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Peter Marki-Zay: Alle Infos zum Orbán-Gegner bei der Ungarn-Wahl 2022

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Peter Marki-Zay
Peter Marki-Zay © Valeria Mongelli / IMAGO

Der Herausforderer von Viktor Orbán bei der Ungarn-Wahl 2022 ist kein gelernter Politiker, sondern stieg über Umwege in seine jetzige Position ein. Wissenswertes über Peter Marky-Zays Karriere.

Budapest – Der am 9. Mai 1972 in Hódmezővásárhely geborene Peter Marky-Zay wird im Frühjahr als gemeinsamer Spitzenkandidat der ungarischen Opposition bei der Parlamentswahl den rechtskonservativen Regierungschef Viktor Orbán herausfordern. Im Oktober 2021 gewann der 49-jährige Parteilose eine von der Opposition organisierte Vorwahl mit deutlichem Vorsprung vor seiner sozialdemokratischen Rivalin Klara Dobrev. Demnach kam Marki-Zay auf 56,71 Prozent der Stimmen und Dobrev auf 43,29 Prozent. Der liberalkonservative und proeuropäisch eingestellte Politiker ist seit 2018 Bürgermeister von Hodmezovasarhely, einer früheren Hochburg der Regierungspartei Fidesz. Von Politikwissenschaftlern wird er immer wieder gerne als „politischer Außenseiter“, „Anti Establishment-Kandidat“, manchmal sogar als „der ungarische Trump“ bezeichnet. Bei der Wahl am 3. April 2022 halten Experten Peter Marki-Zay, der sich oft kein Blatt vor den Mund nimmt, für einen ernst zu nehmenden Gegner Orbáns.

Peter Marki-Zay – seine Karriere

Márki-Zay ist nach eigenen Angaben Christ und Konservativer und wuchs gemeinsam mit zwei Brüdern in einer religiösen Familie in Hódmezővásárhely auf, vertritt deswegen heute ein klassisch-konservatives Familienbild. Die Mutter ist Chemikerin und der Vater Physiklehrer. Sein Urgroßvater war der Direktor des reformierten Gymnasiums in Hódmezővásárhely. Er studierte Marketing an der Budapester Wirtschaftshochschule, Wirtschaftswissenschaften an der Corvinus-Universität Budapest und Elektrotechnik an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest. Márki-Zay beschreibt sich selbst als Historiker, Wirtschaftswissenschaftler, Marketingspezialist und Elektroingenieur, der von 2004 bis 2009 in Kanada und den USA gelebt hat und nach fünf Jahren Arbeit im Ausland in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist. Nach seiner Rückkehr arbeitete er zunächst bei der Elektrizitätsgesellschaft in Szeged. Er war für die strategische Planung und später für das Kundendienstmanagement zuständig. Bis 2014 lehrte er Non-Profit- und Business-Marketing-Themen an der Universität Szeged.

Peter Marki-Zay – seine politischen Anfänge

In die Politik stieg er erst 2018 ein. Damals gewann er überraschend die Bürgermeisterwahl in Hodmezövasarhely. Obwohl er die Unterstützung der ungarischen Opposition hat, steht hinter Márki-Zay keine große Bewegung – oder zumindest keine politische Partei: Márki-Zay kandidiert als Aushängeschild für eine Koalition aus sechs politischen Parteien, von Umweltschützern über Sozialdemokraten bis hin zu rechtsextremen und zentristischen Konservativen. Er gründete die Organisation „Ungarn für alle“ (Mindenki-Magyarországa-Bewegung), um bei den Kommunalwahlen 2019 als Bürgermeisterkandidat anzutreten und den Wahlsieg von 2018 zu wiederholen. Nach eigenen Angaben hat „Ungarn für alle“ nur 6.000 Mitglieder. Das Symbol der vereinigten Opposition ist eine blaue Schleife.

Peter Marki-Zay – die Widerstände gegen seine Wahl

Nachdem er 2018 vor der Bürgermeisterwahl in Hodmezövasarhely in der lokalen Presse nicht zu Wort kam und ihm in mehreren Fällen ein Veranstaltungsort verweigert wurde, setzte Peter Marki-Zay seine Kampagne hauptsächlich über Social Media und Flugblätter fort. Während der Kampagne gegen ihn wurde er öffentlich vom Pfarrer seiner eigenen Kirche angefeindet. Er musste an seinen Ständen und wenn er Referenzen sammelte, von der Polizei bewacht werden. Seine Gegner versuchten seine Wahl zum Bürgermeister zu verhindern, indem sie Aussagen wie diese verbreiteten: Dass er das Krankenhaus schließen würde, Menschen hängen würden, oder dass er eine Moschee bauen werde. Einige Tage vor der Wahl wurden auch an alle Haushalte ein Flugblatt mit einer Liste seiner Anhänger verteilt, um sie einzuschüchtern.

Peter Marki-Zay – seine Chancen bei der Wahl

Peter Marky-Zay ist bekennender Katholik, Vater von sieben Kindern und noch dazu Konservativer aus dem ungarischen Tiefland. Damit, so ungarische Politikwissenschaftler, kann er sowohl konservativ eingestellte Wähler auf dem Land als auch eher linke Wähler der Großstädte ansprechen, da sich sein Konservativismus und Weltoffenheit, Toleranz und Kompromissfähigkeit nicht widersprechen. Fragt man nach Marky-Zay nach seinem Herausforderer Viktor Orbán, bekommt man oft Antworten wie diese: „Orbán ist kein Migrationsgegner. Orbán ist kein Christ. Orbán ist kein Konservativer. Orbán ist nur ein Dieb.“ Mit Aussagen wie diesen punktet Peter Marki-Zay vor allem bei jungen Wählern. Interessant ist, dass Orbán ein Politiker ist, der einst auch von Marki-Zay gewählt wurde. „Ich hielt ihn für einen großen Konservativen und unterstützte ihn von ganzem Herzen.“ Von dieser Meinung ist Peter Marky-Zay längst abgekommen: „Viele merken, jetzt gibt es eine realistische Chance, kein Wechsel nach rechts oder links, sondern: aufwärts.“

Peter Marki-Zay – seine politischen Ansichten

Die Politik Peter Marki-Zays steht für die Gleichberechtigung sämtlicher Mitglieder Gesellschaft. „Egal, ob jemand links oder rechts, hetero oder homosexuell, Roma oder Jude ist.“ Trotzdem befürwortet Marki-Zay – wie auch Viktor Orbán - eine harte Politik gegen illegale Migration. Vorbild sind dabei die USA, wo Marky-Zay einige Jahre gelebt hat. Wie Orbán will auch Marki-Zay großzügig Familien fördern. Wie der Protestant Orbán spricht auch der Katholik Marki-Zay gerne über seine christlichen Werte. Sein Unterschied zu Orbán findet sich im Detail: Marky-Zay findet es inakzeptabel, wie Orbán versucht, die Demokratie auszuhebeln und die Medien zu unterdrücken. Eine seiner Wahlversprechen, sollte er gewählt werden, lautet: „Wenn wir das Grundübel Korruption ausrotten, dann können wir die anderen Probleme des Landes leicht lösen.“ Trotz seiner charismatischen Ausstrahlung gibt es in Ungarn aber auch schon Meinungen, dass er manchmal mit seinen Aussagen und drastischen Vergleichen über das Ziel hinausschießt. Etwa damit: „Die Fidesz-Propaganda erinnert an die Kommunisten oder die Nazis. Goebbels wäre stolz auf Viktor Orbán.“ Seine Antwort auf Kritiker lautet: Derartige Vergleiche wären nötig, weil man ohne kontroverse Aussagen in Ungarn nicht gehört werden würde.

Peter Marki-Zay – sein Privatleben

Peter Marki-Zay ist mit seiner früheren Schulkollegin Felícia Vincze verheiratet und Vater von sieben Kindern. Im Jahr 2004 beschlossen er und seine Frau, mit ihren Kindern nach Kanada zu ziehen. In Toronto nahm er eine Stelle als Marketingmanager bei einem großen Autoteilehändler an. Um seiner Frau die Ausbildung zur Hebamme zu ermöglichen, zogen sie später in die Vereinigten Staaten, wo Márki-Zay Vorstandsmitglied einer gemeinnützigen Organisation für die Entwicklung von Arbeitskräften an ihrem Wohnort wurde. Als sie nach fünf Jahren nach Ungarn zurückkehrten, wurde er zum Leiter der strategischen Planung bei der Elektrizitätsgesellschaft von Szeged, dann zum Leiter des Kundendienstes und schließlich zum Leiter des Marketings und der Inlandslogistik bei Legrand Hungary gAG. ernannt. In der Zwischenzeit unterrichtete er an der Szegeder Universität Non-Profit- und Business-Marketing.

Ungarn-Wahl 2022 bei Merkur.de

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