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Protest gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat (Archivbild). In der EU gibt es noch immer keine Einigung. 

EU vertagt Entscheidung

Fünf Fragen - fünf Antworten: Darum geht‘s im Streit um Glyphosat

Noch immer ist keine Einigung im Streit um das Pestizid Glyphosat in Sicht. In der EU wurde eine Entscheidung vertagt. Darüber streiten die Europapolitiker konkret.  

Brüssel - Der zuständige EU-Fachausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel hat eine Entscheidung über die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat vertagt. Das Gremium, in dem Experten aller 28 Mitgliedsstaaten sitzen, stimmte am Mittwoch in Brüssel nicht ab, wie die EU-Kommission mitteilte. Stattdessen soll in den nächsten Wochen erneut beraten werden. Für eine Entscheidung braucht es eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 16 Staaten, die für 65 Prozent der EU-Bevölkerung stehen. 

Wenn es zu keiner Abstimmung kommt, wäre letztendlich die EU-Kommission am Zug. Sie hatte schon 2016 wegen einer fehlenden Einigung der Mitgliedstaaten beschlossen, die Zulassung nochmals anderthalb Jahre zu verlängern. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte danach kritisiert, dass seine Behörde den Schwarzen Peter zugeschoben bekomme, wenn die Mitgliedstaaten nicht entscheiden wollten.

Eine Mehrheit des EU-Parlaments will das Pestizid Glyphosat bis 2022 von den Äckern verbannen. Damit soll den Landwirten eine fünfjährige Frist zur Entwicklung von Alternativen gegeben werden. Wir erklären hier noch mal, worum es in dem Streit überhaupt geht: 

1. Was ist Glyphosat überhaupt? 

Glyphosat ist ein chemischer Wirkstoff in unterschiedlichen Pflanzenschutzmitteln und dient als sogenanntes Herbizid der Unkrautvernichtung. Es kommt weltweit seit Jahrzehnten zum Einsatz und wird unter verschiedenen Namen von verschiedenen Firmen vermarktet. Es gilt als eines der meistverkauften Pflanzenschutzmittel. 

2. Wie und warum wird Glyphosat eingesetzt? 

Glyphosathaltige Mittel sollen die Äcker von unerwünschten Unkräutern freihalten. Sie hemmen ein für das Pflanzenwachstum wichtiges Enzym. Europäische Bauern nutzen es unter anderem beim Anbau von Getreide, Raps, Wein, Oliven oder auch Zitrusfrüchten. Der Vorteil für Landwirte liegt auch in Zeit- und Kostenersparnissen: Felder müssen nicht mehr umgepflügt werden. Hersteller und Bauern verweisen daher auch darauf, dass Glyphosat der Bodenerosion entgegenwirkt. 

3. Warum gibt es Streit um Glyphosat? 

Kritiker warnen, dass Glyphosat krebserregend sein könnte. Häufig verwiesen wird auf einen Bericht der zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC). Sie hatte im März 2015 erklärte, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen" sei. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) kamen dagegen zu einem gegenteiligen Schluss. 

4. Warum muss über die weitere Zulassung von Glyphosat entschieden werden? 

Die bisherige Zulassung von Glyphosat in der EU läuft am 15. Dezember aus. Die EU-Kommission wollte ursprünglich eine Verlängerung um weitere zehn Jahre. Das EU-Parlament forderte in einer Resolution vom Dienstag dagegen eine letztmalige Zulassung für nur noch fünf Jahre. Danach soll Glyphosat verboten werden. Die Kommission schlug darauf eine "Erneuerung" der Zulassung um lediglich fünf bis sieben Jahre vor - legte sich aber nicht auf ein Verbot nach dieser Frist fest. 

5. Könnte Deutschland die Anwendung von Glyphosat alleine verbieten oder die Nutzung weiter einschränken? 

Ja. Die EU-Kommission verweist darauf, dass die Mitgliedstaaten immer die Möglichkeit haben, auf ihrem Territorium Pflanzenschutzmittel mit Glyphosat zu verbieten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte die Nutzung 2014 eingeschränkt: Demnach dürfen glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel innerhalb eines Kalenderjahres auf der derselben Fläche nur noch maximal zwei Mal eingesetzt werden. Dabei dürfen nicht mehr als 3,6 Kilogramm Wirkstoff pro Hektar und Jahr ausgebracht werden. Jedoch gibt es keinen Konsens unter den Parteien. In der noch amtierenden Bundesregierung ist Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gegen eine Verlängerung des Einsatzes von Glyphosat, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dafür. 

dpa/AFP

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