Pete Buttigieg hat schon zu Beginn der Vorwahlen in den USA die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
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Pete Buttigieg hat schon zu Beginn der Vorwahlen in den USA die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Ein Anti-Trump

Pete Buttigieg: Wer ist der Hoffnungsträger der US-Demokraten?

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Pete Buttigigeg war ein Shooting-Star der Demokraten bei den Vorwahlen in den USA 2020. Er ist jung, offen Homosexuell und in vielen Dingen ein Anti-Trump.

  • Pete Buttigieg gilt als ein Hoffnungsträger der US-Demokraten.
  • Im Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl 2020 inszeniert er sich als „Anti-Trump“.
  • Kritiker werfen ihm vor, nicht so progressiv zu sein, wie er sich gibt.

Des Moines, Iowa - Pete Buttigieg war nicht nur der jüngste Kandidat der Demokraten bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahl 2020, er ist auch der erste offen homosexuelle Kandidat in der Geschichte der Partei. Für viele gilt er als das Gegenstück zu Donald Trump: gebildet, belesen, ruhig und besonnen. Buttigieg ist der Sohn eines Einwanderers aus Malta, sein Vater kam in den 70er-Jahren in die USA, um dort zu studieren. Beide Eltern sind Professoren an der University of Notre Dame.

Seine Heimatstadt, South Bend, liegt in Indiana. Dort befindet man sich im viel zitierten „Rust Belt“ der USA: Hier konnte Trump besonders viele stimmen abgreifen. Er lieferte den Menschen Sündenböcke für den Niedergang ihrer früheren Industriestandorte: die Eliten, die Immigranten und die Medien. Und er machte ihnen Hoffnung mit seinem Slogan „Make America Great Again“. Für Pete Buttigieg waren diese Umstände vielleicht sogar eine Hilfe dabei, sich deutlich gegen Trump zu positionieren.

Pete Buttigieg ist Veteran und offen homosexuell

Was einem Politiker in den USA immer gut steht: Pete Buttigieg ist Veteran, war sechs Monate als Soldat in Afghanistan. Er ist jung, smart und aufstrebend. Das kam bei den US-Vorwahlen der Demokraten gut an. Doch es ist nicht alles Gold; sehr gegensätzliche Meinungen kursierten im politischen Diskurs um Buttigiegs‘ Kandidatur: „Es ist Zeit für einen homosexuellen Präsidenten“,  besagten die einen, „nicht noch ein weißer, privilegierter Mann aus der Oberschicht“ die anderen.

Bei den ersten Vorwahlen in Iowa konnte sich Pete Buttigieg überraschend gegen die Favoriten Bernie Sanders und Joe Biden durchsetzen. Auch unter den weiteren Kandidaten der Demokraten waren prominente Politiker aus der ersten Reihe, die an diesem Tag das Nachsehen hatten. Bei der US-Wahl 2020 gehen vier Kandidaten aus unterschiedlichen Parteien ins Rennen.

Pete Buttigieg will vom Bürgermeister direkt zum US-Präsidenten werden.

Plötzlicher Hype um Pete Buttigieg

Die Aufmerksamkeit der großen Medien hatte er sicher: Mit Ehemann Chasten Glezman kam er auf den Titel des Time-Magazins. Die Vogue schrieb ein Feature über ihn und natürlich war er in allen großen Abendshows der USA, von Jimmy Fallons Tonight Show über die Daily Show mit Trevor Noah und bei Ellen DeGeneres zu Gast. Dass er der erste homosexuelle Kandidat ist, macht die Menschen neugierig. Aber man kann ihm nicht vorwerfen, seine Sexualität im Wahlkampf zu instrumentalisieren: Geoutet hat sich der junge Mann schon 2015, damals noch als Bürgermeister seiner Heimatstadt South Bend, Indiana. 

Pete Buttigieg: Top-Student und Bürgermeister

Geboren wurde Pete Buttigieg am 19. Januar 1982 in South Bend, Indiana. Nach dem High-School-Abschluss besuchte er das Harvard College und erhielt seinen einen Bachelor in Geschichte und Literatur.  Danach ging es für ihn mit einem Rhodes-Stipendium ans Pembroke College in Oxford, wo er Philosophie, Politik und Wirtschaft studierte. 2012 wurde er mit gerade einmal 29 Jahren zum Bürgermeister seiner Heimatstadt South Bend gewählt und war damit gleichzeitig der jüngste jemals gewählte Bürgermeister einer US-Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Zwei Amtsperioden legte er ab, bevor er im Januar 2019 nicht mehr zu Wiederwahl antrat. Buttigieg hatte da schon andere Pläne: Im Januar 2019 gab er bekannt, dass er für das Amt des amerikanischen Präsidenten kandidieren will.

Sein Coming-Out hätte Buttigieg sich früher gewünscht

2018 heiratete Buttigieg den Lehrer Chasten Glezman. Sein Ehemann unterstützt ihn im Wahlkampf. Sein „Coming-Out“ hatte Buttigieg erst im Alter von 33 Jahren. Eigentlich recht spät in der heutigen Zeit. So sieht er es auch selbst: „Es brauchte Jahre des Kampfes und des Wachstums, bis ich erkannte, dass es nur eine Tatsache des Lebens ist, ein Teil von mir, wie braune Haare zu haben.“ schrieb er in seiner Coming-Out-Kolumne in der Tageszeitung seiner Heimatstadt, dem South Bend Tribune. Er sah die Zeit gekommen, nachdem er 2014 als Soldat in Afghanistan war und realisierte: Er könnte sterben ohne jemals geliebt zu haben. Und er bereut die Offenbarung seiner Homosexualität nicht. Am Tag der Eröffnung seiner Präsidentschaftskampagne sagte er, er stelle sich vor zu seinem Teenager-Ich zu sprechen: „Ihm zu sagen, dass er an diesem Tag seinen Wahlkampf für die Präsidentschaft ankündigt, zusammen mit seinem Mann, würde er mir glauben?"

Ob er eines Tages wirklich Präsident wird oder nicht, ob er die LGBT-Community hinter sich versammeln kann oder nicht, ein Meilenstein ist schon seine Kandidatur. Ähnlich formuliert es auch dieser User auf Twitter: „Ob er eurer Kandidat ist oder nicht, das ist ein denkwürdiger Moment in der LGBT-Geschichte.“ 

Pete Buttigieg erhält ausgerechnet Kritik aus der Heimatstadt

Im Lärm des Hypes tönten aber auch schnell kritische Stimmen durch, allen voran jene aus seiner Heimatstadt South Bend. Hier setzte er zur Revitalisierung der Stadt harte Programme durch, wie seine „1000 Grundstücke, 1000 Tage“-Initiative. Er stellte den Eigentümern leerstehender Häuser ein Ultimatum: entweder auf eigene Faust instandsetzen oder das Haus der Stadt schenken. Das sorgte für einige Probleme, denn manchen Besitzern, vor allem Afroamerikanern, fehlte dazu schlichtweg das Geld, berichtet die ZEIT.

Stimmen aus der Community hielten Buttigieg bei seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur für einen privilegierten Weißen, der sich nie mit den Problemen der ärmeren Bevölkerung auseinandergesetzt habe: "Er hat sich nie die Mühe gemacht, seine Klasse zu verlassen. Er hat keine Verbindung zu armen Menschen und People of Color.", sagte Jorden Giger, in South Bend geboren und als Community Organizer tätig, gegenüber der ZEIT. Die einseitig positive Berichterstattung über Buttigieg schmeckte ihm gar nicht: "Was viele Medien nicht kapieren wollen: Nur weil einer jung ist, bedeutet es nicht, dass er progressive Politik macht."

Hat Buttigieg überhaupt ein politisches Programm?

Einer der Vorwürfe gegen Buttigiegs Programm lautete, dass er keines habe. Viele seiner Ziele blieben in der Tat schwammig. Er redete vom Genrationenwechsel und Werten: "Im Moment, glaube ich, sollten wir unsere Werte und philosophischen Standpunkte artikulieren, um daraus dann Politik zu entwickeln", sagte Buttigieg in einem Interview mit Vice. "Manchmal wirkt es so, als seien Buttigiegs Werte das Wort ‚Werte‘", äußerte sich der Schriftsteller und Politk-Kommentator Nathan J. Robinson im Polit-Magazin Current Affairs zu Buttigiegs vermeintlich schwammigen Thesen. Aber dennoch, mit ein bisschen Recherche stößt man auf einige klare und einige zumindest deutlich richtungsweisende Aussagen:

Zum Klimawandel sagt er, die USA müssen die Richtung umkehren, in die sie steuerten. Es sei höchste Zeit. Den Kampf gegen den Klimawandel sieht er als Generationenprojekt sowie als nationale Aufgabe. Darüber hinaus müssten die USA die Welt bei diesem Thema anführen. Die Gesetzte zur Immigration in die USA wollte Buttigieg reformieren. In den USA lebten seiner Ansicht nach viel zu viele nicht registrierte Ausländer, die teilweise sogar Steuern zahlten, aber keine reale Chancen hätten, die Staatsangehörigkeit zu erlangen. Das wollte er ändern - und man merkt schnell - anders als Trump sah er diese Menschen mehr als Chance denn als Last. Klar geäußert hat er sich auch zur Todesstrafe: Er hält nichts von ihr.

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