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Auch am politischen Aschermittwoch eine Nummer für sich: Franz Josef Strauß unterhielt 35 Jahre lang den Saal.

Strauß lederte teils stundenlang

Mittwoch der Maulhelden: Die wilde Geschichte des politischen Aschermittwochs bis FJS bis AKK

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Der politische Aschermittwoch ist ein besonderer Termin im politischen Jahr. Endlich einmal müssen die Staatsmänner und -frauen kein Blatt vor den Mund nehmen. Doch ganz zu Beginn spielte die CSU kaum eine Rolle...

München - Woran denkt man beim Begriff politischer Aschermittwoch? Sehr wahrscheinlich an CSU-Übervater Franz Josef Strauß. Er war in der Tat der unerreichte Star der Veranstaltungen in Niederbayern: Wenn er am Rednerpult stand, schwitzend gegen Sozialisten und Kommunisten wetterte, unter johlendem Applaus des bierseligen Publikums. Erfunden haben aber weder er noch die CSU das Spektakel am ersten Tag der Fastenzeit.

Als Geburtsjahr der Veranstaltung gilt 1919: Damals rief der Bayerische Bauernbund während des Viehmarkts in Vilshofen erstmals zu einer „Großen Volksversammlung“ auf. Jedes Jahr wurde am Aschermittwoch fortan in den Wirtshäusern der kleinen Stadt diskutiert und debattiert, bei Fastenbier und Käs. Politische Debatten waren in der Nazizeit verboten, und die Tradition konnte erst 1948 wieder aufleben - auch nicht gleich als „politisches Hochamt der CSU“.

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Strauß legte 35 Aschermittwoch-Reden hin

Zuerst nämlich war Joseph Baumgartner, der von der CSU in die Bayernpartei übergetreten war, derjenige, dem in Vilshofen die Aufmerksamkeit galt. Die damals kleine CSU spielte keine Rolle. Sie lud aber am 18. Februar 1953 zu ihrer ersten Aschermittwochs-Kundgebung in den Wolferstetter Keller in Vilshofen: Es betrat das noch fast unbekannte CSU-Talent Franz Josef Strauß die Bühne vor dem „größten Stammtisch der Welt“.

Bis zu seinem Tod 1988 elektrisierte er insgesamt 35 Mal die zum Teil von weither angereisten Fans mit seinen krachledernen Sprüchen - als CSU-Generalsekretär, Bundesminister, Ministerpräsident, Parteivorsitzender. Stundenlang lederte er gegen Brand, Schmidt, Wehner ab, auch gegen FDP und Grüne. Das Publikum johlte im Rausch. 1983 versetzte er seinen 10.000 Fans in der Passauer Nibelungenhalle aber doch kurz einen Schrecken, als er nach etwa der Hälfte seiner 185-Minuten-Rede plötzlich ausrief: „Ich hoffe, dass ich hier noch bis zum Jahr 2000 sprechen kann.“

Voller Saal: Die CSU musste wegen der zahlreichen Zuhörer nach Passau umziehen.

CSU muss vom Wolferstetter Keller nach Passau ausweichen

Der Wolferstetter Keller war viele Jahre lang die Heimat der CSU. Aus Platzgründen wich man 1975 nach Passau aus. „Vilshofen müssen wir jetzt denen überlassen, die es schwer haben, den kleinen Saal dort zu füllen“, spottete Strauß. Er meinte die SPD. Und bei ihr war dort sogar einmal Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Gast.

Auch andere Parteien hatten sich der populären Tradition angeschlossen. Inzwischen ist auch die CSU ein weiteres Mal umgezogen: 2003 hielt Edmund Stoiber die letzte CSU-Rede in dem Bau aus der Nazizeit, der dann abgerissen wurde. Jetzt findet der Aschermittwoch in der neu erbauten, gesichtslosen Dreiländerhalle in Passau statt. Der verbale Rundumschlag ist ein mediales Politspektakel, das keine Partei, die etwas auf sich hält, auslassen kann.

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Kramp-Karrenbauer tritt in Mecklenburg in Merkels Fußstapfen

Und auch in einigen anderen Bundesländern ist das Niederbayern-Event ein kleiner Exportschlager geworden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beispielsweise trat in den vergangenen Jahren immer am Abend im mecklenburgischen Demmin auf. Diesmal tritt dort die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer in Merkels Fußstapfen.

Aber hat sich die Tradition des politischen Aschermittwochs nicht überholt? Diese Frage wird nicht erst gestellt, seit der inzwischen abgetretene CSU-Chef Horst Seehofer ans Rednerpult musste - er, der mit dem Aschermittwoch erkennbar fremdelte. Das Wesen der Veranstaltung hat sich gewandelt. Meist stehen nicht mehr einzelne große Reden im Mittelpunkt, sondern es gibt teils lange Rednerlisten. Mehr Redner heißt nicht automatisch mehr bessere Sprüche.

Tradition verpflichtet: Auch Ex-Parteichef Horst Seehofer zig am prestigeträchtigen Datum vom Leder.

Der Schlagabtausch im Jahr 2019

  • CSU: 10 Uhr, Dreiländerhalle Passau: Redner u. a. Ministerpräsident Markus Söder, EU-Spitzenkandidat Manfred Weber
  • Die Grünen: 10 Uhr, Berlochner Saal, Landshut: Redner u. a. Parteichefin Annalena Baerbock
  • FW: 10 Uhr, Stadthalle, Deggendorf: Redner u. a. Landeschef Hubert Aiwanger, MdL Anna Stolz
  • AfD: 10 Uhr, Donaucenter Schubert, Osterhofen: Redner u. a. EU-Wahl-Spitzenkandidat Jörg Meuthen
  • SPD: 10 Uhr, Wolferstetter Keller, Vilshofen: Redner u. a. EU-Spitzenkandidatin Katarina Barley
  • FDP: 11 Uhr, Stadthalle, Dingolfing: Redner u. a. Europawahl-Spitzenkandidatin Nicola Beer
  • Die Linke: 10 Uhr, MS „Stadt Linz“, Passau: ­­Redner u. a. Gregor Gysi
  • Bayernpartei: 11 Uhr, Wolferstetter Bräu, Vilshofen, Redner Parteichef Florian Weber
  • ÖDP: 12 Uhr, Gaststätte ETSV 09, Landshut

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bw

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