Porträt

Posselt: Phänomenales Echo in der Welt – aber jetzt langt’s

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München – Bernd Posselt schildert, wie er sich als leidenschaftlicher Europapolitiker fühlt, der 2014 knapp nicht wiedergewählt wurde.

Neulich ist Bernd Posselt mal wieder eine treffende Erklärung zu Bernd Posselt eingefallen: Jeder Fußballfan kenne das doch, vorm Fernseher sitzend „Schieß doch!“ zu schreien. „Und er schießt nicht. So fühle ich mich.“ Posselt, 59, schildert damit, wie er sich als leidenschaftlicher Europapolitiker fühlt, der 2014 knapp nicht wiedergewählt wurde. Er erklärt, warum es ihn nicht vorm Fernseher hält, sondern er zumindest bis zum Spielfeldrand läuft und dort agiert.

Posselt ist der Münchner CSU-Politiker, der seit seiner Abwahl weiterhin zu absolut jeder Sitzung des EU-Parlaments nach Straßburg fährt, ehrenamtlich, auf eigene Kosten. Die Geschichte stand Mitte Juni erstmals in unserer Zeitung, seither hat Posselt an seinem Eifer nichts geändert. Über ihn hinweg ist aber ein medialer Sturm gezogen, wie er ihn noch nie erlebt haben dürfte. Im Internet verbreitete sich der Posselt-Artikel rasend, eine Zeitung nach der anderen wurde darauf aufmerksam, dann die Fernsehsender, dann die internationalen Medien. Das „Phantom des Parlaments“, wie unsere Zeitung ihn taufte, ist seit vier Monaten der meistfotografierte, meistinterviewte, meistporträtierte Gast in Straßburg.

Kleine Auswahl: „Il politico tedesco che fa l’europarlamentare senza essere stato eletto“, lernten Leser in Italien über den deutschen Politiker, der ins Parlament fährt, ohne gewählt zu sein. „Die Wähler sprachen, aber dieser Politiker hörte nicht zu“, titelte das „Wall Street Journal“, „Der Vertriebene“ schrieb die SZ, „Der Mann, der die Finger nicht von Europa lassen kann“ (Bild), „Der Umsonst-Parlamentarier“ im Porträt der ARD. Eine „Kleinigkeit wie eine Abwahl steht diesem Mann nicht entgegen“, spöttelt „The Telegraph“ in dem Artikel, wo Posselt auch den Fußball-Vergleich bringt. „Nein ist für ihn keine Antwort“, witzelt der „Independent“.

Die Artikel spiegeln meist zwei Aspekte wieder: Neugier und Sympathie für einen ehrenamtlichen Überzeugten, eine Portion Spott über einen, der nicht loslassen könne. Posselt hat’s mit Interesse gelesen, alles, und in Ordnern abgeheftet, dazu hunderte Reaktionen von Lesern und Zuschauern. Allmählich will er aber wieder mit der Sachpolitik wahrgenommen werden. Zuletzt in Straßburg hatte er immer drei, vier Journalisten im Schlepptau. „Die wollen einen beim Arbeiten filmen – aber da kann man fast nicht mehr arbeiten“, erzählt er. Ab sofort ist deshalb Schluss. Neue Anfragen zur Begleitung des Phantoms werden höflich dankend abgelehnt.

Posselt erzählt das am Telefon, er ist gerade auf dem Weg zur ungarisch-kroatischen Grenze, Thema Flüchtlinge, Ortstermin. Es gibt viel zu tun. 

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