Deutsche Schüler schneiden schlecht ab

Pisa-Ergebnisse schocken Experten: „Dramatisch“ - Rangliste zeichnet deutliches Bild

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Das Ergebnis der 2019 veröffentlichten Pisa-Studie schockiert die Experten. Deutsche Schüler haben in allen drei Kompetenzfeldern schlecht abgeschnitten.

  • Die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie 2018 sind am 3. Dezember 2019 veröffentlicht worden.
  • Deutsche Schüler schnitten schlechter ab als 2015.
  • In der internationalen Rangliste bleibt Deutschland im Mittelfeld

Update 4. Dezember, 14.49 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat von der Politik einen größeren Einsatz verlangt, um in der Bundesrepublik endlich Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. „In Deutschland entscheidet noch immer häufig die soziale Herkunft über die Bildungschancen von Kindern“, sagte er am Mittwoch in Berlin. „Es gibt kaum ein Politikfeld, in dem Reden und Handeln so beschämend weit auseinanderklaffen. (...) Bessere Bildung braucht entschiedeneres Handeln.“

Seit Jahren zeigen Studien und Leistungstests, dass Kinder aus ärmeren Familien schlechtere Bildungschancen haben als Kinder, die in begüterten Verhältnissen groß werden. Steinmeier verwies auf den jüngsten, erst am Dienstag veröffentlichten Pisa-Test. Dort wurde festgestellt: „In Deutschland ist die Lesekompetenz signifikant stärker als im Durchschnitt der OECD-Staaten durch den sozialen Status bestimmt.“

„Wir müssen diese Ungleichheiten abbauen, und das ist eine Aufgabe, die die Schulen nicht allein leisten können“, betonte Steinmeier im Schloss Bellevue bei der Auszeichnung von ehrenamtlich Tätigen mit dem Bundesverdienstkreuz. Auch diese würden zu dieser Aufgabe beitragen.

Update 3. Dezember, 17.17 Uhr: Die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse der Pisa-Studie 2018 sorgen in Deutschland erwartungsgemäß für wenig Begeisterung. Besonders interessant ist für viele neben dem Vergleich mit den Ergebnissen aus früheren Erhebungen auch das Abschneiden Deutschlands in der internationalen Rangliste

Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland insgesamt immer noch über dem Durchschnitt, trotz schlechterer Ergebnisse im Vergleich mit der letzten Erhebung. Dennoch liegen die deutschen Schülerinnen und Schüler weit hinter den Spitzenreiter-Nationen. Auch der Abstand zu einigen OECD-Partnern ist offenbar groß. 

Deutschland liegt in der Pisa-Rangliste der OECD direkt hinter Norwegen und vor Slowenien. Während die übrigen skandinavischen Länder und das Vereinigte Königreich einige Plätze vor der Bundesrepublik liegen, kann Deutschland auch einige europäische Länder hinter sich lassen: Darunter Frankreich, die Niederlande, Italien, Belgien und Portugal.

Allerdings zeigte sich das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung vorab skeptisch, was die Aussagekraft der Pisa-Daten im Sinne eines internationalen Vergleichs angeht. „In manchen asiatischen Ländern etwa, die bei Pisa regelmäßig Spitzenplätze belegen, nehmen nur rund 80 Prozent der Schüler in den zufällig ausgewählten Schulen an den Testaufgaben teil, in Deutschland über 95 Prozent“, hieß es in einer Mitteilung am Montag. Es gebe durchaus Hinweise, dass in manchen Ländern vor allem schlechtere Schüler am Pisa-Prüfungstag krank werden oder die Schule schwänzen. „Damit werden dann aber Äpfel mit Birnen verglichen.“ Die Pisa-Ergebnisse sollten statt für eine internationale Rangliste eher genutzt werden, um Defizite im eigenen Bildungssystem zu erkennen.

Ergebnisse der Pisa-Studie: Das ist die Länder-Rangliste

Pisa-Studie 2019: Ergebnisse ein Debakel für Deutschland?

Update 3. Dezember, 16.35 Uhr: Die Ergebnisse der Pisa-Studie, die 2019 veröffentlicht wurden, sich aber auf Erhebungen aus 2018 beziehen, sind einmal mehr ein Schock. Das sehen auch die Politiker so. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte bereits ihre Unzufriedenheit geäußert. Für FDP-Chef Christian Lindner ist vor allem das schlechtere Abschneiden in den Naturwissenschaften alarmieren: „Bildung wird nicht besser, sondern schlechter. Ausgerechnet Mathe“, twitterte er. Der Oppositions-Politiker rief dementsprechend zu einem „Kurswechsel“ auf: „Mehr Qualität, moderne Didaktik und nicht länger Reibungsverluste zwischen 16 Ländern“. 

Damit richtet er indirekt auch Kritik an Bayern und Baden-Württemberg, die vor wenigen Tagen aus dem geplanten Nationalen Bildungsrat ausgestiegen waren. Dieser hat das Ziel die Bildungspolitik in Deutschland einheitlicher zu machen und könnte eine Möglichkeit sein die „Reibungsverluste“ von denen Lindner spricht abzubauen. 

In den Ergebnissen der Pisa-Studie heißt es: „Die Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften waren 2018 jedoch signifikant schlechter als 2012. Da sich der Leistungsrückgang bereits mit der PISA-Erhebung 2015 abzeichnete, ist eine breitere Ursachensuche angezeigt.“

Pisa-Studie - Experten beurteilen Ergebnis: „Das ist dramatisch“

Es ist eine erneute Klatsche für das deutsche Bildungssystem: Die deutschen Schüler haben bei der neuen Pisa-Studie erneut schlechter abgeschnitten als zuletzt. Der Abwärtstrend bestätigt sich somit.

Untersucht wurden die Kompetenzfelder Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Zwar lagen die getesteten Mittelstufenschüler aus Deutschland nach den am Dienstag vorgestellten Ergebnissen über dem Durchschnitt der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie büßten aber überall im Vergleich zum Pisa-Test 2015 Punkte ein.

Pisa-Studie 2019: Ergebnis schockt Politiker - Deutsche Schüler schneiden erneut schlechter ab

Die Leseleistungen der deutschen Schüler sanken nach Verbesserungen in den vorherigen Pisa-Tests wieder auf das Niveau von 2009. Statistisch sei der Rückgang aber nicht belastbar, erklärte die OECD.

In den Naturwissenschaften ging die mittlere Punktzahl jedoch sogar auf den niedrigsten seit 2006 gemessenen Wert zurück, in Mathematik lagen die Ergebnisse deutlich unter dem Pisa-Test von 2012. Da sich der Leistungsrückgang bereits 2015 abzeichnete, sei eine breitere Ursachensuche nötig.

Der Pisa-Test wird alle drei Jahre erstellt. Die besten Ergebnisse erzielten Schüler aus vier berücksichtigten chinesischen Provinzen, gefolgt von denen aus Singapur. Als bester europäischer Staat steht Estland mit seinen Schülern auf Platz fünf, Deutschland landete mit einem großen Abstand auf die stärksten Länder auf Rang 20 von 77 teilnehmenden Staaten. Auchfr.de* präsentiert Hintergründe zu der Pisa-Studie.

Bildungsforscher über Pisa-Ergebnisse: „Anlass für Alarm“

Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der neuen Pisa-Studie sieht der Bildungsforscher Olaf Köller „Anlass für Alarm“. Das sagte der Kieler Experte dem Portal Zeit Online. Die sogenannte Risikogruppe der 15-Jährigen, die nicht richtig schreiben und rechnen könnten, sei mit 21 Prozent „wieder fast so groß wie beim Pisa-Schock vor zwei Jahrzehnten“. In nicht gymnasialen Schulen liege ihr Anteil teilweise bei bis zu 30, 40 oder sogar 50 Prozent. „Das ist dramatisch“, sagte Köller. 

Nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kann Deutschland mit den Ergebnissen seiner Schüler bei der Studie nicht zufrieden sein. „Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein“, sagte die CDU-Politikerin laut einer gemeinsamen Mitteilung ihres Ministeriums und der Kultusministerkonferenz. Karliczek hob hervor, dass Deutschland ein gutes Schulsystem habe und auch in dieser Pisa-Studie leicht über dem OECD-Durchschnitt liege. „Damit können wir aber nicht zufrieden sein. Andere Staaten ziehen an uns vorbei.“

Pisa-Studie 2019: Bildungsministerin will frühkindliche Leseförderung voranbringen

Besonders bedenklich sei, dass jeder fünfte 15-Jährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen könne, sagte Karliczek. Bund und Länder seien gemeinsam gefordert, das Bildungssystem weiter zu verbessern, „jeder in seinem Verantwortungsbereich“. So werde der Bund Programme zur frühkindlichen Leseförderung „noch konsequenter weiterverfolgen“.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der hessische Ressortchef Alexander Lorz (CDU), erklärte, im internationalen Vergleich verfügten 15-Jährige in Deutschland über gute Kompetenzen. „Es gelingt den Schulen, bei einer deutlich stärkeren Heterogenität der Schülerschaft weiterhin gute Ergebnisse im internationalen Vergleich zu erzielen.“ Ihn stimme zuversichtlich, dass Schüler mit Zuwanderungshintergrund in der zweiten Generation sich gegenüber früheren Pisa-Studien deutlich verbessert hätten. „Es belegt, dass die Schulen einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Integration in unsere Gesellschaft leisten.“

Bessere Zusammenarbeit, vergleichbare Noten: Der geplante Nationale Bildungsrat soll die Bildungspolitik in Deutschland einheitlicher machen. Doch nun steht das Gremium vor einer äußerst ungewissen Zukunft, bevor es überhaupt zusammengetreten ist.

Schulexperiment im Video: In Bremen wird im Unterricht gestrampelt

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.


dpa/AFP/frs

Rubriklistenbild: © dpa / Hendrik Schmidt

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Kommentare

KerbelinaAntwort
(1)(0)

In der Tat, da ist verdammt viel zu tun...

Rua123Antwort
(1)(0)

Ich denke, wir sind uns jedenfalls insoweit einig, dass Spracherwerb das Kernthema sein und entsprechend gefördert werden sollte

KerbelinaAntwort
(0)(0)

Das ist ein sehr schweres Thema.
Eingangsklassen gibt es nicht in allen Ländern bzw zum Teil nur für Kinder mit Sprachheilbefarf etwa.
Übergangsklassen führen zu einem rudimentären Sprachverständnis und sind kein Berlitz-Schnellkurs. Am Anfang gab es über Monate noch nicht mal Material.
Deutschförderung im Kiga ist nicht flächendeckend.
In der GS findet sie im Rahmen der Eingangsklassen statt. Sonst betrifft sie LRS und Legasthenie und hat nichts mit Einwanderung zu tun.

Ein weiteres Problemfeld eröffnet sich dadurch, dass es eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Migranten der 3. und 4. Generation gibt, die mit ihren Kindern aus "weltanschaulichen Gründen" nur die "Herkunfts"sprache sprechen und auch praktisch ausschließlich deren Medien konsumieren.