1. Startseite
  2. Politik

Unscheinbares Amthor-Foto entfacht große Debatte: „Das ist übel“

Erstellt:

Von: Marcella Moschini

Kommentare

Philipp Amthor kommt zur Sitzung des CDU-Kreisverbandes Ludwiglust-Parchim.
Philipp Amthor kommt zur Sitzung des CDU-Kreisverbandes Ludwiglust-Parchim. (Archivfoto) ©  Jens Büttner/dpa

Philipp Amthor feiert das 72. Jubiläum des Grundgesetzes auf Instagram. Doch der Kommentar, den er stolz präsentiert, wurde von einem Nationalsozialisten begründet.

Berlin - Das Grundgesetz hat am Samstag sein 72. Jubiläum gefeiert. Am 23. Mai 1949 wurde der Gesetzestext erlassen, einen Tag später trat er in Kraft. Besonders geprägt ist das Grundgesetz von den Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Freiheitliche Individualrechte, ein parlamentarisches Regierungssystem und die Gewaltenteilung sollten eine Zukunft jenseits der Diktatur sicherstellen. Auch Philipp Amthor, Bundestagsabgeordneter der CDU, feierte diesen Meilenstein der deutschen Geschichte - die Art und Weise sorgt jedoch für Diskussionen.

Philipp Amthor feiert das Grundgesetz - die Reaktionen sind gespalten

Der junge CDU-Politiker postete anlässlich des Tages des Grundgesetzes ein Foto von sich auf Instagram. Dazu schreibt er eine lange Bildunterschrift über die tragende Bedeutung des Gesetzestextes. Dem geneigten Betrachter des Fotos fällt aber schnell auf, dass Amthor auf dem Bild nicht etwa das Grundgesetz selbst in die Luft hält, sondern einen von Günter Dürig und Theodor Maunz begründeten Kommentar. Das sehen im Netz viele Kommentator:innen problematisch.

Denn Maunz zählte zu den Kronjuristen des „Dritten Reiches“ und verfocht den Nationalsozialismus auch nach 1945. Der Juraprofessor trat 1933 der NSDAP und der SA bei, lehrte in den folgenden Jahren an den Universitäten in München und Freiburg. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs trat Maunz trotz seines Wirkens in den badischen Verwaltungsdienst ein und nahm 1948 sogar am Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee teil. Später wurde er für die CSU sogar bayerischer Kultusminister, trat aber zurück, als seine nationalsozialistische Vergangenheit bekannt wurde.

Entrüstung auf Twitter & Instagram: Amthor macht sich mit Grundgesetz-Post nicht nur Freunde

Der Kommentar zum Grundgesetz, den Maunz gemeinsam mit Kollegen begründete, zählt noch heute zu den Standardwerken im Jurastudium und wird von anerkannten Juristen weitergeschrieben. Dennoch finden viele Philipp Amthors Wahl unpassend. „Dass Amthor zum Tag des Grundgesetzes ausgerechnet das Werk des NS-Juristen Theodor Maunz statt des GG selbst hochhält, ist übel“, kommentiert zum Beispiel der Landesvorsitzende der Grünen in Schleswig-Holstein, Steffen Regis, auf Twitter.

Auch unter dem Post auf Instagram finden sich zahlreiche empörte Kommentare, die die Auswahl des Kommentars monieren: „Vielleicht das nächste Mal einen Kommentar auswählen, dessen Herausgeber nicht Anhänger und Verfechter des nationalsozialistischen Regimes war?“, schreibt zum Beispiel eine Nutzerin. Andere hingegen verteidigen Amthor und weisen darauf hin, dass der Kommentar ein gängiges Standardwerk ist. Auch Amthor selbst meldet sich nach den zahlreichen Kommentaren unter seinem Post auf Instagram noch einmal zu Wort. Er betont ebenfalls, dass es sich bei dem Kommentar um ein gängiges Werk handelt. „Sein wegen seiner Vergangenheit - zu Recht - kritisierter Begründer Theodor Maunz fungiert heute nur noch als Namensgeber des Werkes“, erklärt Amthor. Zudem wechsele er bei den Kommentaren bei seinen verschiedenen Posts zum Grundgesetz immer durch. (mam)

Auch interessant

Kommentare