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Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Professorin für Medieninformatik an der HTW Berlin.

Fünf Jahre nach Schavan

Plagiats-Jägerin: Kaum Fortschritte im Kampf gegen Ideen-Klau

Weil die frühere Bildungsministerin Annette Schavan in ihrer Doktorarbeit an der Universität Düsseldorf plagiiert hat, trat sie im Februar vor fünf Jahren zurück. Was hat sich seitdem an den Unis getan? Wie oft wurde der Titel einkassiert?

Düsseldorf - Rund fünf Jahre nach dem Rücktritt der früheren Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wegen einer abgekupferten Doktorarbeit werfen Plagiatsjäger den Universitäten Untätigkeit vor. „An vielen Hochschulen hat sich seit den Vorfällen um die prominenten Politiker kaum etwas geändert“, kritisiert Debora Weber-Wulff von der Webseite VroniPlag Wiki. Die Betreiber der Webseite untersuchen wissenschaftliche Arbeiten auf Plagiate.

Nach wie vor gebe es keine Statistik, wie viele Doktortitel pro Jahr wegen Plagiaten aberkannt würden, kritisierte Weber-Wulff, die als Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin lehrt. Das bestätigt Matthias Jaroch vom Deutschen Hochschulverband. Die Übersichtsseite bei VroniPlag Wiki dokumentiert mittlerweile 193 Fälle. „Das ist aber nur eine Stichprobe, keine repräsentative Erhebung“, so Weber-Wulff. Sie stellt zudem bei den Doktoranden eine große Verunsicherung fest: „Viele haben große Angst, aus Versehen zu plagiieren“, sagt sie.

Der Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingesetzten Gremiums „Ombudsman für die Wissenschaft“, Stephan Rixen, widersprach der Kritik. Er erkennt an den Hochschulen ein Umdenken. „Doktorarbeiten werden viel intensiver als früher auf Plagiate geprüft“, sagt Rixen. Auch werde mehr für die Vorbeugung getan. Angebote zur Vermittlung guter wissenschaftlicher Praxis gebe es mittlerweile für alle Doktoranden.

Mehrere bekannte Politiker hatten in den vergangenen Jahren wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens aus ihrer Hochschulzeit den Hut nehmen müssen: So trat Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im März 2011 als Verteidigungsminister zurück, nachdem die Universität Bayreuth ihm den Doktortitel wegen Plagiaten aberkannt hatte. Ähnlich erging es der früheren FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin (FDP) im Mai 2011 und Schavan im Februar 2013. Die Universität Düsseldorf hatte ihr kurz zuvor den Doktortitel entzogen.

Nicht einheitlich geregelt ist bisher auch, was nach dem Entzug einer Doktorarbeit mit den in den Bibliotheken stehenden Dissertationen passiert. „Manche nehmen die Publikation ganz aus der Bibliothek, andere machen gar nichts, dritte schreiben vorne in die Arbeit, dass sie in Teilen ein Plagiat ist“, erklärte Weber-Wulff. Hier seien aber Änderungen in Sicht, erklärte Stephan Rixen.

Im Laufe des ersten Quartals 2018 will der „Ombudsman für die Wissenschaft“ zusammen mit dem Deutschen Bibliotheksverband neue Empfehlungen herausgeben, wie damit verfahren wird.

Annette Schavan (CDU) war wenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf am 9. Februar 2013 zurückgetreten. Schavans Klage dagegen wies das Bundesverwaltungsgericht im März 2014 zurück.

2016 haben laut dem Bundesamt für Statistik bundesweit nach den aktuellsten Zahlen 29 303 Menschen eine Promotion erfolgreich abgeschlossen. 2015 waren es noch 29 218.

dpa

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