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Darauf eine Spezi-Mass! (v.l.) Katharina Schulze, Henrike Hahn und Annalena Baerbock.

Frauenpower zum politischen Aschermittwoch

Schicke Kleider statt Latzhose: Die Grünen üben den Höhenflug

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Frauenpower bei denGrünen: Beim politischen Aschermittwoch sprechen heuer nur Politikerinnen. Parteichefin Baerbock spornt die Grünen zu Höchstleistungen an – und Katharina Schulze träumt bereits von Barack Obama. Ein Besuch bei einer Partei, die den Höhenflug übt.

Landshut – Grünen-Chefin Annalena Baerbock steht in Landshut auf der Bühne des Bernlochner-Saals, über ihr hängen grün eingefärbte Europa-Flaggen. „Wir sind radikal und staatstragend, das ist der Kern unserer Partei“, ruft sie. Volkspartei, aber lässig. Opposition, aber politikbestimmend. So sieht sich die Partei gerade gerne, so fühlen sich die Grünen auch beim politischen Aschermittwoch – noch immer wie im Rausch von den letzten Wahlerfolgen und vom Erfolg des Bienen-Volksbegehrens.

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 „Ihr habt den Söder so was von im Griff“, sagt die gebürtige Hannoveranerin zu ihren bayerischen Parteifreunden, „der braucht keinen politischen Schlagabtausch mit mir an dieser Stelle.“ Was ist schon der Ministerpräsident einer Regionalpartei gegen die Vorsitzende einer telegenen Prima-Laune-plus-prima-Ideen-Partei, die gerade einen Lauf hat. „17,6 Prozent“, sagt Baerbock. „Da ist noch Luft nach oben. Bei der Europawahl könnt ihr der CSU auf die Pelle rücken.“ 17,6 Prozent – so viel haben die bayerischen Grünen bei der Landtagswahl geholt. Jetzt wollen sie den Blinker setzen. Den zum Überholen. Man wird ja wohl träumen dürfen.

Fleischlos war gestern

Der Grünen-Aschermittwoch ist eine Mischung aus Eigenlob, grüner Kraftmeierei und kleinen Überraschungen. Überraschung Nummer eins: Beliebtestes Essen an diesem Tag ist Bio-Weißwurst mit süßem Senf und Breze für acht Euro – mit großem Abstand vor der Dinkelsemmel mit Brie und Gurke für vier Euro. Fleischlos war gestern, Fleischverbot am Aschermittwoch war vorvorgestern.

Überraschung Nummer zwei: Man kann viel über Frauenquote reden, man kann anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht nur Politikerinnen sprechen lassen wie heute in Landshut – aber vor seinen Anhängern ist man nie sicher. Kuriose Szene am Rande: Kurz vor ihrer Rede dreht Katharina Schulze, die Fraktionsvorsitzende im Landtag, eine Runde von Bierbank zu Bierbank. Plötzlich kommt ein Mann zu ihr und fragt, ob er ein Selfie mit ihr machen dürfe. Sie sagt: „Klar, aber ich hole noch unsere Spitzenkandidatin zur Europawahl dazu.“

Der Mann zweifelt erst kurz, willigt aber ein, als er Henrike Hahn im roten Kleid sieht: „Okay, noch eine hübsche Frau. Warum nicht?“ Ojemine, eine Macho-Attacke zwischen grünen Mini-Windrädern und Europaflaggen in Herzform. Schulze verschlägt es die Sprache, aber nur kurz. Dann sagt sie: „Kompetent ist sie auch.“

Schulze: „Söder hat sein Herz für die Umwelt entdeckt

Wenige Minuten später steigt Schulze aufs Rednerpult. In aller Früh war sie bereits zusammen mit Henrike Hahn und Annalena Baerbock bei einer Kosmetikerin. Die Damen überlassen nichts dem Zufall. Sie kennen die Macht der Bilder. Und die der guten Sprüche. Schulze hat sich ein halbes Dutzend Gags bereit gelegt. Über Söder sagt sie: „Er hat sein Herz für die Umwelt entdeckt. Ich warte ja nur darauf, dass er in Latzhose, Jesuslatschen und mit Jutebeutel in die Staatskanzlei marschiert, um seine Entschlossenheit zu demonstrieren.“ Gelächter im Saal. Nächster Gag: „Bislang dachte ich, ein Minister muss bei seiner Amtsführung schon die Fakten berücksichtigen und schauen, dass seine Politik Sinn ergibt. Und dann kommt Andreas Scheuer.“

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Frotzeleien unter Berufskollegen – das gehört natürlich zum Ritual: Aber es gibt auch Sätze, die damit nichts zu tun haben. „Es liegt was in der Luft“, sagt Schulze. Am 26. Mai ist Europawahl. Macht ist ein Wort, das ihnen hier immer besser gefällt. Am Ende ihrer Rede zitiert Schulze einen berühmten Mann: „Wir sind die Veränderung, nach der wir suchen.“ Das sagte einst Barack Obama.

Und jetzt sagt es auch Katharina Schulze mitten in Niederbayern. Drunter machen sie es bei den Grünen schon lange nicht mehr.

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