+
Pfarrer Ndjimbi-Tshiende hat seine frühere Gemeinde Zorneding bereits verlassen.

Bürger starten Petition

Pfarrer hat Zorneding nach Morddrohungen verlassen

Zorneding - Am Sonntag verkündete der Pfarrer, er werde seine Gemeinde nach einer rassistischen Hetze verlassen. Eine Online-Petition dürfte den dunkelhäutigen Priester kaum umstimmen.

Der nach Morddrohungen zurückgetretene dunkelhäutige Pfarrer von Zorneding hat die Kirchengemeinde bereits verlassen. Olivier Ndjimbi-Tshiende habe um seine sofortige Beurlaubung gebeten, teilte ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats in München mit: "Er ist weg."

Die bayerische Staatsregierung verurteilte die Morddrohungen scharf. Auch die 21 Bürgermeister des Landkreises Ebersberg, zu dem die 9000 Einwohner zählende Gemeinde Zorneding gehört, solidarisierten sich mit dem Priester.

Bürger starten Online-Petition

Nach mehreren rassistisch motivierten anonymen Morddrohungen hatte der aus dem Kongo stammende katholische Geistliche am Sonntag der Pfarrgemeinde mitgeteilt, er werde den Dienst in Zorneding bei München quittieren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen unbekannt.

Die Kirchenleitung rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass eine Online-Petition den katholischen Priester umstimmen kann. Bis Dienstagnachmittag hatten mehr als 50 000 Menschen die von einer Bürgerin der Gemeinde initiierte Aufforderung "Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben" unterschrieben. Zur Begründung heißt es: "Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld. Wir signalisieren, dass es in Deutschland wieder so weit ist, dass eine Gruppe, die Angst verbreitet, nicht mit Gegenwehr zu rechnen hat."

Scharfe Kritik aus dem bayerischen Kabinett

Der Bistumssprecher nannte den Schritt des 66-Jährigen "eine persönliche Entscheidung". Kardinal Reinhard Marx habe dies akzeptiert. Auch in der Pfarrei herrsche Verständnis für den Rücktritt des Priesters.

Das bayerische Kabinett verurteilte die Morddrohungen am Dienstag scharf. Morddrohungen und rassistische Briefe seien "etwas Abscheuliches und Fürchterliches", sagte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) nach der Ministerratssitzung in München. "Wir sind zutiefst betroffen, wie viel Hass und Menschenverachtung sogar bei uns hier in Altbayern möglich sind." Gegenüber derartigen Vorfällen gebe es "null Toleranz".

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump offen für gemeinsame Militäreinsätze mit Russland in Syrien
Washington - Der neue US-Präsident Donald Trump steht nach Angaben seines Sprechers möglichen gemeinsamen Militäreinsätzen mit Russland gegen die Dschihadistenmiliz …
Trump offen für gemeinsame Militäreinsätze mit Russland in Syrien
Streit um Unterhaltsvorschuss beigelegt
Was, wenn der Ex-Partner oder die Ex-Partnerin keinen oder zu wenig Unterhalt zahlt? Dann springt der Staat ein. Der sei aber bisher zu kurz gesprungen, meinte …
Streit um Unterhaltsvorschuss beigelegt
CSU-Vize: „Guttenberg soll sich mehr einbringen“
München – Und jährlich grüßt das Murmeltier: In der CSU wird mal wieder über eine Einbindung des im US-Exil lebenden Karl-Theodor zu Guttenberg beraten. Parteichef Horst …
CSU-Vize: „Guttenberg soll sich mehr einbringen“
Merkel: Flüchtlinge haben Deutschland auf „harte Probe“ gestellt
Würzburg - Die Rede war mit Spannung erwartet worden: Auf einem ihrer ersten großen Auftritte im Wahljahr sprach Angela Merkel am Montag in Würzburg. Wähler der CSU …
Merkel: Flüchtlinge haben Deutschland auf „harte Probe“ gestellt

Kommentare