+
Im Opel-Werk in Bochum sollen bald keine Autos mehr gefertigt werden. 

Aus für Opel-Werk Bochum

Rösler greift General Motors an: "Bin sauer"

Bochum - Nach dem Schock der drohenden Schließung muss bei Opel in Bochum der Alltag weitergehen. Im ersten Zorn hatten einige Opelaner Streiks angedroht. Und auch Politiker zeigen sich sauer.

Nach der Schließungsankündigung für die Bochumer Autofertigung soll an diesem Dienstag mit der Frühschicht um sechs Uhr in dem Opel-Werk der Alltagsbetrieb weitergehen. Am Montag war die Produktion wie bei Betriebsversammlungen üblich in allen Schichten unterbrochen worden, um den Mitarbeitern Gelegenheit zur Teilnahme zu geben. Der Betriebsrat kritisiert die Entscheidung des Opel/GM-Vorstandes scharf, nach dem Auslaufen der Zafira-Produktion Ende 2016 keine Produktionsaufträge mehr an das Werk zu geben. Mit Warnstreiks bei der ersten Schicht nach der Hiobsbotschaft wurde aber nicht gerechnet.

Opel: Aus für Autoproduktion in Bochum

Opel: Aus für Autoproduktion in Bochum

Die Position der Arbeitnehmer sei aktuell nicht stark genug, weil für das Werk ohnehin für Januar Kurzarbeit angemeldet ist, hieß es aus Mitarbeiterkreisen. Die Arbeitnehmervertreter halten der Unternehmensführung schwere Fehler vor. „Die Ursachen der Überkapazitäten sind nicht nur im wirtschaftlichen Umfeld zu suchen, sondern sind auch hausgemacht“, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug am Montag in Rüsselsheim. „Diese Suppe sollen nun die Kolleginnen und Kollegen in Bochum auslöffeln.“

Rösler: "Ich bin sauer"

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warf dem Opel-Mutterkonzern General Motors gravierende Management-Fehler vor. „Ich bin sauer, gerade weil das Unternehmen Fehler gemacht hat, auch beim Umgang mit den Mitarbeitern in der Vergangenheit“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Dienstag). GM müsse sich fragen lassen, ob der Konzern in der Vergangenheit alles Notwendige getan habe, um das Aus für Bochum zu verhindern. „So war es ein Fehler, dass Opel nur in sehr geringem Umfang Autos im wichtigen Wachstumsmarkt China verkaufen durfte.“ Er erwarte, „dass das Unternehmen seiner Verantwortung gerecht wird und mithilft, die Folgen der Werksschließung für die Beschäftigten abzumildern“.

Die Bundesregierung: Merkel und ihre Minister

Die Bundesregierung: Merkel und ihre Minister

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel rief zum Kampf um den Standort auf. „Wir werden auch nach 2016 in Bochum Autos bauen“, sagte er am Montag nach der Betriebsversammlung in Bochum. Der Betriebsrat fordert eine klare Aussage für die Beschäftigten. Die IG Metall-Vertrauensleute treffen sich „kurzfristig“, um über ihre künftige Strategie zu beraten. An diesem Mittwoch wolle außerdem die IG Metall-Tarifkommission für alle Opel-Standorte in Frankfurt zusammenkommen, teilte die Gewerkschaft mit.

Rund 3300 Opelaner in Bochum und 1000 Fremdfirmenbeschäftigte sowie tausende indirekt vom Werk abhängige Beschäftigte bangen um Jobs oder Aufträge. Stadt und Land wollen aber helfen, eine neue Perspektive für den Standort zu entwickeln. Das Opel-Warenverteilzentrum in Bochum mit derzeit 430 Mitarbeitern solle erhalten und möglicherweise aufgestockt werden, hatte Opel mitgeteilt. In Verhandlungen mit den Arbeitnehmern will das Unternehmen prüfen, ob eine Teilefertigung in Bochum wirtschaftlich möglich ist. In dem Werk könnte eine dreistellige Zahl von Jobs entstehen, hatte die Opel-Spitze mitgeteilt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erdogan-Alleinherrschaft oder Land im Chaos? Fünf Szenarien für die Türkei nach der Wahl
Präsident Erdogan nennt die Wahlen in der Türkei „historisch“. Tatsächlich werden sie das Land über lange Zeit hinweg prägen - je nach Ausgang auf ganz unterschiedliche …
Erdogan-Alleinherrschaft oder Land im Chaos? Fünf Szenarien für die Türkei nach der Wahl
Türkei-Wahl 2018 im News-Ticker: Erdogan in Umfragen vorne
Die Türkei wählt am Sonntag ihr neues Parlament und den neuen Präsidenten. An Machthaber Recep Tayyip Erdogan wird dabei wohl kein Weg vorbei führen. Alle News bei uns …
Türkei-Wahl 2018 im News-Ticker: Erdogan in Umfragen vorne
Trumps Sprecherin wird aus Restaurant hinausgeworfen
Washington (dpa) - Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Sarah Sanders, ist wegen ihres Jobs aus einem Restaurant geflogen. Sie sei von der Eigentümerin des Red …
Trumps Sprecherin wird aus Restaurant hinausgeworfen
Mehr als 520 Einwandererkinder in den USA wieder bei Eltern
Washington (dpa) - Nach der Trennung von ihren Eltern im Zuge der sogenannten Null-Toleranz-Politik sind in den USA 522 Flüchtlingskinder wieder mit ihren Familien …
Mehr als 520 Einwandererkinder in den USA wieder bei Eltern

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.