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Führungsduo: Landeschef Pronold will wieder antreten. Generalsekretärin Kohnen wird als Nachfolgerin gehandelt.

Basis murrt

Personaldebatten in der Bayern-SPD: Wird Pronold abgelöst?

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Bleibt Florian Pronold Landesvorsitzender? In der Bayern-SPD rumort es – Immer öfter wird die Führungsfrage gestellt. Beim Parteitag im Mai könnte er abgelöst werden, auch wenn er das nicht will.

München – Anfang Februar geht der Vorstand der Bayern-SPD in Klausur – und seit Wochen wird über den Vorsitzenden diskutiert. Eine irgendwie bekannte Konstellation? Richtig. Der SPD-Bundesvorstand tagt schon an diesem Wochenende. Die langen Diskussionen um den Vorsitzenden Sigmar Gabriel gingen aber schon am Dienstag mit einem Knalleffekt zu Ende: Gabriel trat zurück, Martin Schulz übernimmt. Der Vorstand soll das nun absegnen. Und die Landespartei?

Auch in der Bayern-SPD spitzt sich die Lage immer stärker zu. Eigentlich will Landeschef Florian Pronold sich auf dem Parteitag in Schweinfurt im Mai noch einmal wählen lassen. Doch intern rumort es immer heftiger. Die Basis murrt nach der katastrophalen 14-Prozent-Umfrage. Und wenn die Zeichen nicht trügen, halten auch Abgeordnete es nicht für ausgeschlossen, dass es zu einem Wechsel kommt. Aufbruchstimmung im Bund – und in der Landespartei alles so lassen, wie es ist? Das wäre das falsche Signal, meint einer.

Landtagsfraktion will Personaldebatte transparent führen

Aber wie in die Diskussion kommen? Gestern tagte die Landtagsfraktion. Keine hintenrum geführten Personaldebatten, so das gegenseitige Versprechen. Das war auch der Tenor der jüngsten Klausur im Kloster Irsee gewesen. „Wenn es Kritik gibt, dann bitte mit offenem Visier“, fordert Generalsekretärin Natascha Kohnen. Noch gibt es aber niemanden, der den Angriff anführen würde. Als Königsmörder will keiner dastehen. „Wer jetzt den Kopf herausstreckt, der wird einen Kopf kürzer gemacht“, meint einer hinter vorgehaltener Hand.

Im münchen.tv-Video: Eisige Zeiten für die SPD: Druck auf Pronold wächst 

Die Diskussion dürfte damit aber nicht beendet sein. Auch Personalfragen müsse die SPD „strategisch“ entscheiden, meint der Nürnberger Arif Tasdelen. „Es kommt nicht darauf an, was sich jemand zutraut, sondern, was für die Partei am Besten ist.“ Die Partei müsse „alles diskutieren, was dazu beiträgt, dass die SPD in Bayern Erfolg hat“, sagt der Münchner Florian von Brunn. „Da darf es keine falsche Rücksichtnahme geben.“ Das klingt zumindest nicht nach bedingungsloser Unterstützung für Pronold.

Natasha Konen gilt als potentielle Nachfolgerin

Bisher galt die rasche Ablösung des Landeschefs auch als unwahrscheinlich, weil bereits feststeht, dass er die Liste für die Bundestagswahl anführt. Doch nicht jeder sieht das als Garantie zur Wiederwahl. Der entscheidende Mann im Wahlkampf sei Martin Schulz – auch in Bayern. Kaum einen Wähler interessiere, wer die Landesliste anführt. Als mögliche Nachfolgerin gilt Generalsekretärin Natascha Kohnen. Fraktionschef Rinderspacher hat abgewunken. Er stehe „nicht zur Verfügung“, sagt er.

Pronold stemmt sich allerdings heftig gegen eine Ablösung. In der Partei seien „Heckenschützen unterwegs, die dem Vorstand über Zeitung und Facebook anonym mitteilen, was alles nicht geht“, kritisiert er in der „Augsburger Allgemeinen“ „Das macht die SPD kaputt.“ Er wolle sich den Mitgliedern in Konferenzen stellen. Die Lage müsse man „schonungslos“ analysieren.

Doch gerade von der Basis könnte Pronold die größte Gefahr drohen. Beim Parteitag 2015 nahm ihm das unbekannte Abensberger Partei-Urgestein Walter Adam mit einer Gegenkandidatur ein Drittel der Stimmen ab. Dessen Initiative „Zeit für die Mutigen“ wolle wieder einen Gegenkandidaten aufstellen, raunt man in der Partei. Ein Schreckensszenario, heißt es. „So etwas können wir uns nicht ein zweites Mal leisten.“

Die Sozialdemokratie hat es schwer in Bayern, die Umfragewerte sind schlecht. Wird mit Martin Schulz als Kanzlerkandidaten alles besser? Die Basis sagt: Beim Wahlkampf in Oberbayern geht’s um andere Dinge.

snacktv

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