+
Die Ärzte stehen der Rezeptfreiheit für die "Pille danach" skeptisch gegenüber. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

"Pille danach" bald rezeptfrei: Ärzte in Sorge

Köln (dpa) - Mehrere Ärzteverbände sehen der anstehenden Rezeptfreiheit für die "Pille danach" mit großer Besorgnis entgegen. Sie befürchten lückenhafte Beratung und ungewollte Schwangerschaften.

In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) heißt es, mit dem künftig rezeptfreien Kauf in Apotheken sei zu befürchten, dass Frauen nicht oder nicht ausreichend beraten würden. "Eine fehlerhafte Beratung erhöht jedoch die Gefahr unerwünschter Schwangerschaften dramatisch."

Das Schreiben haben der Berufsverband der Frauenärzte, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und die Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie verfasst. Sie warnen davor, dass die - weltweit niedrigste - Rate von Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern in Deutschland "als Folge einer lückenhaften Aufklärung künftig ansteigen könnte".

Widerspruch kam von der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). Eine fachliche Beratung bleibe durch den Bezug über die Apotheken sichergestellt - und zwar rund um die Uhr. Auch die Kritiker sollten die Not der Frauen ernst nehmen. Die Aufhebung der Rezeptpflicht sei überfällig und in anderen europäischen Ländern ohne negative Folgen geblieben, betonte sie. 

Brüssel hatte entschieden, dass die "Pille danach" in der gesamten EU ohne Rezept erhältlich sein soll. Gröhe hatte daraufhin angekündigt, das deutsche Recht für die beiden in der Bundesrepublik erhältlichen Präparate anzupassen.

Nachdem der Bundestag die Aufhebung der Rezeptfreiheit kürzlich beschlossen hat, soll sich Ende dieser Woche der Bundesrat damit befassen. Nach bisheriger Planung soll es die "Pille danach" ab Mitte März rezeptfrei geben. Je nach Wirkstoff kann damit bis zu 72 Stunden beziehungsweise bis zu 120 Stunden nach ungeschütztem Sex ein Eisprung gehemmt oder verzögert werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aufnahme Nordkoreas in US-Terrorliste
Die USA erhöhen den Druck auf Nordkorea. Nach fast zehn Jahren setzt Washington Nordkorea wieder auf seine Liste der Terrorismus-Unterstützerstaaten. In Tokio, Peking …
Aufnahme Nordkoreas in US-Terrorliste
Neuwahlen: Angeblich kursiert geheimer Termin in Berlin
Wann sind Neuwahlen? Das fragen sich viele nach dem Jamaika-Aus. Angeblich kursiert bereits ein geheimer Termin für Neuwahlen in Berlin.
Neuwahlen: Angeblich kursiert geheimer Termin in Berlin
Bundestag macht sich arbeitsfähig
Die Jamaika-Sondierung ist gescheitert - aber das Parlament arbeitet. In der ersten regulären Sitzung geraten zwei Parteien aneinander, die sich gegenseitig Flucht aus …
Bundestag macht sich arbeitsfähig
Wenn das Musterland der Stabilität ins Wanken gerät
Ausgerechnet Deutschland bekommt die Regierungsbildung nicht auf die Reihe. Und das in unsicheren Zeiten. Bringt die Hängepartie im wirtschaftsstärksten EU-Land jetzt …
Wenn das Musterland der Stabilität ins Wanken gerät

Kommentare