Ein Grüner gegen den weißblauen Landesvater: Robert Habeck (l.) und Markus Söder.
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Ein Grüner gegen den weißblauen Landesvater: Robert Habeck (l.) und Markus Söder.

„Sacht ihr Prost?“

Fernduell: Kann Habeck Aschermittwoch? Söder mit selbst verfasster Rede

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Politischer Aschermittwoch: Robert Habeck, Markus Söder und Saskia Esken treten  zeitgleich auf – die Parteien beobachten sich untereinander und entsenden getarnte Zuhörer.

  • Die politischen Turbulenzen der letzten Wochen sorgen für viel Zündstoff beim politischen Aschermittwoch
  • Besonders das Fernduell zwischen Markus Söder und Robert Habeck wird mit Spannung erwartet
  • Vor der Dreiländerhalle in Passau wird es eine Klima-Demo gegen die CSU geben

Passau – Neulich war bei Robert Habeck gut zu beobachten, wie sehr er mit den Bayern-Klischees hadert. Der Grünen-Chef war zu Gast im oberbayerischen Kommunalwahlkampf und blickte sich fragend um. „Sacht ihr Prost?“, brummte er in die Runde und hob einen Softdrink an. „Skal“, sagte er dann auf Dänisch, ehe er an seiner Cola-light nippte.

Habeck tritt als Hauptredner der Grünen zum Aschermittwoch an

Wer Habeck so erlebt, und sein mitunter blumig-philosophisches Mäandern durch politische Auftritte, darf dem heutigen Tag staunend entgegensehen. Da tritt der Schleswig-Holsteiner als Hauptredner der Grünen zum Aschermittwoch an – kann er das? Bierdimpfeligkeit und verbale Grobheiten sind dem 50-Jährigen fremd. Bei den Grünen, die wieder nach Landshut laden, ist das auch gar nicht so gefragt. Neulich ermahnte er die Politik selbst, mehr in einem „Ton von Respekt“ übereinander zu reden.

Spannend ist Habecks Auftritt vor 600 Gästen trotzdem – es lässt sich eine Art Fernduell hineingeheimnissen. 95 Kilometer weiter spricht die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken in Vilshofen, 120 Kilometer weiter der CSU-Chef Markus Söder in Passau. Der Stil dürfte komplett unterschiedlich sein. Zum CSU-Ritual gehört, den Saal möglichst zum Kochen zu bringen. Es ist einer der Tage, an denen auch Söder seine Landesvater-Attitüde zeitweise ablegen will.

Söder wird die Grünen angreifen und gegen Habeck sticheln

Der CSU-Vorsitzende hat seine Rede selbst verfasst, 20 Seiten handschriftlich. Er plant vor allem eine harte Abgrenzung zur AfD. Vor einem Jahr formulierte er in Passau seinen bisher schärfsten Satz: „Kehrt zurück und lasst die Nazis in der AfD allein“, rief er deren Wählern zu. Auch die Grünen wird er angreifen, gegen Habeck sticheln. „Eine philosophische Lehrstunde in Ökosozialismus“ bescheinigte die CSU dem Grünen neulich. Zum Machtkampf in der CDU will Söder wohl nur ein paar Spitzen fallen lassen.

Es ist im Wesentlichen das Konzept aus dem Vorjahr, Bierbänke vor, neben, hinter der Bühne und der Versuch, der schmucklos-kühlen Halle etwas Atmosphäre einzuflößen. Dennoch steht Söder stärker im Zentrum, 2019 teilte er sich die Bühne mit dem Europa-Spitzenkandidaten Manfred Weber. Anders als der in Passau meist krächzende und hustende Vorgänger Horst Seehofer mag Söder das Format sehr. Auch für positive Botschaften: Heuer ist ein klares Bekenntnis zu Bayerns Bauern und zum Miteinander von Klimaschutz und Wirtschaft geplant.

„Aschermittwoch for Future“ - Demo gegen CSU in Passau

Vor der Dreiländerhalle stehen diesmal Gegendemonstranten der „Fridays“-Bewegung. „Aschermittwoch for Future“ taufen sie ihren Protest. Geplant sind Auftritte mit Rap, Samba und Jodeln, dazu kursieren zornige Slogans im Netz: „Euch geht das Bier aus. Uns die Zeit.“ Oder: „Saufen kann jeder, Klimaschutz anscheinend nicht.“

In kleinerem Rahmen planen die anderen Parteien. Die FDP hat nur Generalsekretärin Linda Teuteberg zu Gast, die AfD den Berliner Rechtsaußen Gottfried Curio, die Linke Gregor Gysi, die ÖDP die „Bienen-Begehren“-Initiatorin Agnes Becker.

Die Parteien beobachten sich, entsenden getarnte Zuhörer – sogar CSU und Freie Wähler untereinander. Die Koalitionspartner überwachen, ob sie trotz naher Kommunalwahl nicht zu schlecht übereinander reden. FW-Chef Hubert Aiwanger sagt, Söder spreche zum Glück vor ihm: „Ich sehe dann, was er für mich an Lorbeeren übrig hat, und kann darauf reagieren.“ Es werde „vielleicht ein paar kleine Neckigkeiten“ geben, „aber eine Generalabrechnung werde ich nicht vornehmen“. 

Hin und her in Thüringen: Nach zähem Ringen vereinbaren Linke, SPD, Grüne und CDU einen Kompromiss. Jetzt gibt es einen Termin für die nächste Ministerpräsidentenwahl.

Armin Laschet machte am Dienstag seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz bekannt. Damit kam er Friedrich Merz zuvor - und ließ diesen offenbar auflaufen.

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