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Auch Wolfgang Kubicki war selbst Opfer von Intrigen.

Depression und Schlaganfall: Macht Politik krank?

München - Ist Politik ein Metier, das krank und einsam macht? Das ARD widmet dem Thema Mobbing bei Politikern am Montag eine eigene Sendung. Hier vorabe einige Erfahrungen von betroffenen Politikern:

Mit einem Fallschirm sprang Jürgen Möllemann am 5. Juni 2003 in den Tod, er zog absichtlich die Reißleine nicht. Vorangegangen war der tiefe politische Fall des früheren FDP-Bundesministers. Das Ende seines Freundes beschäftigt den schleswig-holsteinischen FDP-Politiker Wolfgang Kubicki bis heute. „Wenn die Partei ihn in den Arm genommen, ihn aufgefangen hätte, wäre es wahrscheinlich nicht dazu gekommen“. Und er frage sich bis heute, ob er nicht etwas hätte bemerken müssen, etwas übersehen habe, bekennt Kubicki in der Dokumentation „Schlachtfeld Politik – Die finstere Seite der Macht“, die das ARD am heutigen Montag um 22.45 Uhr zeigt.

„Es hört nur auf, wenn Du jetzt nicht mehr da bist.“

Möllemanns Schicksal ist der wohl spektakulärste und tragischste Fall eines Politikers, der sich von seinen Parteifreunden verraten und alleingelassen fühlte. Kubicki, als kräftig austeilender Redner bekannt und Hoffnungsträger seiner Partei für die Landtagswahl am 6. Mai geschätzt, war Anfang der Neunzigerjahre selber Opfer von Intrigen, wie er berichtet. Parteifreunde hätten ihm so zugesetzt, dass er kurze Zeit sogar mit dem Gedanken spielte, sein Leben zu beenden: „Ich dachte: „Es hört nur auf, wenn Du jetzt nicht mehr da bist.“ Inzwischen habe er vielen seiner damaligen „Freunde“ gedankt – auf seine Art. Rache? Nein, das sei nicht sein Level. Aber wenn man eine bestimmte Machtposition habe, könne man Einfluss nehmen, ob ein anderer etwas wird oder nicht, sagt der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionsvorsitzende.

In Einzelgesprächen, nur sparsam durch Fragen gelenkt, geben auch der frühere SPD-Chef Kurt Beck , die frühere Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne), Ex-CSU-Chef Erwin Huber und die frühere stellvertretende Vorsitzende der Linken, Katina Schubert , ihre leidvollen Erfahrungen aus dem Politikgeschäft wieder. Allen gemeinsam ist die Erfahrung, dass es am meisten schmerzt, wenn die eigene Partei einen politisch abserviert. In einem in den Beitrag hineingeschnittenen Auftritt aus dem Jahr 2007 sagt der frühere CSU-Politiker Theo Waigel verbittert, dass er ein so gehässiges Verhalten wie in der CSU selbst nicht bei den Kommunisten vorgefunden habe – Parteifreunde sollen aus dem Privatleben des Politikers, der sich von seiner ersten Frau trennte, teils falsche Details an die Medien weitergeleitet haben.

Rücktritte und Comeback: Diese Politiker kamen zurück

Rücktritt & Comeback: Diese Politiker haben es zurückgeschafft

Katina Schubert spürte eines Tages ein Kribbeln in der linken Körperseite, ein Schlaganfall, wie im Krankenhaus diagnostiziert wurde. Auf einer Vorstandssitzung hatte die Linken-Politikerin gemerkt: „Die wollen mich weg haben.“ Angefangen hatte es mit einer familienpolitischen Kontroverse mit Oskar Lafontaines Frau Christa Müller, von der dieser inzwischen getrennt lebt.

Die Dokumentation hat der preisgekrönte Autor Stephan Lamby gedreht, der bereits Porträts über Joschka Fischer, Fidel Castro und Helmut Kohl schuf und in einem anderen Film die permanente Inszenierung von Politik analysierte. In seinem neuen Werk lässt Lamby die Politiker vor allem reden. Die Sequenzen sind geschickt, manchmal auch ein bisschen effekthascherisch geschnitten, zudem mit harten Klavierakkorden unterlegt. Vieles wird im Auto oder Studio gesagt, da, wo vermeintlich niemand zuhört. Die Kamera geht teils allzu nah an die Gesichter. Was bleibt als Erkenntnis? Politik ist ein Metier, das einsam und krank machen kann. Richtige Freundschaften unter Parteipolitikern sind selten, jeder kann im Kampf um Ämter zum Konkurrenten werden, resümiert Kubicki. Und Kurt Beck bekennt: „Ich bin misstrauischer geworden.

Andrea Fischer musste als Bundesgesundheitsministerin gehen, als die Grünen auf Distanz gingen – das sei ein typisches Muster. Solange die eigene Partei jemanden als Minister wolle, sei ein Rücktritt fast nicht durchsetzbar, wie sich zum Beispiel an der Strategie der CSU im Fall Karl-Theodor zu Guttenbergs gezeigt habe. Wer sie letztlich loswerden wollte? Namen nennt sie keine, aber es schimmert in ihren Worten durch, dass Joschka Fischer, der sie einst förderte, auch mit absägte. Zehn Jahre litt Andrea Fischer, ihre Selbstzweifel wuchsen immer mehr. „Ich habe eine schwere Depression gekriegt, die ich auch nur mit Medikamenten und Therapie im Laufe eines Jahres bekämpfen konnte.“

Von Matthias Hoenig

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