+
54 Millionen sind zum Wählen aufgerufen. Foto: Francis R. Malasig

Philippinen wählen Präsidenten: Favorit droht mit Kriegsrecht

Manila (dpa) - Mit Spannung fiebern auf den Philippinen Millionen Menschen der Präsidentenwahl an diesem Montag entgegen.

Ein heftig umstrittener Bürgermeister gilt nach den Umfragen als Favorit: Rodrigo Duterte (71) will Kriminalität, Drogenhandel und Korruption innerhalb von sechs Monaten mit Methoden beenden, die Menschenrechtler entsetzen.

Der beliebte Amtsinhaber Benigno Aquino (56) kann nicht erneut antreten. Chancen auf das Amt des Vizepräsidenten hat Bongbong Marcos, Sohn des 1986 verjagten Diktators Ferdinand Marcos.

Duterte will mit Drogendealern und Kriminellen kurzen Prozess machen. Er hat gedroht, das Parlament aufzulösen und das Kriegsrecht zu verhängen, sollten die Abgeordneten seinem Kurs nicht folgen. In seiner Heimatstadt Davao wurden nach Angaben von Menschenrechtlern seit 1998 mehr als 1400 Menschen umgebracht. Wenn er Präsident werde, müssten mehr Beerdigungsinstitute her, sagt Duterte. 

In Umfragen fand Duterte, der viel flucht und mit seiner Potenz prahlt, zuletzt mehr als 30 Prozent Zustimmung. Die Senatorin Grace Poe (47) und der frühere Innenminister Mar Roxas (58) kamen als Nächstplatzierte auf jeweils gut 20 Prozent. Poe gilt als unerfahren, Roxas als farblos.

Philippiner beschweren sich seit Jahrzehnten über Korruption und unverschämte Bereicherungen der Politiker. Unter Aquino wuchs die Wirtschaft des einzigen katholischen Landes in Südostasien zwar um durchschnittlich sieben Prozent im Jahr. Aber ein Viertel der gut 100 Millionen Menschen lebt weiter unter der Armutsgrenze.

Präsident und Vizepräsident werden direkt und separat gewählt. Die 54 Millionen Wahlberechtigten bestimmen auch die 300 Mitglieder des Repräsentantenhauses sowie die Hälfte der 24 Senatoren. Parteien spielen praktisch keine Rolle. Nach Wahlen läuft die Mehrzahl der Abgeordneten in der Regel zum Sieger der Präsidentenwahl über.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schwaches Ergebnis für Nahles - nur mit Mühe konnte sie lächeln
Die SPD bekam auf ihrem Parteitag am Sonntag eine neue Chefin. Andrea Nahles setzte sich gegen Simone Lange durch - wenn auch mit einem blauen Auge. Alle Infos im …
Schwaches Ergebnis für Nahles - nur mit Mühe konnte sie lächeln
Ostritz wehrt sich gegen Neonazis - Proteste liefen friedlich
Die sächsische Kleinstadt Ostritz an der deutsch-polnischen Grenze hat Rechtsextremen die Stirn geboten. Die Bürger wehrten sich. Die Proteste liefen friedlich.  
Ostritz wehrt sich gegen Neonazis - Proteste liefen friedlich
Sozialverbände machen Front gegen die AfD
Die AfD beherrscht das Spiel mit Provokationen. Ihre Anfrage zu Behinderten in Deutschland hat weithin Empörung ausgelöst. Die Sozialverbände sehen sich "an die …
Sozialverbände machen Front gegen die AfD
IS-Anschlag in Kabul: Zahl der Toten steigt auf 52
Der IS tötet Dutzende im kriegszerrissenen Afghanistan: Sie wollten im Oktober bei den Parlaments- und Provinzwahlen ihre Stimme abgeben. Ein Selbstmordattentäter …
IS-Anschlag in Kabul: Zahl der Toten steigt auf 52

Kommentare