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„Grün ist das neue weiß-blau.“ Grünen-Bundesvorsitzender Habeck bei seinem umjubelten Auftritt in Landshut. 

Sticherleien gegen CSU

Politischer Aschermittwoch der Grünen: Betreutes Regieren für die CSU

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Jamaika ist beerdigt, aber die Grünen haben nichts von ihren Regierungs-Ambitionen eingebüßt. Es ist klar: Die Öko-Partei will an die Schalthebel der Macht. In Landshut tritt der neue Chef Robert Habeck auf, er schimpft auf Horst Seehofer und wird gefeiert wie ein Popstar.

Landshut – Bernlochner-Saal in Landshut, Aschermittwoch, draußen rauscht die Isar vorbei. Drinnen 500 Gäste, einige sogar im Trachtenjanker, Bierbänke, grün-weiße Rautentischdecken, Ehepaare, die sich ein Weißbier teilen, und Weizentortillia mit Humus für 6,40 Euro als Tagesspezialität.

Dann plötzlich Bewegung, Aufregung. Es ist kurz nach halb 10, Kamerateams dotzen aneinander wie die Autos im Auto-Scooter. Alle wollen zu ihm: zur großen Hoffnung der Grünen. Zu jenem Mann, der auf lässige Art immer etwas zerknautscht ausschaut. Sein Name: Robert Habeck, 48, aus Lübeck, von Beruf Schriftsteller und auch noch Bundesvorsitzender der Grünen. Er steht auf der Bühne und sagt als erstes: „Grün ist das neue weiß-blau.“

Hört sich nach schräger Farbenlehre an, ist aber eine wohlkalkulierte Kampfansage. Jamaika ist begraben, der nächste stolze Staat, den die Grünen regieren wollen, heißt Bayern. So kann man das zumindest verstehen. „Dieses Land gehört keiner Partei“, sagt Habeck, „dieses Land gehört nicht der CSU. Dieses Land gehört der Demokratie.“ Die Grünen-Basis jubelt. Es ist eine wütende Freundschaftsanfrage, die Habeck hier präsentiert, nach dem Motto: Liebe CSU, wir finden euch merkwürdig, eure Kraftmeierei, eure Art, vor allem aber eure Umweltpolitik und die Flüchtlingspolitik – aber wir würden in Bayern sehr gerne mitgestalten, mitmachen. Habeck sagt: „Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, Jamaika zu sondieren. Und wir waren bereit, uns alles zuzumuten. Vielleicht hätte es die Partei zerrissen.“ Aber die Grünen wollten mit aller Macht regieren, das erzählt Habeck an diesem Tag immer wieder.

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Habeck über Seehofer in Berlin: „So fühlt es sich an, wenn man abgeschoben wird“

Davor hat Katharina Schulze, die grüne Fraktionsvorsitzende im Landtag, bei ihrer Rede einen neuen Begriff ins Spiel gebracht. Aschermittwochs-Spott, aber nicht nur: Es brauche, sagte sie, eine Art „betreutes Regieren für die CSU“. Wer wen betreut, ist aus Grünen-Sicht sternenklar. Da ist auch immer eine Portion Besserwisserei dabei. Aber die Grünen wollen sich womöglich auch das zumuten: die CSU.

Kleine, steile These am Rande: Das wird der FDP noch Kopfzerbrechen bereiten. Die Grünen grätschen mit beiden Beinen in das Vakuum, das Lindners Liberale hinterlassen haben. Sie attackieren die bayerische Staatskanzlei und fordern gleichzeitig den Zweitschlüssel. Motto: Lieber mit der falschen Partei regieren (also der CSU) als gar nicht regieren.

Habeck, der zum erstem Mal beim politischen Aschermittwoch auftritt, spricht in seiner Rede immer wieder von der bayerischen Grünen-Ikone Sepp Daxenberger („Als kleiner grüner Politiker habe ich immer nach Bayern zu ihm geschaut“). Er ist eines seiner politischen Vorbilder. Ganz im Gegensatz zu Seehofer. Über ihn sagt er: „Jetzt haben sie vielleicht ihr Ziel erreicht: ein Heimatministerium in Berlin. Und Horst Seehofer wird dahin abgeschoben. So fühlt es sich an, wenn man abgeschoben wird.“ Großes Gelächter im Saal. Klar.

Moderiert hat den Aschermittwoch Eike Hallitzky, der Landesvorsitzende der bayerischen Grünen. Auch er hat einen schönen Satz gesagt – als er um Ruhe im Saal bat. „Ich bitte um die Überlegung jedes Einzelnen, ob man nicht ein bisschen leiser sein könnte.“ Antiautoritär, kompliziert, vergeistigt. Auch das können die Grünen im Jahr 2018 noch immer sein. Man hätte es an diesem Aschermittwoch in Landshut fast vergessen können.

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