+
Wer professionelle Pflege braucht, kann die Kosten mit dem Geld aus der Pflegeversicherung oft nicht decken. Hunderttausendfach werden Betroffene zum Sozialfall - Tendenz steigend. Foto: Daniel Karmann/Archiv

Pflegebedürftige werden immer öfter zum Sozialfall

Berlin (dpa) - Immer mehr Pflegebedürftige sind auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen. So stieg die Zahl der Empfänger von Hilfe zur Pflege in den vergangenen Jahren deutlich - von rund 340 000 im Jahr 2005 auf zuletzt 453 000.

Auf diese Daten des Statistischen Bundesamts machte die Linke-Fraktionsvize Sabine Zimmermann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin aufmerksam.

Die Hilfe zur Pflege ist eine Sozialleistung, die den nicht durch die Pflegeversicherung gedeckten Bedarf auffangen soll, wenn Betroffene die Mittel nicht selbst aufbringen können.

Nach den jüngsten Daten von 2014 waren 292 000 Frauen und 161 000 Männer betroffen. 321 000 Empfänger bezogen die Leistung in einem Pflegeheim. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Empfänger von rund 444 000 um 9000 an. Auch die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege wuchsen, von 2,6 Milliarden Euro 2005 auf zuletzt 3,5 Milliarden.

Zimmermann nannte es "überhaupt nicht akzeptabel", dass immer mehr Pflegebedürftige zum Sozialfall würden. "Die vermehrte Inanspruchnahme der Sozialhilfe zur Finanzierung von Pflegeleistungen verdeutlicht, dass die Pflegeversicherung als Teilkostenprinzip in immer mehr Fällen nicht funktioniert, da die Betroffenen und ihre Familien das Geld nicht aufbringen können", sagte sie der dpa. Wegen des erwarteten Anstiegs von einkommensschwachen Älteren werde sich die Tendenz verstärken.

Auch die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Bezogen 2005 noch 1,95 Millionen Menschen Leistungen der Pflegeversicherung, waren es 2014 knapp 2,6 Millionen, davon rund 750 000 in Heimen. In den kommenden Jahren soll die Zahl weiter deutlich steigen. Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige selbst zahlen müssen, wenn sie betroffen sind, ist in den vergangenen Jahren im Schnitt gewachsen.

Zimmermann forderte, die Leistungen der Pflegeversicherung müssten sich künftig am individuellen Bedarf orientieren. "Pflege darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein." Beiträge müssten dazu etwa - anders als heute - auch von Privatversicherten und auf Kapitalerträge bezahlt werden. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ultimatum an Katalonien: Spanien hält den Atem an
Um 10 Uhr läuft die Frist ab, die Ministerpräsident Rajoy Katalonien gesetzt hat. Dann drohen Zwangsmaßnahmen wie die Absetzung des katalanischen Regierungschefs …
Ultimatum an Katalonien: Spanien hält den Atem an
Ultimatum läuft aus: Eskaliert jetzt der Katalonien-Konflikt?
Bei einem Referendum stimmten 90 Prozent der Wähler für die Abspaltung Kataloniens von Spanien - die Unabhängigkeit der Region wurde aber noch nicht erklärt. Das zweite …
Ultimatum läuft aus: Eskaliert jetzt der Katalonien-Konflikt?
Trump soll Vater von totem Soldaten Geld versprochen haben
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump soll dem Vater eines getöteten Soldaten einem Bericht zufolge 25.000 US-Dollar versprochen haben, dies aber nicht eingelöst …
Trump soll Vater von totem Soldaten Geld versprochen haben
Seehofer: Darum wird CSU-Parteitag wohl wirklich verschoben
Der eigentlich für Mitte November geplante CSU-Parteitag wird wegen der Jamaika-Sondierungen wohl tatsächlich um einen Monat verschoben.
Seehofer: Darum wird CSU-Parteitag wohl wirklich verschoben

Kommentare