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Frauke Petry sieht klare Unterschied zwischen AfD und „Blauen“ - vor allem in der Wirtschaftspolitik

Neue Partei

„Bundesweite CSU“: Petry erklärt Unterschied zwischen AfD und „Blauen“

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In einem Interview erklärt Frauke Petry den Kurs ihrer neuen Partei „Die Blauen“: Sie wolle an einer wirtschaftsorientierten Politik festhalten - anders, als die AfD, sagt Petry.

Leipzig - Es war ein heftiger Paukenschlag - mitten in die Feststimmung der frisch in den Bundestag gewählten AfD: Wenige Stunden nach dem Wahlabend trat Frauke Petry aus der Partei aus. Die frühere Ikone der Rechtspopulisten will im Bundestag nun ein eigenes Projekt vorantreiben, die frisch gegründete „Blaue Partei“. In einem Interview mit der Freien Presse hat Petry nun einige programmatische Eckdaten der „Blauen“ verraten - und auch nochmal einige Seitenhiebe in Richtung der früheren Parteifreunde ausgeteilt.

Was führt Petry mit ihrer neuen Partei also im Schilde? Ein Überblick:

Petrys Zielpunkt: Eine „bundesweite CSU“ im Macron-Gewand

Parteien sind out - „Bewegungen“ in. Unter diesem Label hatten Emmanuel Macron in Frankreich und Sebastian Kurz in Österreich Wahlsiege eingefahren. Petry will sich diesen Trick zu Nutze machen - und ein „Bürgerforum“ schaffen. Macron und Kurz eine „die Erkenntnis, dass Bürger von den großen Volksparteien so frustriert sind, dass sie ihr Vertrauen nicht mehr in diese alten Institutionen setzen. Deshalb haben sie sich lockerer Organisationsformen bedient“, erklärte sie.

Unter dem neuen Etikett will die Ex-AfD-Chefin nach eigenen Angaben auf „klassische konservative Inhalte“ setzen. Sie verglich ihr Projekt mit der CSU. „Wenn man es nicht schafft, dieses eine Drittel an konservativem Wählerpotenzial zu erreichen, dann wird man etwas wie eine bundesweite CSU nicht aufbauen können“, sagte Petry in dem Interview.

Weiter gegen den Mindestlohn: Die Unterschiede zur AfD

In durchaus bemerkenswerter Wortwahl stellte Petry die politischen Differenzen zur AfD klar - und hob dabei vor allem wirtschaftspolitische Fragen hervor. „Die AfD wandelt sich unter Höckes und Gaulands Einfluss zu einer sozialpatriotischen Partei - wenn man es vorsichtig formuliert“, erklärte Petry. Das geschehe, indem „Kernfelder einer konservativen und wirtschaftsorientierten Politik, etwa die Ablehnung eines Mindestlohnes, aufgegeben werden.“

Härter rechnete Petry mit den internen AfD-Strukturen ab. Viele Funktionäre hätten sich nicht „stringent einem konstruktiven Ziel verschrieben“, hätten „Unwillen“ gezeigt, „Führung anzunehmen“ - und seien zu tolerant gegenüber „abseitigen Äußerungen“ gewesen, rügte Petry. Letzteres offensichtlich eine Anspielung unter anderem auf Björn Höckes höchst kontroverse Äußerungen. Petry hatte allerdings wiederholt selbst mit provokanten Thesen oder Begriffen für Aufsehen gesorgt, unter anderem mit einem Vorstoß für eine Rehabilitierung des Wortes „völkisch“. Formulierungen wie „rechtsextrem“ oder „radikal“ vermied Petry bei der Einordnung der „abseitigen Äußerungen“ ihrer früheren Parteifreunde in dem Interview aber.

Von der AfD will sich Petry nun offenbar dennoch bewusst distanzieren, um größere Wählergruppen anzusprechen. „Eine neue oder zweite AfD hätte es aufgrund des verbrannten Images schwer, gesellschaftlich Fuß zu fassen“, sagte Petry: „Wir müssen breitere Kreise ansprechen.“ Mit einer organisatorischen Aufteilung in ein vorgeschaltetes „Bürgerforum“ und eine „Partei“ wolle man bei den „Blauen“ künftig die Mitglieder stärker filtern als bei der AfD.

Doppelmandat und Blitz-Austritt: Das sagt Petry zur Kritik an ihrem Vorgehen

Kritik an ihrem schnellen Ausstieg aus der AfD nach der erfolgreichen Wahl und ihrem Doppelmandat im Bundestag und im sächsischen Landtag wies Petry zurück.

Bis kurz nach der Wahl in der AfD zu bleiben, sei ihr schwer gefallen, erklärte Petry. „Mir ging es darum, eine neue Oppositionspartei in den Bundestag zu bringen, von der ich glaube, dass dieses Land sie braucht.“ Benutzt habe sie die AfD für den Einzug in den Bundestag nicht, betonte Petry. Eher liege die Sache umgekehrt: „Man kann trefflich darüber spekulieren, was ein früherer Rückzug für das Wahlergebnis bedeutet hätte.“

Auch Zweifel an der Vereinbarkeit der Mandate in Berlin und Dresden, sowie dem Wohnsitz in Leipzig, einem angedachten Abgeordneten-Büro in Pirna am Rande des Erzgebirges und der Rolle als Mutter versuchte Petry zu zerstreuen - wenn auch recht einsilbig. „Klar ist, dass man an jeder Stelle ein bisschen Abstriche machen muss - an der Familienrolle genauso wie in jeder Parlamentsrolle, aber ich bin Multitasking gewöhnt.“

Lesen Sie auch: Größer, männlicher, rechter - zwölf Fakten zum neuen Bundestag

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