer wieder wird spekuliert, sie könne zur Halbzeit der Legislatur einen Generationswechsel einleiten.

Die beiden Kandidaten für den Vorsitz zieht es jedenfalls nicht ins Maximilianeum. Hallitzky will höchstens für „ein anderes Parlament“ kandidieren. Und Büchler legt sich fest: „Wenn ich gewählt werde, will ich mich allein auf den Vorsitz konzentrieren.“

Mike Schier

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