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Sprachen über das Wahlergebnis in Frankreich: Ursula von der Leyen (l.) und Anne Will (r.).

Polit-Talk zur Frankreich-Wahl

Bei „Anne Will“ sind „alle Brüssel“

Berlin - Das Zittern um Frankreich ist vorbei: Emmanuel Macron wird neuer Präsident. Bei „Anne Will“ wird das Wahlergebnis von begeisterten Europa-Fans lediglich kommentiert - und nicht diskutiert.

Frankreich gespalten, Anne Wills Talkrunde geeint: Am Sonntagabend haben die Gäste im Ersten allesamt den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen gefeiert. Kritische Stimmen? Fehlanzeige. Etwas in Fahrt kam die fahle Diskussion erst am Ende der Sendung, als es um Deutschlands Position in Europa ging. Auch die sonst so fordernde Gastgeberin Will blieb an diesem Abend erstaunlich blass.

„Das ist eine Revolution der Jugend“, sagte der französische Publizist und Soziologe Alfred Grosser zu Beginn der Sendung. Der europafreundliche, parteilose Sieger Emmanuel Macron habe „viel geleistet“. Nach Ansicht des 92-jährigen Grosser könne Macron auch bei den Parlamentswahlen im Juni eine Mehrheit bekommen.

Frankophile Gäste bei Anne Will

Zu Gast waren neben Grosser Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Xavier Bettel, Premierminister von Luxemburg, sowie Gesine Schwan (SPD), Politologin und ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina. Die Frage des Abends: „Frankreich nach der Wahl - Wie verändert das Europa?“ Damit hatte Will das Thema Frankreich den deutschen Wahlen in Schleswig-Holstein vorgezogen.

„Das ist ein gutes Beispiel, dass man mit Europa Wahlen gewinnen kann“, befand Ursula von der Leyen. Das Wahlergebnis zeige auch: „Wir als Europäer lernen dazu.“ Aufgewacht nach den Wahlen in Österreich und dem Brexit-Votum heißt es nun: für Europa „aufstehen und überzeugen“.Von der Leyen warnte zugleich davor, sich nicht „zurückzulehnen“ und stellte eine „gemeinsame europäische Politik“ in Aussicht.

Ist Macron eine lahme Ente?

Dass die französische Gesellschaft dieser Tage sehr gespalten ist und Macrons Wahl für viele nur als die Verhinderung eines größeren Übels gilt, daran störten sich die Gäste wenig. Er sei froh, dass „wir [mit Macron] nun eine Person haben, die in der Mitte steht“, sagte Xavier Bettel. Nun muss er sich beweisen: Wenn er die Parlamentswahlen nicht gewinne, „ist er eine Lame Duck“, befand Bettel.

Frankreichs Problem liegt im Sozialen: Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit der Jugend auf dem Land. Für die Politologin Gesine Schwan ist klar: „Es ist dringend notwendig, dass wir uns mitverantwortlich fühlen“. Deutschland müsse nun wirklich auf die von Frankreich geforderten Investitionen eingehen und sich „nicht von oben herab“ verhalten. „Wir haben strukturelle Vorteile.“ Und die dürfen nicht immer auf einem Haufen landen. Deutschland stehe in der „Bringschuld“. Von der Leyen war anderer Meinung, was Schwan nicht aus dem Konzept brachte: „Uns geht es viel besser als dem Rest.“ Das habe nichts mit Schlechtreden zu tun, verdeutlichte sie.

Was war mit Anne Will los?

Größtenteils einig blieb sich die Runde dennoch bis zum Schluss - Talkmasterin Will wirkte dabei weitestgehend müde und lustlos. Als kurzzeitig Bilder aus Frankreich eingeblendet wurden, die Macron zeigten, als er zur Europa-Hymne vor seine Anhänger trat, waren ihre Gäste allesamt begeistert. „Dass er mit der Europa-Hymne zur Bühne kommt, finde ich stärker als Hunderttausende Fahnen“, jubelte Bettel. Er kritisierte im Laufe der Sendung auch, dass Brüssel gerne als Sündenbock von einem anderen Planeten gelte. Aber er sei Brüssel, Angela Merkel sei Brüssel, Macron sei Brüssel. „Wir sind alle Brüssel“.

dpa/Antonia Hofmann

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