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CSU-Chef Seehofer ist den anderen Parteien das liebste Angriffsziel beim Politischen Aschermittwoch.

Harter Schlagabtausch

Aschermittwoch: Alle gegen "Crazy Horst"

München - CSU-Chef Seehofer ist den anderen Parteien das liebste Angriffsziel beim Politischen Aschermittwoch. „Crazy Horst“ sei ein „Drehhofer“, schimpfen SPD, Grüne, Freie Wähler, Linke und Piraten. Doch für die CSU gilt: Viel Feind', viel Ehr.

Der Aschermittwoch ist eigentlich ein Tag zum Innehalten. Doch von Buße, Selbstkritik oder Umkehr ist am Ende der tollen Tage bei den Parteien nichts zu spüren: Sieben Monate vor der Bundestagswahl und der Landtagswahl in Bayern liefern sie, was ihre Anhänger in den Bierzelten und Festsälen Niederbayerns erwarten - sie dreschen auf den Gegner ein. Ein bevorzugtes Ziel ist Horst Seehofer. Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle bekommt im „Land der Dirndl“ sein Fett weg. Der Wahlkampf wird hart und nur vielleicht auch fair.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nennt den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten „die größte lose Kanone auf dem politischem Deck Deutschlands“. Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Christian Ude, der Seehofer im September aus der Staatskanzlei vertreiben möchte, will bereits wachsende Nervosität bei der Dauerregierungspartei spüren: „Heute zittert die CSU wie Espenlaub.“ In Umfragen liegt die SPD in Bayern allerdings weit zurück. Die CSU kann derzeit sogar auf die Rückeroberung der absoluten Mehrheit hoffen.

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Brüderle begrüßt "im Land der Dirndl und Denker"

Für den Koalitionspartner FDP wäre das ein Alptraum. Seehofers Vize, Wirtschaftsminister Martin Zeil, sagt: „Bayern ist zu schön, um es wieder den Schwarzen allein zu überlassen.“ Den Fraktionschef der Liberalen im Bundestag, Rainer Brüderle, begrüßt Zeil im „Land der Dirndl“. Eine Journalistin hatte Brüderle vorgeworfen, an einer Hotelbar anzügliche Bemerkungen über ihr Aussehen im Dirndl gemacht zu haben. Beim Treffen der bayerischen Linken sagt Vizechefin Sahra Wagenknecht: „Ich hatte wirklich vor, mich heute in ein Dirndl zu zwängen. Dann aber hat mich der Mut verlassen. Ich habe nämlich gehört, Rainer Brüderle soll heute hier in der Nähe sein.“

Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, ätzt mit Blick auf Brüderle: „Wir versuchen alle, vor allem nach Aschermittwoch, unseren inneren Schweinehund zu überwinden. Die FDP macht ihn zum Spitzenkandidaten.“ Immerhin, CSU-General Alexander Dobrindt stärkt Brüderle zumindest im Vergleich mit dem politischen Gegner den Rücken: „Lieber nachts um zwölf Rainer Brüderle an der Hotelbar als Claudia Roth zum Frühstück.“ Brüderle selbst sagt, es gebe Versuche, die FDP auszulöschen: „Der Gegenwind wird noch härter.“ Aber die FDP werde bei den Wahlen besser abschneiden als in den Umfragen.

Ob das auch für die im Umfrage-Hoch schwelgende CSU gilt, muss sich zeigen. Die Wörter „absolute Mehrheit“ nimmt Seehofer nicht in den Mund - er hat sich die Fortsetzung von Schwarz-Gelb auf die Fahnen geschrieben, im Land wie im Bund.

Feindbilder sind für ihn Ude und Steinbrück. Letzterer habe in seiner Zeit als Minister vor allem Schulden hinterlassen. „Steinbrück ist kein Finanzfachmann. Er ist der Schuldenkönig von Deutschland“, ruft ein etwas heiserer Seehofer vor begeisterten Anhängern. Dass die meisten Schulden als Finanzminister bislang CDU-Mann Wolfgang Schäuble gemacht hat, erwähnt er mit keinem Wort. Stattdessen schickt er Steinbrück noch hinterher: „Sein Lebensmotto ist offensichtlich: Jedem das Seine und mir das meiste.“

Die SPD hat in Vilshofen ein Bierzelt aufgebaut, in das 5000 Gäste passen, 1000 mehr als in der Dreiländerhalle Passau zugelassen sind, wo die Schwarzen tagen. Doch CSU-General Dobrindt reklamiert den Sieg für sich: 7000 Gäste habe die CSU gelockt.

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Bier fließt in beiden Hallen. Bei den Grünen bescheiden sich die Spitzen mit Maßkrügen voller Wasser. Schließlich will man hier nicht so sein wie die CSU, die sich „in Passau an ihrer glorreichen Vergangenheit berauscht“, erklärt die bayerische Spitzenkandidatin Margarete Bause. Trittin nennt Seehofer „Crazy Horst“ und sagt, nach 56 Jahren müsse Schluss sein mit dem „schwarzen Fluch“ in Bayern.

Bause sagt, wenn schon ein Papst zurücktreten kann, „werden wir es in Bayern doch auch schaffen, nach 56 Jahren die CSU endlich in die Opposition zu schicken“. Dort wollen auch die Freien Wähler die CSU gerne sehen, wie der Landes- und Bundesvorsitzende, Hubert Aiwanger, in Deggendorf klarmacht. Das CSU-Personal habe so viele fatale Fehler gemacht, dass es möglichst keinen Kugelschreiber mehr in die Hand bekommen solle, um wichtige Sachen zu unterschreiben, sagt er. „Gebt ihnen in jede Hand eine Weißwurst, dann können sie wenigstens nichts kaputtmachen.“

dpa

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