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Bei Leschs Faktencheck kommt heraus, dass die AfD einen entscheidenden Teil der untersuchten Daten weggelassen habe.

Münchner TV-Physiker

Lesch bekommt Hass-Mails nach AfD-Video - und hat verblüffenden Vorschlag

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München - Physiker Harald Lesch hat das AfD-Parteiprogramm einem wissenschaftlichen Faktencheck unterzogen. Die Zuschauer reagierten mit üblen Briefen.

Wenn Überzeugungen auf Fakten treffen, kann es schon mal etwas lauter werden. Das bekam jetzt auch Professor Harald Lesch zu spüren. Der Physiker arbeitet nicht nur an der LMU in München als Dozent, sondern auch für die ZDF-Reihe "Terra X". In einem Erklärvideo auf YouTube nahm sich Lesch Teile des Parteigrundsatzprogramms der AfD vor. Im speziellen die Abschnitte, in denen es um den Klimawandel und die Energiewende geht. Satz für Satz prüfte er auf Richtigkeit.

Wie Lesch jedoch gleich zu Beginn des Videos betont, gehe es ihm dabei nicht um Politik, sondern um Sachthemen. Eine Art Faktencheck sozusagen. Auf Seite 79 des AfD-Programms stehe beispielweise: "Klima wandelt sich solange die Erde existiert." Lesch nickt, ja, das sei richtig. Das Klima wandele sich stets und ständig. Faktencheck erfolgreich bestanden.

Wackelige Aussagen im AfD-Grundsatzprogramm

Beim nächsten Punkt wird es schon etwas schwieriger. Laut Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland beruhe die Klimaschutzpolitik auf hypothetischen Klimamodellen, die auf computergestützten Simulationen des IPCC (Weltklimarat) basieren würden. An dieser Stelle horcht Lesch auf. So ganz richtig sei das nämlich nicht. Das IPCC würde laut Lesch keinerlei Simulationen durchführen, sondern Arbeiten von Forscherteams weltweit sammeln, explizit überprüfen und manchmal erst Jahre später veröffentlichen.

Ein weiterer Punkt, der Professor Lesch stutzig macht, ist folgende Aussage: "Kohlenstoffdioxid (CO2) ist kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens." Das sei richtig, so Lesch. Jedoch ist die derzeitige Menge an Kohlenstoffdioxid in unserer Atmosphäre auf Dauer schädlich. Ein Aspekt, den die AfD womöglich verdrängt.  

Harald Lesch nimmt das AfD-Programm unter die Lupe

Wenn es um die AfD geht, sind die Zuschauer des Öfteren verschiedener Meinung. Die einen werfen den Medien vor, die AfD schlecht zu reden, die anderen verteufeln alles, was nur annähernd mit der AfD zu tun hat. Diese Erfahrung hat Harald Lesch nach seinem Faktencheck nun zu spüren bekommen.

Die Dutzende Leserbriefe waren von beiden Seiten in einem harschen Ton verfasst worden. Einige davon hat er vorgelesen. Lesch wurde demnach vorgeworfen, "an der Heimatfront für Propagandadienste" zu dienen, anstatt wie "jeder ernstzunehmender Wissenschaftler" bei so einem Angebot "das Weite zu suchen". Aber nein, Lesch habe sich "bereitwillig vor den Karren" spannen lassen.

Doch auch die Anti-AfD-Seite fand harte Worte. "Im Grunde genommen, seht auch ihr AfDler überall nur eine Verschwörung und das Walten böser Mächte. Das ist euer Lieblingsargument und jetzt steht auch Harald Lesch mit dem Teufel im Bunde. Ihr seid in jeder Hinsicht primitiv und abergläubisch. Am Ende werdet ihr euch wie Gewürm in eure Löcher verkriechen und behaupten nicht zu den Leugnern des Klimawandels gehört zu haben."

"Beide können ja nicht recht haben"

Lesch selbst setzt sich mit den Hassmails jedoch lieber ganz wissenschaftlich auseinander. Besonderes Augenmerk wirft er dabei auf die Motivation hinter den Hassbriefen. Im Normalfall schließe man nämlich von sich selbst auf andere, so Lesch. Wenn es aber um einen Gegner gehe, dann nimmt jeder von sich selbst das Beste, von seinem Feind aber nur das Schlechteste an.

So sei es im US-amerikanischen Wahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern, aber auch zwischen Israelis und Palästinensern. Lesch folgert: "Das kann aber nicht sein, beide können ja nicht recht haben."

Verblüffender Vorschlag: Einfach mit Barmherzigkeit diskutieren

Zum Schluss schlägt der Physiker vor, dass man vielleicht grundsätzlich mal davon ausgehen könnte, dass die anderen es ja vielleicht auch gut meinen. "Mit einer gewissen Freundlichkeit und vielleicht auch Barmherzigkeit in eine Diskussionssituation reinzugehen, könnte vieles entschärfen und vieles leichter machen", so der Apell des Wissenschaftlers.

Harald Lesch: Die Psychologie hinter Hass

mt

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